Schloss Ludwigslust : Letzte Gäste im Westflügel

Mit einer Fläche von 300 Quadratmetern und einer Deckenhöhe von etwa zwölf Metern beeindruckt der Goldene Saal die Besucher.
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Mit einer Fläche von 300 Quadratmetern und einer Deckenhöhe von etwa zwölf Metern beeindruckt der Goldene Saal die Besucher.

Teil des Ludwigsluster Schlosses für Sanierung ab heute geschlossen. Gestern fanden noch einmal Führungen durch den „Westen“ statt.

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10. Januar 2016, 06:30 Uhr

André Feit und seine Frau Susann sind dem Charme des Ludwigsluster Schlosses verfallen. „Wir verbringen hier ein Wohlfühlwochenende. Gestern waren wir im Schlosspark und dachten nach unserer Geocaching-Tour, dass wir uns in diesem Gebäude am nächsten Tag mal genauer umsehen müssen“, erzählt der 39-Jährige aus Hohnstorf (Niedersachsen). Das Ehepaar und eine Handvoll anderer Neugieriger nahmen gestern Vormittag an einer der vorerst letzten Schlossführungen durch den Westflügel teil. Er ist ab heute geschlossen und verfällt voraussichtlich bis 2021 in einen „Renovierungsschlaf“.

„Wir sind froh, dass die Renovierungsarbeiten weitergehen“, gesteht Schlossleiter Jörg-Peter Krohn. Es sei wichtig für das Schloss, diese bedeutende Ausstellungsfläche zu erneuern. Die Räume des Westflügels werden seit 20 Jahren museal genutzt. Sie erzählen nicht nur die Geschichte der Ludwigsluster Papiermachémanufaktur, sondern zeigen auch die Gemächer der Großherzogin sowie die erbgroßherzogliche Wohn-Etage. Diese war anlässlich der Eheschließung von Paul Friedrich von Mecklenburg  mit der preußischen Prinzessin Alexandrine im Jahr 1822 komplett im klassizistischen Stil umgebaut worden.

 „Die Sanierung wurde im November 2015 beschlossen. Bis zum Sommer werden wir den Westflügel freigeräumt haben“, erklärt Krohn. Vorab sei eine restauratorische Voruntersuchung nötig, um entscheiden zu können, welche Farbgebung und Textilgestaltung die Räume erhalten sollen, in welchem Zustand sich das Parkett befindet und wie die Statik ist. „Die Sanierung beginnt 2017 durch den Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern mit Fördermitteln der EU und mit Landesgeldern“, so Krohn im SVZ-Gespräch.

Für ihn sei es von großer Bedeutung, dass ein Teil der Ausstellungsobjekte des Westflügels ebenfalls restauriert werden können. „Das Schöne dabei ist, dass wir die sehr alten und wertvollen Kunstobjekte vor Ort sanieren lassen. Bei den Witterungsverhältnissen möchten wir sie ungern bis zur Landeshauptstadt in die Restaurierungswerkstatt transportieren“, betont der 55-Jährige. Einige der Objekte werden nach der Eröffnung des inzwischen sanierten Ostflügels am 6. März dort zu sehen sein. Zum Beispiel eine Standuhr aus dem Jahre 1776. „Der Uhrenkörper besteht aus – wie sollte es anders sein – Papiermaché“, sagt  Jörg-Peter Krohn und öffnet das Gehäuse. „Hier hängen zurzeit keine Gewichte drin. Aber damals wurden für die Aufhängung gedrehte und getrocknete Katzendärme verwendet. Solche wollen wir im Zuge der Restaurierung  wieder mit einbauen.“

Auch Museumsführer Friedrich Fritsch weiß gestern eine kleine Besonderheit zu dieser Uhr zu erzählen: „Wenn sie gut aufgezogen ist, hat sie eine Laufdauer von einem Vierteljahr.“ Die Besucher schauen ihn mit großen Augen erstaunt an. „Tja“, sagt er und lacht, „das war noch Qualitätsarbeit.“ Er berichtet weiter: „Uhren dienten in der damaligen Zeit zu Repräsentationszwecken, und die meisten in diesem Haus funktionieren noch.“ Einen Lieblingsraum hat Friedrich Fritsch, der seit zehn Jahren  hier arbeitet, im Schloss nicht. „Jedes Zimmer hat seine Schönheit. Die Parkett-Verarbeitung und die Zusammenstellung der Möbelstücke gefallen mir außerordentlich gut“, meint er.

Auch die Eheleute Feit sind beeindruckt. „Wir haben erst beim Rundgang erfahren, dass heute die letzte Tour in diesem Abschnitt des Schlosses stattfindet“, sagt André Feit. Er schaut seine Frau an, und beide sind sich schnell einig: Nach der Eröffnung des Ostflügels werden sie erneut eine Reise nach Ludwigslust antreten, um auch den anderen Teil des Schlosses erkunden zu können.

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