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Ludwigsluster Tageblatt

23. November 2017 | 03:05 Uhr

Ludwigslust : Ludwigsluster Ur-Gestein

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Christian Engels Vorfahren lebten nachweislich seit 1627 in der heutigen Lindenstadt / Wurzeln im Dorfe Klenow

svz.de von
erstellt am 27.Dez.2015 | 14:12 Uhr

Christian Engel ist bekannt in Ludwigslust. Und das nicht nur als Inhaber eines Elektroinstallationsbetriebes, den er seit 1963 betrieb, in besten Zeiten mit bis zu zwölf Angestellten, der inzwischen seit 1996 ruht, aber nicht abgemeldet ist. Denn der 78-Jährige ist immer noch in der Handwerkerschaft aktiv, als Vorsitzender der Gesellen-Prüfungskommission sowie als stellvertretender Innungsobermeister der Elektroinnung Ludwigslust-Hagenow.

Es passt zu ihm, der als Betriebsinhaber selbst jedes Jahr Lehrlinge ausgebildet hat. „Es werden 20, 25 Elektroinstallateure gewesen sein, die insgesamt über die Jahre in unserem Betrieb ausgebildet wurden“, sagt Christian Engel. Einige haben sich selbstständig gemacht, wie ihr vormaliger Lehrherr, andere sind ausgewandert.

Seit 1967 steht Engel der Gesellen-Prüfungskommission vor, und er hat seitdem eine Zeit der Veränderungen erlebt. „Das fachliche Niveau der Lehrlinge war in den ersten Jahrzehnten bedeutend besser“, resümiert Engel. Damals standen die Betriebe und die Eltern in der überwiegenden Gesamtheit dahinter, dass die Ausbildungsaufgaben akkurat ausgeführt wurden. Das hat sich heute gewandelt. Die jungen Leute sind über 18 Jahre alt und offiziell für sich alleine verantwortlich. Da gebe es noch viel zu tun… – so der erfahrene Handwerksmeister.

Christian Engel ist vielen seit 1990 auch als Politiker bekannt. Zunächst hatte der Christdemokrat einen Sitz im Kreistag. Er war der erste Kreistagspräsident nach der politischen Wende, ab 1994 bis zur Jahrtausendwende noch im Präsidium des Kreistages. Christian Engel hat heute noch Sitz und Stimme in der Ludwigsluster Stadtvertretung, ist Mitglied der CDU-Fraktion und Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses.

Christian Engel weiß, wie das Herz Ludwigslusts schlägt. Er ist nicht nur in dieser Stadt geboren und aufgewachsen, schon seine Urahnen haben in der Lindenstadt gelebt – nachweislich seit 1627, damals noch in dem kleinen Dorf Klenow, der Keimzelle der späteren Stadt. Als Handwerker ist er im Laufe der Jahrzehnte in viele Familien gekommen, man kannte sich.

Das Haus in der Schweriner Straße, in dem die Familie heute lebt, ist das Haus der Großeltern. Der Großvater mütterlicherseits kam 1896 nach Ludwigslust. Er war Buchdrucker und Buchbinder, hatte sein Geschäft dort, wo heute in der Schweriner Straße das Fahrradgeschäft ist.

Geboren ist Engel in der Friedrich-Naumann-Allee. Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselten die Besatzer. Die Amerikaner ließen die Familie in Ruhe. Dann kamen die Engländer, und die Wohnung musste geräumt werden. Dann waren die weg, und die Familie zog zurück. Lange währte die Freude nicht, denn dann kamen die Russen und beschlagnahmten die Wohnung aufs Neue. Turbulente Zeiten!

Der Handwerksmeister liebt Ludwigslust – den Schlosspark, die Stadt einesteils ruhig gelegen, andererseits doch durch die Straßen- und Zugverbindungen angebunden an die Welt.

Was nach der Wende ein wenig gelitten hat, ist die gute Nachbarschaft. Das vermisst Christian Engel ein wenig: dass man sich kennt, täglich begegnet. Früher gab es die Wohnbezirksfeste, in denen sich der Zusammenhalt ebenfalls manifestierte. Das Politische spielte nicht die große Rolle. In diesem Teil der Stadt hatten die Leute den Vorteil, dass der Vorsitzende des „Wohnbezirksausschusses der Nationalen Front“, wie es hieß, Hauptbuchhalter beim Ludwigsluster Fleischwarenbetrieb war. Da brauchte man sich um die kulinarische Ausstattung der Wohnbezirksfeste keine Sorgen machen. Ob es je wieder einen solchen Zusammenhalt gibt? Nicht nur Christian Engel wünscht es sich.

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