Neustadt-Glewe : Lewitzteiche sind karpfenreich

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Für Hermann Stahl und seine Mitarbeiter hat der Edelfisch jetzt Hochkonjunktur

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31. Dezember 2016, 10:22 Uhr

In vielen Familien gehört das traditionelle Karpfenessen genauso zu Silvester wie Böllern oder Bleigießen. Zweieinhalb bis drei Kilo, das sind die gefragtesten Größen. „Das liegt auch daran, dass es genau die richtige Größe für drei Personen ist“, so Fischzüchter und -händler Hermann Stahl.

Er und seine Mitarbeiter von der Firma Lewitzfisch aus Neuhof züchten die Fische in Fortsetzung einer langen Tradition Karpfen gibt es in der Lewitz seit 1897. Wären die Stammväter der Zucht heute noch am Leben, könnte man sie wahrscheinlich immer noch mit großem Genuss essen, denn das Alter der Fische hat mit dem Wohlgeschmack nichts zu tun. Man müsse keine Befürchtungen haben, dass große Karpfen modrig schmecken, sagt Experte Hermann Stahl. „Das wäre bei den kleineren Fischen genauso, wenn sie in verschmutztem Wasser gehalten würden“, sagt er. Aber Karpfen werden nun mal in der Wildnis höchstens 20 Jahre alt und erreichen als Zuchttiere naturgemäß ein noch geringeres Alter.

„Fische sind ja wechselwarme Tiere, und das Fleisch altert nicht. Sicherlich ist die Muskulatur später etwas langfaseriger. Kurz gesagt, kleine Fische schmecken anders als große“, so der Fachmann. Wenn der Karpfen seine zweieinhalb bis drei Kilo habe, sei der Geschmack aber durchgehend gleich.

Die Firma Lewitzfisch von Hermann Stahl hat seit Jahren auch Übergrößen von Karpfen im Angebot, und die kommen nach den Worten des Inhabers bei den Kunden gut an. „Viele Leute sagen, dass der Geschmack der großen Fische vollmundiger und herzhafter ist. Sie kommen extra deswegen her. Ich bin auch dieser Meinung“, so der Firmeninhaber.

Karpfen lieber zu Weihnachten oder Silvester? Das ist eine Geschmacksfrage. „Nach meiner Erfahrung wird er auf dem Lande traditionell lieber zu Weihnachten, in der Stadt dagegen eher zum Jahreswechsel gegessen“, sagt Hermann Stahl. Wobei sich das nach seiner Ansicht zu relativieren beginnt. Die Hamburger nehmen den edlen Fisch auch gern schon mal zu Weihnachten, während in den größeren Städten Mecklenburgs immer noch zu Silvester Karpfen-Hochzeit ist. „Neuerdings lässt sich ein richtiger Trend gar nicht mehr ermitteln, weil die Leute schon vor den Feiertagen einkaufen“, so der Inhaber der Firma Lewitzfisch. Für sie als Lieferanten sei Weihnachten eindeutig mehr los als Silvester.

Der Karpfen kommt in den unterschiedlichsten Varianten auf den Tisch, ob gebacken, gebraten oder gekocht. Hermann Stahl selbst isst den Fisch am liebsten in der gekochten Variante „Karpfen blau“.

Seit elf Jahren betreibt Hermann Stahl mit seiner Firma, die derzeit neun Mitarbeiter hat, die Fischerei in der Lewitz. Vom Firmensitz in Neuhof aus treten 150 Tonnen Karpfen pro Jahr die Reise in die Küchen überall in Mecklenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein an. In den letzten zwei Wochen des Jahres machen die Lewitzfischer 30 Prozent ihres Umsatzes.

„Deutschlandweit, heißt es, sei der Absatz seit Jahren stabil“, weiß Hermann Stahl. Allerdings habe er sich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte etwas verringert. „Ich kann für meine Firma sagen, dass wir steigenden Absatz haben“, so der Firmenchef. „Das mag auch damit zusammenhängen, dass es inzwischen weniger Produzenten in Mecklenburg gibt“, schränkt er ein.

Die Landschaft der Lewitz eignet sich sehr gut für die Karpfenzucht. Sie ist ein Niederungsgebiet mit einem relativ hohen Wasserstand. „Von den hydraulischen Verhältnissen bietet es sich an, Teiche anzulegen. Es muss natürlich immer ein stabiler Wasserstand vorhanden sein“, sagt Hermann Stahl. Der Schweriner und der Plauer See bis hin zur Müritz sind die Wasserspender für die Lewitz. Sie ist ein Feuchtgebiet und damit gut mit Wasser versorgt – ein kleines Paradies für die Karpfenzucht.

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