Ludwigslust-Parchim : Lösungen gesucht für die Pflege

Eine Frau streichelt einen Kuschelroboter. Die Diagnose Demenz bedeutet für Betroffene und Angehörige eine drastische Veränderung des Alltags.
Foto:
1 von 2
Eine Frau streichelt einen Kuschelroboter. Die Diagnose Demenz bedeutet für Betroffene und Angehörige eine drastische Veränderung des Alltags.

Fachleute berieten in Parchim über Weiterentwicklung der Versorgungsstruktur im Landkreis

svz.de von
16. Juli 2014, 16:36 Uhr

Ist die Versorgung im Bereich Pflege im Landkreis Ludwigslust-Parchim ausreichend? Wie können Demenzkranke und deren Angehörige ehrenamtliche und professionelle Unterstützung erhalten? Diese und ähnliche Fragen wurden auf einer Fachtagung im Landratsamt Parchim kritisch erörtert.

Nach der Erstellung des Pflegesozialplans für den Landkreis Ludwigslust-Parchim im Jahr 2013 durch das ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik war es das Ziel der Fachtagung, die Empfehlungen zur Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgungsstruktur aufzugreifen und deren Umsetzung vorzubereiten.

Rund 60 Vertreter der Städte und Ämter, der Träger von Diensten und Einrichtungen, der Pflegekassen, der Kassenärztlichen Vereinigung, Seniorenvertreter und weitere Akteure waren der Einladung gefolgt, um mit ihrer Erfahrung an der Umsetzung mitzuwirken.

Der stellvertretende Landrat Wolfgang Schmülling hob hervor, dass Ludwigslust-Parchim als einziger Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern in der kurz bemessenen Zeit einen Pflegesozialplan erstellt habe. Er wies zugleich auf die gemeinsame Verantwortung aller Akteure für die Weiterentwicklung der Versorgungsstruktur hin.

Hans Hopkes als Vertreter der „kleinen LIGA“ der Wohlfahrtsverbände bewertete den Pflegesozialplan ebenfalls als wichtige Grundlage für die weitere Arbeit, betonte aber auch die Schwierigkeit für die Träger, in allen Teilen eines großflächigen Landkreises eine gute Versorgung zu garantieren.

Dr. Dietrich Engels (ISG) stellte die zentralen Ergebnisse des Pflegesozialplans 2013 vor und zeigte die weiteren Schritte zur Umsetzung auf. In allem gehe es um den Ausbau der vorstationären Versorgungsangebote, um im Sinne des Grundsatzes „ambulant vor stationär“ den Bedarf an stationärer Pflege möglichst gering zu halten. Dazu können insbesondere ein ausreichendes Angebot an Kurzzeit- und Tagespflegeplätzen, die Sicherstellung altersgerechter Wohnmöglichkeiten und ortsnahe Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für Pflegebedürftige und deren Angehörige beitragen.

Melina Meding vom Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft erläuterte in ihrem Vortrag, welche Formen und Verläufe von Demenz bekannt sind und welche Belastung die Demenz für die erkrankte Person selbst und insbesondere für die pflegenden Angehörigen bedeutet. Gleichzeitig informierte sie über Unterstützungsangebote in Mecklenburg-Vorpommern. Als Beispiel für mögliche Hilfestrukturen im ländlichen Raum berichtete Gisela Grote vom Verein „Hand in Hand im Bördeland“ (Niedersachsen), wie aus einer Selbsthilfe-Initiative eine Organisation ehrenamtlicher Hilfen aufgebaut wurde.

Der Aufbau ehrenamtlicher Hilfen für Demenzkranke und deren Angehörige ist eine gute Möglichkeit, professionelle Unterstützungsstrukturen zu ergänzen, aber auch mit einigen Schwierigkeiten verbunden ist, so das Ergebnis einer Arbeitsgruppe bei der Beratung in Parchim. Mit einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit soll das Bewusstsein über Demenz in der Bevölkerung verbessert werden.

Ein weiteres Ergebnis aus den Arbeitsgruppen: Anzustreben ist ein eigenständiges Kurzzeitpflegeangebot, das nicht im normalen Heimalltag integriert ist, sondern attraktiv als „Pflegeurlaub“ mit aktivierenden Maßnahmen in wohnlicher Atmosphäre gestaltet wird.

Eine Arbeitsgruppe bestätigte, dass ältere Menschen auch mit Pflegebedarf möglichst lange in der gewohnten Wohnung leben möchten. Jedoch genüge in ländlichen Gebieten nicht, den eigenen Lebensraum barrierefrei bzw. -arm zu gestalten, wenn in der Wohnumgebung keine ausreichende Infrastruktur wie Einkaufsmöglichkeiten, Transportmöglichkeiten etc. vorhanden sind. Ansätze zur Verbesserung seien ehrenamtliche Fahrdienste, mobile Verkaufsangebote und Nachbarschaftshilfen.




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen