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Ludwigsluster Tageblatt

23. November 2017 | 10:43 Uhr

Massentierhaltung : Lüblow fühlt sich vereiert

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Lüblower fordern nach eigenen schlechten Erfahrungen Änderung der Genehmigungspraxis für Massentierhaltungen

von
erstellt am 13.Jan.2015 | 07:00 Uhr

Der Zorn über die Art und Weise, wie in Lüblow und Neu Lüblow zwei Legehennenbatterien entstanden sind, ist noch nicht verraucht in der Gemeinde. Ja, die Kommunalpolitiker sind so sauer, dass sie ein Fernsehteam von „Panorama 3“, dem Politikmagazin des Norddeutschen Rundfunks, und SVZ eingeladen haben, um ihren Unmut norddeutschlandweit deutlich zu machen.

Seit 2011 ist die Diskussion um die Anlagen im Gange. Die Gemeindevertretung hatte sich von Anfang an gegen die Projekte positioniert, sah sich durch den Willen des Gros der Bürger gestärkt. Viele hatten auf Unterschriftenlisten ihre Ablehnung dokumentiert. Gefordert wurde unter anderem eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung mit einer umfassenden Beteiligung der Öffentlichkeit. Der Streitpunkt: Bei einer Kapazität von unter 40 000 Tieren ist eine solche Prüfung nicht nötig. „Wenn man eine Anlage für sich betrachtet, ist das ja richtig“, sagt Bürgermeister Lothar Seliger. „Aber hier geht es um zwei Anlagen, die auf relativ begrenztem Territorium innerhalb der Gemeinde errichtet wurden.“ Beide Projekte hätten also wie ein einziges behandelt werden müssen, so die Auffassung der Lüblower Kommunalpolitiker. Sie versagten also das gemeindliche Einvernehmen zu den Bauvorhaben. Letztlich ohne Erfolg, denn die Entscheidung wurde durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) wieder aufgehoben. Das ist gängige Genehmigungspraxis, wenn alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten sind.

Inzwischen sind also die Tatsachen geschaffen. Bürgermeister Seliger, seine Stellvertreterin Daniela Frese-Ihde und Gemeindevertreter Joachim Lindenau machen vor dem Gelände der Anlage am Weg nach Rastow nahe der Autobahn vor der Kamera ihrem Ärger Luft. Es ist regnerisch und stürmisch, doch die Gemüter sind erhitzt. „Wozu brauchen wir eigentlich noch eine Gemeindevertretung, wenn wir in unserer eigenen Gemeinde nichts mehr zu sagen haben?“ fragt sich der Bürgermeister empört.

Die beiden Anlagen mit jeweils rund 39 000 Tieren firmieren unter „Freilandhaltung Neu Lüblow GmbH“ und „Freiland Frischei Lüblow GmbH“. Dass es wie zwei verschiedene Betriebe aussieht, davon lassen sich die Lüblower nicht täuschen. „Dahinter steht eine ,Graue Eminenz‘“, erklärt Lothar Seliger, „und das ist Paul Schockemöhle.“ Das findet Jan Körner spannend. Er ist Mitarbeiter im Bereich Innenpolitik des Norddeutschen Rundfunks und an diesem Tag mit dem Drehteam vor Ort. „Nach einer Kleinen Anfrage der Grünen im Landtag hat sich gezeigt, dass es immer mehr üblich wird, Anlagen in der Größe zu begrenzen, um ein umfassendes Genehmigungsverfahren zu umgehen. Das werden wir zum Thema des Sendebeitrags machen“, so Körner. Ausgestrahlt wird er laut NDR in einer der nächsten Panorama 3-Sendungen, frühestens heute, sonst an einem der nächsten Dienstage ab 21.15 Uhr auf N3.

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