Ludwigslust : Lucys Spürnase entkommt niemand

Ralf Gründler und Lucy sind unzertrennlich.
Foto:
1 von 1
Ralf Gründler und Lucy sind unzertrennlich.

Polizei-Hauptmeister Ralf Gründler von der Polizeiinspektion Ludwigslust und sein Personenspürhund sind ein erfolgreiches Team

svz.de von
26. Dezember 2013, 20:00 Uhr

Lucy springt aus ihrem Zwinger im Kleintransporter, wedelt mit dem Schwanz und möchte am liebsten gleich die Spur aufnehmen. Braucht sie diesmal aber nicht. Denn auch wenn ihr Herrchen, Polizei-Hauptmeister Ralf Gründler, seine Uniform trägt – im Moment muss Lucy nicht zum Einsatz. Der SVZ-Reporter möchte Lucy nur in ihrer Dienststelle, der Polizeiinspektion Ludwigslust, fotografieren..

Die achtjährige Lucy ist ein Deutscher Schäferhund, speziell ausgebildet als Personenspürhund und seit fünfeinhalb Jahren nicht von der Seite Ralf Gründlers wegzudenken, wenn es zum Einsatz geht. Und dabei haben beide schon einiges erlebt. Aber dazu später.

Denn wenn Lucy mal gerade nicht im Dienst ist, dann lebt sie in der Familie des Polizisten. „Lucy hat ihren Zwinger direkt unter unserem Schlafzimmer zu Hause. Sie wacht praktisch über uns“, schmunzelt Ralf Gründler. Ins Haus allerdings darf der Vierbeiner nur in Ausnahmefällen. Das weiß Lucy genau.

Dafür steht sie aber morgens pünktlich um 8 Uhr an ihrer Zwingertür. Ralf Gründler: „Sie hat ihre zeitlichen Rituale. Wenn ich in Uniform auftauche, ist sie ganz aufgeregt und freut sich, dass es ganz offensichtlich auf Arbeit geht.“ Davor aber – wenn kein dringender Einsatz ansteht – gehen Hund und Hundeführer eine Dreiviertelstunde auf die benachbarten Wiesen, wo sich Lucy austoben kann.

Dann aber will Lucy endlich auf „Arbeit“, sprich: Ganoven aufspüren oder aber Vermisste finden. Denn ein Spürhund arbeitet für sein Futter. Deshalb gilt auch die Devise: Abends nach Feierabend gibt es die Hauptmahlzeit. Danach hat Lucy Zeit, das Fressen zu verdauen. Morgens dann weiß sie genau: Erst, wenn sie im Dienst ihre Spürnase einsetzt, gibt es als Belohnung etwas zu fressen. Ralf Gründler: „Ein satter Hund arbeitet nämlich nicht gerne.“ Er kann deshalb sicher sein, dass sein Hund im Einsatz die volle Leistung abruft. Darum ist es für den Hund wichtig, dass es immer einen positiven Abschluss gibt, auch wenn die gesuchte Person vielleicht nicht gefunden wurde. Und dieser positive Abschluss ist eben ein Napf voller Futter, wobei Lucy auf Katzenfutter steht.

Wie bereits gesagt, lebt Lucy in ihrer Freizeit in der Familie des Polizeibeamten. Und da spielt sie am liebsten mit dem 13-Jährigen Sohn der Familie. „Der Junge spielt dann ,Täter’ und versteckt sich, während Lucy ihn sucht“, erzählt Gründler. „Der Hund weiß auch hier, dass es etwas zu holen gibt. Allerdings unterscheide ich dabei klar zwischen Freizeit und Dienst. Die Kommandos in der Freizeit sind ganz andere, und ich nehme den Hund an die lange Leine. Lucy kann so zwischen der Dienst- und der Freizeit unterscheiden.“

Für einen Personenspürhund wie Lucy sind Erholungsphasen wichtig. Ralf Gründler: „Es ist wie bei einem Hochleistungssportler. Der Hund braucht energiereiches Futter. Für ihn ist es leichter, 20 Kilometer am Fahrrad mit zu laufen als eine Spur 500 Meter weit zu verfolgen. In seinem Dienst muss der Hund seinen Kopf anstrengen, die meiste Energie geht in das Geruchsorgan. Und genau diese Konzentration kostet sehr viel Kraft.“

Wie gut sich Lucy konzentrieren kann, hat sie schon viele Male gezeigt. Zuletzt unter anderem, als sie nach einem Tankstellenüberfall in Ludwigslust die Spur eines Tatverdächtigen rund 300 Meter weit bis zu einem Pkw verfolgte und die Beamten so auf die entscheidende Fährte brachte.

Auch bei der Aufklärung des Mordes an einer Joggerin bei Herrnburg war Lucy beteiligt, nahm am Hauptbahnhof Lübeck die Spur des Verdächtigen auf und verfolgte sie über zwei Tage auf insgesamt 15 Kilometer Länge. Ebenso half Lucy, einen Gewalttäter aufzuspüren, der sich in Grabow den Fluchweg mit einem Lkw frei gerammt, dabei einen Streifenwagen und ein Haus beschädigt hatte. Der Lkw wurde später in Berlin gefunden. Spürhund Lucy verfolgte die Spur mehrere Kilometer durch die Hauptstadt bis zu einem Bahnhof und überquerte dabei unter anderem eine sechsspurige Straße. Auch hier führte Lucys Schnüffelnase die Beamten auf die richtige Spur.

Übrigens hat Lucy inzwischen tierische Gesellschaft, sowohl zu Hause als auch im Dienst. Spyke ist ein zweijähriger Bloodcoonhound, lebt seit seinem vierten Lebensmonat in Ralf Gründlers Familie. Der Polizist ist sicher, das Spyke einmal ein ebenso erfolgreicher Personenspürhund wie Lucy wird, die in rund zwei Jahren in den wohlverdienten Ruhestand geht.

Aber auch danach bleiben beide Tiere in der Familie zusammen: Lucy als „Rentnerin“, deren Kosten im Ruhestand zum Teil durch das Land Mecklenburg-Vorpommern übernommen werden, und Spyke, der sicher versuchen wird, eine ebenso erfolgreiche Spürnase wie Lucy zu werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen