Ludwigslust : Lulu wird Stadt der Windräder

Windräder werden immer höher. Rund um Ludwigslust befinden sich mehrere potenzielle Eignungsgebiete.
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Windräder werden immer höher. Rund um Ludwigslust befinden sich mehrere potenzielle Eignungsgebiete.

Region voll von Eignungsgebieten / Spannung auf Entscheidung des Planungsverbandes / Zielabweichungsverfahren angekündigt

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20. November 2014, 07:00 Uhr

Es ist wie die Ruhe im Auge des Hurrikans. Rund um Ludwigslust könnte es einen Wald von Windkraftanlagen geben. Die größten Brocken: 500 Hektar Fläche im Bereich Glaisin, Bresegard und Eldena, 600 Hektar im Areal Wöbbelin, Ludwigslust und Groß Laasch, 378 Hektar zwischen Hornkaten, Ludwigslust und Karstädt. Reinhard Mach, Bürgermeister der Lindenstadt, zeichnete auf der Sitzung des Ausschusses für Bau, Umwelt und Energie der Stadtvertretung ein unübersichtliches Bild. Projektentwickler haben sich die Klinke bei den Grundstückseignern in die Hand gegeben und teils Vorverträge über Flächen gemacht. Ein äußerst lukratives Geschäft, denn Pachterwartungen von bis zu 40 000 Euro pro Jahr geistern umher und lassen Grundbesitzer unruhig werden.

Der Ball liegt indessen beim Regionalen Planungsverband Westmecklenburg. Gespannt geht der Blick der Interessenträger auf die Verbandsversammlung am 17. Dezember. Es geht um die Kriterien, nach denen Windkraftanlagen aufgestellt werden dürfen und auch einen Planungsentwurf. Nach den Worten des Bürgermeisters hinkt die Windenergie-Planung in Westmecklenburg hinter den anderen Regionen zurück. Zielabweichungsverfahren kommen ins Gespräch, Projekte am Regionalen Planungsverband vorbei direkt im Konsens mit der Landesplanung zu verwirklichen. Auch eine Eigentümergemeinschaft aus dem Bereich Göhlen und Kummer strebt ein solches Zielabweichungsverfahren an, wie deren Sprecher Udo Jauert informierte. Hier sollen auf 116 Hektar Windkraftanlagen entstehen. Das Bemerkenswerte: Zehn Prozent der Erträge fließen in eine gemeinnützige Stiftung, aus der Projekte finanziert werden, die den betroffenen Dörfern Hornkaten, Kummer und Göhlen zugute kommen sollen. Die Tatsache, dass just in dem betroffenen Gebiet der Schwarzstorch gebrütet hat (steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten) bringt die Projektbefürworter nicht aus der Ruhe. Der Vogel würde nicht in jedem Jahr an der gleichen Stelle seinen Nachwuchs aufziehen, so die Argumentation.

Unterdessen scheint sich die Meinung auch bei den Nachbarn zu verfestigen, statt moderne „Donquichotterie“ des Kampfes gegen Windräder zu betreiben, lieber das Beste aus der Entwicklung zu machen. Bürgermeister Reinhard Mach zitiert gern Prof. Dr. Peter Adolphi von der Akademie für nachhaltige Entwicklung MV, wonach bei der Windkraft der „Ertrag den Ertragenden zugute kommen soll“. Die beste Möglichkeit, dies umzusetzen sei, so Reinhard Mach, selber mit in das Windparkgeschäft einzusteigen. Vor allem im Bereich zwischen Ludwigslust, Karstädt und Hornkaten hat die Stadt nennenswerte Flächen, die dafür infrage kämen. So lässt sich nach seinen Worten am ehesten der größte Effekt für das städtische Gemeinwohl erzielen.

Hintergrund, warum sich der Energieausschuss mit dem Thema befasst hat: Seit Mai diesen Jahres wird ein Energiekonzept für die Lindenstadt erarbeitet. Der Ausgangspunkt liegt bereits zwei Jahre zurück. Angestoßen durch das Schweriner Energieministerium entstanden Karten mit potenziellen Windeignungsgebieten. In der Region um Ludwigslust waren damals acht Flächen in den Fokus gerückt. Schnell waren auch Projektentwickler in der Region unterwegs. Eine Schweriner Firma versuchte, speziell in Glaisin Flächen für die Windkraft zu sichern. Das führte zu Spannungen zwischen Grundeigentümern und solchen Einwohnern, die keine geeigneten Flächen besitzen (SVZ berichtete).

Die Windkraft ist nicht die einzige Form erneuerbarer Energie, wohl aber momentan die, welche am zukunftsträchtigsten erscheint. Die Diskussion geht weiter.

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