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Skandal : Ludwigslust: „Wir sind nicht ausländerfeindlich“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ludwigsluster Wohnungsbaugenossenschaft lässt LFW-Fleischwaren als Hauptmieter für bulgarische Arbeitnehmer abblitzen

von
erstellt am 07.Jan.2015 | 11:34 Uhr

Um den bekennenden Bayern Ulrich Müller aus der Reserve zu locken, bedarf es schon einiger Mühe. Das ist offensichtlich der Ludwigsluster Wohnungsbaugenossenschaft e. G. jetzt gelungen.

„Es ist ungeheuerlich, dass wir dort für unsere bulgarischen Arbeitnehmer keine Wohnungen anmieten dürfen. Das wurde vom Vorstand abgelehnt“, schimpft der 50-Jährige aufgebracht im SVZ-Gespräch. Was ist passiert?

Am 26. November letzten Jahres habe es im Parkviertel einen Besichtigungstermin in zwei Dreiraumwohnungen gegeben. „Anwesend waren Radostin Schapanow, ein bulgarischer Geschäftsmann, den ich seit über 20 Jahren kenne und schätze, sowie dessen Partnerin und Marina Nierich, zuständig für die Wohnungswirtschaft. Leider kam Herr Schapanow etwas verspätet zu diesem Termin, da er im Verkehr aufgehalten worden war. Das schien schon den ersten Unmut ausgelöst zu haben. Als er dann noch den etwas verwohnten Zustand eines Fußbodens bemängelte und anbot, diesen renovieren zu lassen, ging das Gespräch offensichtlich in die völlig falsche Richtung. Frau Nierich fühlte sich wohl persönlich angegriffen“, berichtet Müller, der betont, dass die Ludwigsluster Fleisch- und Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG immer als Hauptmieter aufgetreten sei. „Wir suchen nämlich für bulgarische Arbeitnehmer dringend Wohnraum, um hier Familien dauerhaft anzusiedeln.“

Nachfragen bei der Wohnungsbaugenossenschaft e. G. hätten schließlich einen Tag später ergeben, dass der Vorgang zur Entscheidungsfindung an den Vorstand weitergegeben worden sei. „Am 28. November teilte Volker Möhring als hauptamtlicher Vorstand mit, dass man sich aus rechtlichen Erwägungen entschieden habe, die beiden Wohnungen nicht an uns zu vermieten“, erinnert sich Müller. „Offensichtlich haben die Damen und Herren dort ein Problem mit Ausländern.“

Das weist Volker Möhring jedoch entschieden zurück. „Wir sind nicht ausländerfeindlich. Diesen Vorwurf weisen wir entschieden zurück“, stellt er gegenüber unserer Redaktion mehrfach klar. Das Wohnungsunternehmen habe derzeit 29 Mietverträge mit Ausländern, weitere vier würden in Kürze folgen, argumentiert er weiter und sagt: Einer Erstbesichtigung der Wohnungen folge nicht zwangsläufig auch eine Mietzusage. „Zumal uns gesagt wurde, dass in jedem Zimmer zwei Erwachsene untergebracht werden sollen. Das wäre eine eindeutige Überbelegung der Wohnungen. Von Familien war nie die Rede.“ Die Art und Weise, wie Herr Schapanow aufgetreten sei, seine abfällige Art und Weise der Kommentierung über den Zustand der Wohnungen, das müsse man sich nicht bieten lassen. „Unsere Mitarbeiterin ist regelrecht angeschrien worden.“

In erster Linie stelle man laut Satzung für Genossenschaftsmitglieder die Wohnungen zur Verfügung, erklärt auch Jürgen Dörre als Mitglied des Aufsichtsrates. „Denen sind wir in erster Linie verpflichtet. Als privatwirtschaftliches Unternehmen suchen wir uns unsere Mieter immer noch selber aus. Im übrigen besitzen wir keine Wohnungen, die den Charakter einer Arbeiterunterkunft haben. Auch das Wohnumfeld ist unpassend“, sagt Dörre und verweist stattdessen auf die kommunale Vewoba in der Stadt, die einen viel größeren Wohnungsbestand habe.

Wolfgang Köhler, Vorstandsmitglied, erklärt, dass es eine korrekte wie einmütige Entscheidung zu diesem Vorgang gegeben habe. „Das hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun.“

All die Aufregung kann Jürgen Baumgarten aus Wittenburg nicht verstehen. Er vermietet seit mehr als sechs Jahren regelmäßig Unterkünfte an Italiener, Polen, Rumänen und Russen. „Ich habe nur überwiegend positive Erfahrungen mit ausländischen Mietern gemacht“, bekennt der Geschäftsmann. „Ich bin natürlich auch hinterher, erkläre Hausordnungen und achte auf deren Einhaltung. Das klappt bestens. Und wenn mal tatsächlich einer aus der Reihe tanzt, gibt es Unter-Vier-Augen-Gespräche. Die fruchten meistens. Das ist nicht anders, als bei deutschen Mietern.“

Harry Lutzke, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Ludwigslust mbH, kurz Vewoba, bestätigt auf Nachfrage, dass sein Unternehmen im Dezember 2014 einen Wohnungsbesichtigungstermin mit der LFW gehabt habe. „Wir werden dem Unternehmen selbstverständlich erst einmal eine Dreiraumwohnung vermieten. Das ist ja schließlich unser Geschäft. Sollte es mehr Bedarf geben und wir den passenden Wohnraum verfügbar haben, kann Fleischwaren gern noch mehr bei uns anmieten.“

 

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