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Ludwigsluster Tageblatt

23. Oktober 2017 | 00:55 Uhr

Ludwigslust : Lieder voller Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Barbara Thalheim präsentierte am Donnerstagabend im Schlosscafé in Ludwigslust ihr Programm „Und keiner sagt: Ich liebe dich“

von
erstellt am 06.Jun.2014 | 11:48 Uhr

Sie spielt, singt, erzählt, rezitiert. Sie berührt mit ihren Texten, mit ihrer Stimme, ihrem Ausdruck. Barbara Thalheim, Jahrgang 1947, eine der bekanntesten Liedermacherinnen und Sängerinnen zu DDR-Zeiten und auch ganz besonders nach der Wende, live im Jagdsaal des Schlosscafés des Ludwigsluster Barockschlosses am Donnerstagabend zu erleben, war ein Genuss. Ein Genuss, ihre Stimme, die Texte auf sich wirken zu lassen, die Botschaft zwischen den Zeilen für sich selbst zu entdecken.

„Und keiner sagt: Ich liebe dich“ lautete der Titel ihres rund 90-minütigen Programms, das mehr als 80 Musikfreunde und Fans von Barbara Thalheim an diesem Abend erleben wollten. Gern war die vielseitige Künstlerin wieder einmal der Einladung des Kultur- und Kunstvereins Ludwigslust (Kukululu) gefolgt, freundlich begrüßt zu Beginn der Veranstaltung von Henrik Wegner, dem Vorsitzenden des Vereins.

Thalheims heutige Lieder sind sarkastisch, ironisch, poetisch, sensibel, gemein. Es geht auf der Bühne zu wie im Leben. Die Grenze zum Kabarett ist fließend. Aber sie ist offen, ehrlich, sagt ihre Meinung, die vielen Mächtigen in den oberen Etagen der Gesellschaft, von Politik bis hin zur Wirtschaft, in der heutigen Zeit oft unbequem erscheint.

Sie spricht Themen offen an, die den Leuten auf den Nägeln brennen, so das Thema Arbeitslosigkeit. Eines ihrer Lieder handelt von einem Mann, der seit zehn Jahren zum Arbeitsamt rennt und sich nun mit 50 abgeschrieben fühlt, weil er nichts findet.


„Als ich 14 war“ wurde bei DT 64 gespielt


Sie spart nicht an gesellschaftlicher Kritik, so ist ihr das Vorhaben eines Energieriesens, der in der Lausitz offenbar dank starker Lobby den Braunkohleabbau forcieren will, ein Dorn im Auge. Ihre Gedanken dazu hat sie in der Rezitation „Ein Baum spricht“ deutlich werden lassen.

Sie schlägt musikalisch und künstlerisch einen Bogen von den Anfängen ihrer Laufbahn bis zur Gegenwart. „Als ich 14 war“ war ihr erstes Lied, das 1973 entstand, in der Jugendlieder-Hitparade bei DT 64 zu hören und das von den Problemen heranwachsender Teenager handelte. Von „Sehnsucht nach der Schönhauser“, über „Liebes Deutschland, dir geht es gut“ bis hin zu „Ich will ’ne Insel sein“ und Nur weg hier“, ein Abschiedslied für Berlin-Neukölln, reichte der Bogen ihrer Darbietungen, der die Zeit wie im Nu vergehen ließ. Alles sehr ausdrucksstark vorgetragen, immer wieder auch unterbrochen von kleinen Episoden aus ihrem Leben. Als sie glaubte, dass sich ihr Lehrer in der Schule in sie verliebt hatte. Gespickt mit Rezitationen und Weisheiten wie „Es ist gut zu wissen, dass ein einziger Bleistift gut 30 000 Gedichte enthalten kann“. Humorvoll, satirisch, besinnlich, anmutig, erhaben – mehr geht nicht. Und diese Frau, die in der Vergangenheit auch viele private Schicksalsschläge hinnehmen musste, zeigt, wie stark sie ist. Sie lebt ihr Leben weiter intensiv und offensiv, nachfragend und hinterfragend. Ihre Freunde und Weggefährten geben ihr Kraft und sie möchte diese ihr Nahestehenden selbst auch noch recht lange an ihrer Seite haben.

Natürlich kam Barbara Thalheim um Zugaben nicht herum, sie dankte dem Schlossherrn und Techniker Peter Krohn für seine Unterstützung und dem Kunst- und Kulturverein für die Einladung, und sie ist sich sicher, dass der Name Kukululu der wohl originellste in ganz Deutschland ist. In den Kulturvereinen sieht sie auch die Basis für eine breite künstlerische Arbeit, die Erfahrungen in einem Netzwerk gebündelt.

Tosender Applaus verabschiedete die Künstlerin. „Du, liebe Barbara, bist nun zum dritten Mal hier bei uns in Ludwigslust und jedes Mal singst und erzählst du etwas Anderes“, so Astrid Kloock vom Vorstand des Kukululu. „Leben ohne Leidenschaft geht nicht, deine Lieder sind Leidenschaft.“

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