Klein Krams : Letzte Seite der Lebenschronik geschlossen

Karl-Heinz Schmidt († 2015)
Karl-Heinz Schmidt († 2015)

Zum Tode von Karl-Heinz Schmidt aus Klein Krams

von
05. Januar 2016, 16:52 Uhr

„Ich könnte mir nie vorstellen, woanders zu leben als in diesem Dorf!“ Das hat Karl-Heinz Schmidt gesagt – bei einem Gespräch am gemütlich knisternden Kamin. Im März 2012 war das, an einem sonnigen, aber noch kalten Vorfrühlingstag. Da begannen die Klein-Kramser mit den Vorbereitungen auf die 580-Jahrfeier des Ortes, die ein Jahr später gefeiert werden sollte. Ein Jahr später war die Festbroschüre dann fertig. Unter Federführung des Ortschronisten Karl-Heinz Schmidt entstand sie und fand sofort Absatz, denn 95 Personen hatten sich schon vormerken lassen. Wer damals die Broschüre erwarb, hält die letzte Arbeit des Erforschers der Dorfgeschichte in Händen.

Am 14. November 2015 ist Karl-Heinz Schmidt gestorben. Gegen eine heimtückische Krankheit kam er nicht an. Im Dorf hinterlässt er, der früher Lehrer in Leussow und dann Schuldirektor in Kummer war, eine Lücke. Ein anderer Klein-Kramser, Rudolf Schuer, weiß das nur zu genau. „Karl-Heinz Schmidt war sehr aktiv und hoch angesehen im Dorf“, sagt Schuer, der bis 2004 Bürgermeister der Gemeinde Alt-Krenzlin war. Auch er hebt die Chronikarbeit hervor, aber auch den Kontakt zu den älteren Bürgern des Dorfes. „Die plattdeutsche Sprache hat ihm ebenfalls am Herzen gelegen“, sagt Rudolf Schuer. „Seine Vorträge bei der Volkssolidarität hat er teilweise auf Platt gehalten.“

Und auch die Familie ist unendlich traurig. „Mein Vater war sehr engagiert in seinem geliebten Klein Krams“, bestätigt Tochter Kerstin Schmidt. „Es war selbstverständlich für ihn, bei Arbeiten im Dorf mit dabei zu sein. Ihm war ein Miteinander wichtig, das Bestehenbleiben der Feuerwehr im Dorf für meinen Papa ein ,Muss’. Er engagierte sich stark dafür, sprach mit den Leuten im Dorf, dem Bürgermeister, Mitarbeitern des Landkreises. Sein Einsatz brachte leider nicht den gewünschten Erfolg“, so Kerstin Schmidt. Bei größeren Feierlichkeiten im Dorf gehörte Karl-Heinz Schmidt immer mit zu den Organisatoren, „denn die Menschen wussten, dass es gut wird, was er in die Hand nahm“, so Tochter Kerstin.

Drei Chroniken hat Karl-Heinz Schmidt geschrieben. Wie bei allen Arbeiten, so ging er auch hier akribisch vor. Projekte, in die er über Wochen all seine Kraft investierte. Tage verbrachte der Ortschronist in den Archiven. Das Material musste nun zu Hause zusammengestellt werden. „Ich sehe noch die vielen Papiere vor mir. Die Anerkennung von den Menschen, die die Chronik dann in den Händen hielten, war der Dank für all die Arbeit“, erinnert sich Kerstin Schmidt. Die neue Straße, die jetzt durchs Dorf führt und die Bepflanzung mit Bäumen am Straßenrand – daran hat Karl-Heinz Schmidt seinen Anteil, auch wenn er selbst nicht gewollt hätte, dass dies herausgestrichen wird.

Fleiß, Bescheidenheit, Präzision und Hilfsbereitschaft zeichneten den ehemaligen Lehrer aus. Politisch interessiert, waren Gleichheit und Menschlichkeit seine erstrebenswerten Ideale. In der Partei Die Linke sah er die Kraft, dies umzusetzen. Hier engagierte sich Karl-Heinz Schmidt. Die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin sah er als Ort gegen das Vergessen. Regelmäßig nahm er an Treffen teil, zum Beispiel wenn Zeitzeugen berichteten.

Aber auch zu Hause gönnte sich der Rentner kaum Ruhe. Den Garten mit großen Getreideflächen mähte er selbst mit der Sense ab. Die Kartoffeln und natürlich die Erdbeeren nahmen einen großen Teil der Fläche ein. Das Schwein, Enten, Hühner, der Hund, die Katzen… Und natürlich vor allem die Familie – das alles gehörte zu Karl-Heinz Schmidts Leben. „Ich hätte gern noch ein paar Jahre gehabt“, sagte er als er wusste, dass ihm nur noch begrenzte Zeit bliebe. Karl-Heinz Schmidt wurde 84 Jahre alt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen