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Parchim/Ludwigslust : Lichtblick für Kultur in der Region

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Kreiskulturrat wird am 17. September gegründet / Künstler beklagen prekäre Verhältnisse / Einstieg in zukunftsweisende Kulturpolitik

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2014 | 07:00 Uhr

Nun werden Nägel mit Köpfen gemacht. Am kommenden Mittwoch (17. September/17 Uhr) soll für den Landkreis Ludwigslust-Parchim ein regionaler Kulturrat aus der Taufe gehoben werden. Darüber waren sich am vergangenen Wochenende die Mehrzahl der Teilnehmer der ersten Kulturkonferenz des Landkreises in Mestlin einig. „Ich erwarte 30 bis 40 Interessenten zur Gründungsveranstaltung“, gibt sich Prof. Dr. Wolfgang Vogt, Geschäftsführer des Kulturforums Pampin und Mitinitiator des Kulturdialoges zuversichtlich. Wie die Strukturen des neuen Kulturrates am Ende aussehen, stehe noch nicht fest. Denkbar sei ein gemeinnütziger Verein, der von einem gewählten Gremium geführt wird. Künstler, Kulturvermittler und Kunstfreunde sind herzlich eingeladen, sich aktiv einzubringen. Die Gründungsveranstaltung für den Kreiskulturrat findet am 17. September im legendären Kulturhaus am Dorfanger von Mestlin statt. „Dieser Ort ist dafür erste Wahl“, meint Prof. Vogt. Das Mestliner Kulturhaus sei nicht unbedingt ein „prickelnder Ort im Abseits“, durchaus ambitioniert, aber unterfinanziert, mit großem Potenzial und bislang nur partiell genutzt. „Das verweist als treffende Metapher doch sehr auf die derzeitige Lage und Ausstattung der Kulturpolitik im Landkreis“, ist sich Prof. Vogt sicher. Vor allem Künstler aus der „Freien Szene“ – und es soll rund 80 Prozent betreffen – leben und arbeiten derzeit unter prekären Umständen und wissen vielfach nicht, wie sie die Miete aufbringen oder die benötigte Farbe für das nächste Bild bezahlen können.

Daran soll sich endlich etwas ändern. „Uns geht es nicht um Klage oder gar Anklage, sondern um einen Aufbruch und vor allem den Einstieg in eine zukunftsweisende Kulturpolitik. Nachdem in Mecklenburg-Vorpommern inzwischen regionale Kulturräte an der Seenplatte in Greifswald-Vorpommern und in Schwerin ihre Arbeit aufgenommen haben, soll nun ein entsprechendes Gremium als Interessenvertretung der Künstler und Kulturvertreter zwischen Boizenburg und Plauer See auf Dauer etabliert werden. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hat bei dem ersten Besuch im Kulturforum Pampin auf seiner Sommerkulturtour klargestellt, dass er starke Kreiskulturräte, die es bislang erst in drei der acht Großkreise und kreisfreien Städte gibt, favorisiert. Die würden Gewicht im Landeskulturrat – dem derzeit rund 20 Frauen und Männer angehören – bekommen. „Damit erhalten auch die Vertreter aus der Region Ludwigslust-Parchim auf höchster politischer Ebene im Land Einfluss auf die Kulturpolitik“, sagt Prof. Vogt.

Mit einem eigenständigen Kulturrat wird Landrat Rolf Christiansen (SPD) einen „Ansprechpartner auf Augenhöhe“ haben. Dass es bislang Defizite gibt, wurde auf der ersten Kulturkonferenz deutlich, auf der sich der Verwaltungschef zur Enttäuschung vieler Teilnehmer vertreten ließ. In der Sache scheint man sich aber durchaus einig. „Wir freuen uns auf Ideen, um für die Kunst und Kultur in unserem Landkreis viele Anregungen für die Gestaltung und Entwicklung einer vorausschauenden Kulturpolitik zu erhalten. Es geht darum, der Kunst jenen Stellenwert zu geben, der ihnen für die Entwicklung und Gestaltung unseres Landkreises gebührt“, hat Landrat Christiansen erst kürzlich erklärt.

„Es wird darauf ankommen, das verkrampfte Verhältnis zwischen Politik und Kunst/Kultur zu entspannen“, meint Prof. Vogt. Das Spektrum der vor dem Kulturrat stehenden Aufgaben ist groß. Das beginnt mit der Entwicklung von Leitlinien für die Kulturpolitik, was überfällig ist, und reicht bis zu den Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Substanz, Qualität und Relevanz. „Die Kulturpolitik muss wie in Sachsen in den rechtlichen Status einer ,Pflichtaufgabe’ erhoben werden, um angesichts knapper werdender Mittel nicht als bloße ,Kann-Aufgabe’ quasi als fünftes Rad am Wagen behandelt zu werden“, betont Prof. Wolfgang Vogt.

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