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Ludwigsluster Tageblatt

16. Dezember 2017 | 19:53 Uhr

Vielank : Leuchtendes Gold atmet Griese Gegend

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Vielanker Brauhaus setzt verstärkt auf eigenen Whisky und hat die Produktion des edlen hochprozentigen Tropfens bereits verdreifacht

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 17:09 Uhr

„Leuchtendes Gold mit Bernsteinreflexen, üppige Frucht, deutliche Röstaromen wie bei Kakaopuder, Vanille mit Karamel, im Nachgang mundfüllend, trocken und lang anhaltend...“ So und noch viel ausführlicher wird er beschrieben der Vielanker Whisky. Überprüft haben das bisher nur wenige. Erstens gibt es den Edelbrand aus dem Hause erst seit wenigen Jahren, zweitens ist die verfügbare Menge doch sehr begrenzt. Und diejenigen, die in den vergangenen Jahren eine Flasche nach langer Anmeldung erstehen durften, haben den Tropfen erst einmal aufgehoben. Obwohl da der Irrglauben schon anfängt, denn in der Flasche reift der Whisky nicht mehr, im Eichenfass, seiner eigentlichen Heimat, schon.

Begonnen hat die Vielanker Whisky-Geschichte im März 2008. Der damalige Besitzer des Brauhauses Kai Hagen, wollte seine Produktpalette erweitern, außerdem trank er auch gern Whisky. So kam es zu jenem Urfaß, das an verschwiegener Stelle im Brauhaus lagert. Es geht um 200 Liter, gereift in amerikanischen Ex-Bourbon-Fässern aus dem Holz der Weisseiche, abgefüllt am 29.04. 2008. Von diesem Jahrgang hätte nicht nur der heutige Besitzer des Brauhauses, Andreas Hüttmann, gerne viel mehr. „Wir haben viel zu wenig Whisky, daher haben wir schon jetzt die Produktion verdreifacht. Der älteste Whisky, den wir im Keller haben, ist gerade einmal fünf Jahre alt. Und die Nachfrage ist groß. Wir bauen aus, aber es wird Jahre dauern, bis das wirksam werden kann“, hatte Hüttmann in seinem ersten Interview mit der Schweriner Volkszeitung verraten.

Und er hat Wort gehalten, vielmehr sein Whiskybrauer Henry Schwerk, der seit Monaten die Spezial-Destillationsanlage öfter in Betrieb nehmen darf. Vorstufe für den Whisky ist wie immer ein trübes Starkbier, allerdings wird für die Maische auf fünf ausgesuchte Malzsorten zurückgegriffen. Das Brennen selbst passiert in einem mehrstufigen Verfahren, in dessen letzte Geheimnisse auch der SVZ-Redakteur natürlich nicht eingeweiht wird. Fakt ist, erst nach einer dreijährigen Reife darf ein derartiger Brand sich Whisky nennen. Somit kann sich die Produktionsoffensive der Vielanker in diesem Edel-Getränkbereich erst in einigen Jahren auf dem Markt auswirken. Neu ist auch, das seit September nicht mehr mit einem Alkoholgehalt von 42 Prozent abgefüllt wird. In den neuen Flaschen darf der Kenner beachtliche 46,9 Prozent Alkohol erwarten, was sich auf den Preis auswirken wird, schon wegen der Alkoholsteuer.

Auch am Lagerplatz der Fässer im Brauhaus, der bisher nüchtern wirkt und komplett von normalen Wänden umschlossen ist, soll sich etwas ändern.

Rainer Koch aus Bobzin, Whiskykenner und einer der absoluten Experten auf diesem Gebiet im Land, kann das nur befürworten. „Die Schotten lassen bei ihrem Whisky ja auch ein wenig Natur herein. Der Vielanker muss die Griese Gegend ja auch atmen können.“ Allerdings soll der neue Lagerplatz erst langfristig entstehen.

Doch auch so ist Koch über den Whisky des 46-jährigen Henry Schwerk sehr angetan. „Bemerkenswert ist seine Farbe, das ist etwas Außerordentliches bei einem so jungen Whisky, zumal er nicht mit Zuckercouleur behandelt ist, wie 95 Prozent aller handelsüblichen Whiskys“. Die Ursache für die Färbung sieht Koch, der sich auch als Autor plattdeutscher Beiträge einen Namen gemacht hat, in dem Trocknen des Malzes über Buchenholz. Anders sei das nicht zu erklären. „Das ist Muttermilch, reine Muttermilch und es ist eine sehr mutige Abfüllung als so genannter „Single Cask Malt“. Zu deutsch, jedes Fass ist eine Einzelabfüllung und kann leicht anders schmecken.“ Abschließendes Urteil: „Der Vielanker hat gute Anlagen für eine längere Reifung, es wäre schön wenn sich Bestände für eine längere Lagerung sichern könnte. In Stufen könnten dieses Getränk aus gerne mal fünf, neun oder zwölf Jahre alt werden.“

So lange wird und kann das Brauhaus nicht warten, schließlich soll und muss mit Getränk auch Geld verdient werden.

Bereits am 25. Januar soll vor Ort im gemütlichen Gewölbekeller das erste Whiskydinner des Jahres unter dem Motto „Highlands“ stattfinden, bei dem dann gleich sechs Sorten zur Verkostung anstehen. Whiskys aus Mecklenburg-Vorpommern gibt es übrigens nur weniger, Getränkekenner Koch weiß von derzeit von fünf Orten, wo die speziellen Brände im Land entstehen.

Doch Vielank hat noch andere hochprozentige Erzeugnisse zu bieten, es gibt einen eigenen Kräuter, einen Bierbrand, Saure Pflaume und Rharbarber Vanille. Auch dort wird die Produktion ausgeweitet, gibt es neue Flaschen und Etikette. An der Dominanz der Biere und Brausen aus dem Hause Vielank ändern diese Nischen allerdings nichts.

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