Ludwigslust : Lichter für eine weltoffene Stadt

<p>Eine Lichterkette zieht sich fast über den gesamten Kirchenplatz.</p>
1 von 2

Eine Lichterkette zieht sich fast über den gesamten Kirchenplatz.

300 bis 400 Menschen bei Friedensgebet in Ludwigsluster Stadtkirche. MVgida-Kundgebung zählt laut Polizei 180 Teilnehmer

svz.de von
23. November 2015, 21:49 Uhr

Friedensgebet heute Abend in der Ludwigsluster Stadtkirche. So manch einer fühlte sich 26 Jahre zurück versetzt. Auch damals trafen sich die Menschen hier. Pastor i. R. Wilfried Romberg erinnert daran. „Es waren Menschen, die genug hatten von der Enge im Denken, die eine weltoffene Gesellschaft wollten“, ruft er den Menschen ins Gedächtnis. „Friedlich ist dieser Wandel erreicht worden. Das alles ist heute wieder bedroht“, sagt Romberg, und alle wissen, was er meint. Sie alle sind aus einem bestimmten Anlass hier. Fast zeitgleich formiert sich draußen eine Kundgebung von MVgida. In der Kirche wird derweil gebetet. Für ein weltoffenes Ludwigslust, für die Regierenden, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen, gegen Dumpfheit und Enge des Denkens. Es ist ein ökumenisches Gebet – evangelische und katholische Christen, auch viele Menschen, die bekennende Atheisten sind, sitzen eng beieinander. Es sind nicht nur Ludwigsluster darunter. Und auch Flüchtlinge haben sich auf den Weg in die Stadtkirche gemacht.

Derweil erhöht sich draußen Stück für Stück die Polizeipräsenz. Der Marschzug von MVgida formiert sich. Angemeldet hat die Demonstration Michael Grewe, ein Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion – verurteilt wegen schweren Landfriedensbruchs und Körperverletzung. Unter seiner Fahne wird unter anderem ein Transparent getragen: „Für die Zukunft unserer Kinder. Gestern. Heute. Morgen“ steht darauf. Aus der Kirche strömen die Menschen und bilden eine Lichterkette. Die Polizei trifft Vorsichtsmaßregeln. Die Demonstranten müssen 30 Meter von der Clara-Zetkin-Straße wegbleiben, um mögliche Konfrontationen mit dem vorbei marschierenden MVgida-Zug zu umgehen. Und die Provokation bleibt nicht aus. Als der Zug an den Lichtern vorbei zieht, brüllt es laut aus ihm heraus: „Wir sind das Volk!“ Die Gegendemonstranten, von denen viele mit diesem Ruf auf den Lippen 1989 auf die Straße gegangen sind, empfinden dies als Hohn. Ein Pfeifkonzert ist die Konsequenz. Schließlich erreicht der MVgida-Zug das Parkviertel, und NPD-Funktionär Stefan Köster hält eine Rede.

Trotzdem bleibt alles weitgehend friedlich. Nach Informationen des Leiters des Ludwigsluster Polizeihauptreviers, Gilbert Küchler, stellen die Beamten auf MVgida-Seite zwei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz fest. Ein Mann erscheint vermummt und muss sich demaskieren. Ein anderer führt verbotenerweise Schlagschutzhandschuhe mit. Diese werden beschlagnahmt, der Mann des Platzes verwiesen. Die Polizei schätzt die Teilnehmerzahl bei MVgida auf 180, auf Seiten der Gegendemonstranten auf 300 bis 400.

Richtigstellung

NPD-Funktionär unpräzise zitiert

Die Berichterstattung über die von der rechtsextremen NPD dominierte MVgida-Demonstration am Montag in Ludwigslust war in einem Detail unpräzise. NPD-Funktionär Stefan Köster hatte in seiner Rede die Parole „Lügenpresse auf die Fresse“ nicht selbst geäußert. „Dergleichen wurde vielmehr von einem in der Nähe meines Mandaten stehenden Demonstrationsteilnehmer gerufen“, stellt Kösters Anwalt Peter Richter klar.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen