Mach: Das Rathaus ist kein Reisebüro

Feuerwehrperspektive: Sebastian Meier, der Chef der Ludwigsluster Feuerwehr, genießt auf einer Drehleiter der  städtischen Berufsfeuerwehr stehend, den Blick über die im Mittleren Westen der USA gelegene 23 000-Einwohner-Partnerstadt Muscatine. privat
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Feuerwehrperspektive: Sebastian Meier, der Chef der Ludwigsluster Feuerwehr, genießt auf einer Drehleiter der städtischen Berufsfeuerwehr stehend, den Blick über die im Mittleren Westen der USA gelegene 23 000-Einwohner-Partnerstadt Muscatine. privat

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20. September 2012, 09:31 Uhr

Ludwigslust | "Ja, absolut. 20 Uhr ins Bett gegangen. 6.30 Uhr aufgestanden. Da kann man schon von ausgeschlafen reden" - so beantwortete Bürgermeister Reinhard Mach vor zwei Tagen die Frage, ob er nach der Rückkehr der Ludwigsluster Delegation aus der amerikanischen Partnerstadt Muscatine im US-Bundesstaat Iowa schon wieder ausgeschlafen sei. Auch zwei andere der sechs Mitglieder der kleinen Mecklenburger Abordnung, Grünen-Abgeordnete Regina Prey und Feuerwehr-Chef Sebastian Meier, zeigten sich während eines ersten Auswertungs-Interviews wieder frisch und munter.

Die erste Zusammenfassung der rund 144 Stunden Amerika fiel bei allen Delegationsteilnehmern sehr positiv aus, wenn sie auch die Akzente etwas unterschiedlich setzten. So erklärte Bürgermeister Reinhard Mach, der zum ersten Mal in dieser Ludwigsluster Partnerstadt zu Gast gewesen war, dass er seine Ziele erreicht habe. So habe er wissen wollen, wie unsere Partnerschaft in Muscatine erlebt werde, und zum anderen die Stadt besser kennen zu lernen. Mit diesem Besuch sollte zugleich erforscht werden, wie man die in der Vergangenheit zumindest aus Ludwigsluster Sicht stark von Politik und Verwaltung geprägte Partnerschaft künftig bürgerfreundlicher und bürgerschaftlicher gestalten könne. Es gehe unter anderem darum, Bürgergruppen unterschiedlicher Interessen miteinander in Kontakt zu bringen. "Wir wollen schauen, ob es auf beiden Seiten, in Deutschland und Amerika, Menschen mit gleich gelagerten Interessen gibt. Mein Ziel ist es, dass sich die Menschen gegenseitig kennen und verstehen lernen", so Mach - und zwar auch verstehen lernen, warum sich Menschen vor einem anderen geschichtlichen und kulturellen Hintergrund eben so und nicht anders verhalten. "Diese Möglichkeiten sollen auch die Ludwigsluster haben. In meinen Augen ist es der Sinn einer solchen Partnerschaft, dass man die kulturellen und geschichtlichen Zusammenhänge besser begreift." Und der Bürgermeister geht mit gutem Beispiel voran, hat sich mit seinem Amtskollegen De Wayne Hopkins gut verstanden - wenn auch mit Hilfe eines Dolmetschers. Sie erörterten unter anderem Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Verwaltungsaufbau, so arbeitet der amerikanische "Major" ehrenamtlich, ihm steht ein City Administrator, ein Stadtdirektor als Verwaltungschef, zur Seite. Weiter geredet wurde auch über die unterschiedlichen Aufgaben beider Städte. So habe Muscatine eine Berufsfeuerwehr, die Stadt sei auch für die Polizei zuständig, im Gegensatz dazu sei die amerikanische Stadt gerade nicht für die Themen Bildung und "Social affairs" verantwortlich. Insgesamt sei es weniger darum gegangen, schon konkrete Vorschläge auszutauschen, sondern vielmehr zunächst die jeweils andere Arbeitssituation, wie Mach es nannte, zu verstehen. "Ich glaube, es wäre zu viel verlangt, in solch kurzen Begegnungen schon Anstöße für verändertes Verhalten geben zu wollen." Immerhin sei schon ein Gegenbesuch geplant. Der Bürgermeister von Muscatine, noch nicht so lange im Amt, habe ein großes Interesse, Ludwigslust kennen zu lernen und auch hier mal Motorrad fahren zu können. Apropos Reisen. Die Stadt werde das gegenseitige Kennenlernen von Amerikanern und Deutschen kräftig unterstützen, sei aber nicht für den gegenseitigen Austausch verantwortlich: "Das Rathaus ist kein Reisebüro", stellt Reinhard Mach klar. Dennoch hoffen er und die anderen Amerikafahrer, die ihre Reise übrigens teilweise oder gänzlich privat finanziert haben, dass nicht nur die Städtepartnerschaft mit Muscatine, sondern auch die zu den beiden anderen Partnerstädten Kamskoje Ustje in Russland und Ahrensburg in Schleswig-Holstein auf neue, bürgerfreundlichere Weise aufblüht. Allein schon deswegen hätte sich die Amerikareise gelohnt. Also eine durchaus ausgeschlafene Angelegenheit.

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