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Ludwigsluster Tageblatt

17. Oktober 2017 | 10:00 Uhr

Parchim : Liebeserklärung an ein Theater

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Neujahrsempfang des Landkreises geriet zur warmherzigen Liebeserklärung an das Parchimer Theater

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2014 | 19:03 Uhr

Neujahrsempfänge sind langweilig, meinen Sie? Nicht in Parchim. Nicht, wenn das Theaterensemble mitmischt. Nicht, wenn die gestandene Bühnen- und Fernsehmimin Walfriede Schmitt auf der Bühne ihr großes Herz ausschüttet und eine Liebeserklärung an das Parchimer Theater hinausruft, die die mehr als 200 Gäste in der Stadthalle nicht mehr auf den Stühlen hält.

Der Zauber der Kultur machte am Sonnabendvormittag sogar aus Sparkassenchefs und der Landkreis-Führung (beide hatten eingeladen) gestandene Entertainer. Der Neujahrsempfang 2014 war bewusst der Kultur im Landkreis gewidmet, sollte ursprünglich sogar im Theater in der Blutstraße stattfinden, das aber kurzerhand wegen morscher Balken ausfiel. Das Haus braucht also beherzte Helferinnen und Helfer, wie die Kultur insgesamt. Solche couragierten Frauen wie die wunderbare Walfriede Schmitt beispielsweise, die ihre ersten Schritte auf die Bühne 1966 in Parchim tat. Theaterintendant Thomas Ott-Albrecht: „Sie hat ein großes Herz, ist eine tolle Schauspielerin und komplett unprätentiös.“

Und sie öffnete ihr Herz, zitierte Kurt Tucholsky: „Jedes Glück hat einen kleinen Stich...
Dass einer alles hat: das ist selten.“ Politik und Kultur wollten doch die Welt schöner und erklärbarer machen, also auch verändern. Walfriede Schmitts Bühnenkarriere begann als Hexe in Shakespeares Macbeth auf der Parchimer Bühne. „Was wollten wir damals“, fragte Schmitt und lieferte die Antwort gleich mit: „Spielen, schlafen, ein Bier in der Kantine – und ein kleines bisschen an der Welt drehen.“

Walfriede Schmitt erinnerte sich an die Parchimer Anfänge: „Wir hatten die Schauspielschule bestanden und waren im Auto auf dem Weg nach Parchim. Vor dem Stadtschild hielten wir an, stiegen aus und jeder machte ganz langsam den großen Schritt über die Stadtgrenze. Dann kamen wir auf den Moltkeplatz. Wir dachten: Mensch, ist das ein Theater!“ Damals war die Volkspolizei Hüter des Hauses, jetzt gehört es der Sparkasse. Die Blutstraße fanden sie dann auch. Eine Ahnung davon, dass Theater und Kultur Hort des menschlichen Umgangs sein können, ließ Schmitts Huldigung der Garderobieren Mutter Rechmann und Mutter Schlubbe aufkommen, zwei „zärtliche und wunderbarste“ Menschen, die auch noch die wildesten Auftrittsorte in den zärtlichsten Zustand gebracht hätten. Überhaupt: Dass dieses kleine Parchimer Theater den Einzug der kapitalen Gesellschaft überlebt habe, sei nur damit erklärbar, dass jemand die Hände über das Haus halte. Walfriede Schmitt: „Mögen die schützenden Hände nicht erlahmen, die dieses kleine liebenswürdige Theater schützen.“ Viel Glück wünschte die warm berlinernde Schmitt bei der Suche nach neuen Spielstätten.

Das versprach Parchims Intendant Thomas Ott-Albrecht, der verriet, was er in Meyenburg am Rande einer Aufführung des Weißen Rössl im Publikum aufschnappte. Ein älteres Paar habe sich unterhalten: „Das sind die aus Parchim, die machen noch was für die Leute...“



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