Behinderte Mitarbeiter : Lieber zahlen als einstellen

Ein Handicap hindert die meisten Betroffenen nicht daran, gute Arbeit zu leisten. Oft sind Schwerbehinderte besonders motiviert.
Ein Handicap hindert die meisten Betroffenen nicht daran, gute Arbeit zu leisten. Oft sind Schwerbehinderte besonders motiviert.

Rund 450 Arbeitgeber in Westmecklenburg leisten Ausgleichsabgabe, weil sie nicht genügend Behinderte beschäftigen

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02. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Die Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen ist im Bereich Ludwigslust im vergangenen Monat zurückgegangen – entgegen dem allgemeinen Trend. Während die Zahl der Arbeitslosen insgesamt von Oktober auf November leicht um 16 Personen gestiegen war, sank sie bei Menschen mit Schwerbehinderung um zwölf. Damit waren im November 116 Schwerbehinderte ohne Job. Das geht aus der aktuellen Statistik der Agentur für Arbeit hervor.

Die positive Entwicklung kann aber über eine Tatsache nicht hinwegtäuschen. „Menschen mit Behinderungen sind bei der Stellensuche immer noch benachteiligt“, betont Monika Abraham, Teamleiterin der Agentur für Arbeit in Ludwigslust. „Deshalb will die Arbeitsagentur in dieser Woche mit einer Aktionswoche die Arbeitgeber zum Umdenken bewegen und den Menschen bei der Suche nach Arbeit Mut machen.“ Anlass ist der morgige Internationale Tag der Menschen mit Behinderung.Rund 450 Arbeitgeber in Westmecklenburg erfüllen nicht die gesetzliche Vorgabe, mindestens fünf Prozent der Stellen mit Schwerbehinderten zu besetzen (gilt nur für Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten). Stattdessen zahlen sie lieber die fällige Ausgleichsabgabe. Dabei sind Behinderte in vielen Fällen nicht weniger leistungsfähig als ihre Kollegen. „Ein Handicap spricht nicht gegen gute Leistungen“, betont Dirk Heyden, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwerin. „Doch drei hartnäckige Vorbehalte halten viele Unternehmen von der Einstellung Behinderter ab.“ Vorbehalte, die in den allermeisten Fällen jedoch nicht zutreffen.

So seien Menschen mit Behinderung nicht unkündbar, so Heyden. Man brauche allerdings die Zustimmung vom Integrationsamt, die es bei Vorliegen bestimmter Gründe aber gäbe. Und auch die Quote der krankheitsbedingten Ausfälle sei bei Behinderten keineswegs auffällig. „Wenn man genauer hinschaut, stellt man sogar fest, dass diese Quote bei den unter 25-Jährigen höher ist“, so der Agenturchef. Das sei vielfach eine Frage von Einstellung und Motivation – und die sind bei vielen Behinderten sehr hoch. Häufig könnten Menschen mit einer Schwerbehinderung die Arbeit sogar ohne besondere Umbauten am Arbeitsplatz aufnehmen. Sind solche im Ausnahmefall doch notwendig, gibt es in der Regel eine finanzielle Unterstützung vom jeweils zuständigen Träger.

Bei den Arbeitgebern, die die Ausgleichsabgabe zahlen müssen, wirbt die Arbeitsagentur in diesen Tagen für die Einstellung Behinderter. Und es besteht Hoffnung. Bei einer Befragung hätten 58 Prozent von ihnen gesagt, dass sie sich durchaus vorstellen könnten, Menschen mit Behinderung einzustellen. Nur elf Prozent hätten das definitiv ausgeschlossen. (Von den anderen Unternehmen liegt noch keine Antwort vor.) Daraufhin sind eine Reihe von Vor-Ort-Terminen abgesprochen worden, bei denen Mitarbeiter der Arbeitsagentur mit den Verantwortlichen in den Betrieben über Voraussetzungen und Unterstützungen sprechen werden.

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