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Neustadt-Glewe : Leidensweg der Mütter geschildert

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Töchter von Frauen aus Frankreich, die 1945 im KZ-Außenlager in Neustadt-Glewe befreit wurden, zu Gast in der Regionalen Schule

von
erstellt am 06.Mai.2015 | 07:00 Uhr

In einer Schule geht es meist etwas lauter zu – im Unterricht und in den Pausen sowieso. Doch im Atrium der Regionalen Schule „Karl Scharfenberg“ in Neustadt Glewe war es an diesem Vormittag sehr leise, und das, obwohl beide 9. und 10. Klassen den Saal füllten. Die Jugendlichen hatten Gäste eingeladen und hörten gespannt zu, was sie zu sagen hatten: Sophie Roder und Florence Merta aus Frankreich. Die Mütter beider Frauen waren unter den Überlebenden, die am 2. Mai 1945 im KZ-Außenlager in Neustadt-Glewe befreit worden waren.

Die Gäste berichteten den SchülerInnen über das, was ihre Mütter damals in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Neustadt-Glewe erleiden mussten. „Die Häftlinge mussten morgens eine Straße bauen, schwere Steine mit den bloßen Händen tragen, und abends wurde die Straße immer wieder abgerissen“, erinnert sich Sophie Roder an Erzählungen ihrer Mutter. „Das alles hatte nur ein Ziel: Die Menschen sollten kaputt gemacht werden. Nachts schliefen die Frauen und Mädchen zu fünft auf Brettern, die so etwas wie ein Bett sein sollten, bei minus 30 Grad Außentemperatur. Sie wechselten sich in der Lage immer ab, damit die Außenliegenden auch mal in die Mitte konnten, um sich aufzuwärmen.“

Die Mütter von Sophie Roder und Florence Merta wurden, wie unzählige andere Häftlinge, bei Herannahen der Roten Armee von Auschwitz aus auf Todesmärsche getrieben. „Wer nicht mehr konnte, wurde einfach erschossen“, so Sophie Roder.

Ihre und auch Florence Mertas Mutter berichteten später, dass es im Außenlager Neustadt-Glewe viel ruhiger zugegangen ist. „Als die Befreier kamen, versorgten sie die Häftlinge mit Essen und Schokolade, leider mit dem Ergebnis, dass daraufhin viele Menschen starben“, weiß Florence Metra. „Ihre Mägen vertrugen nach dem oft jahrelangen Martyrium nichts mehr. Die Folge war, dass dann die ehemaligen Häftlinge nur einen Löffel Essen pro Stunde bekommen durften.“

Sophie Roder versprach, ihrer heute 94 Jahre alten Mutter, die in Magdeburg geboren wurde und während der Nazi-Diktatur als Jüdin nach Frankreich emigrierte, von dem Besuch in Neustadt-Glewe zu berichten. „Ich werde ihr sagen, dass die Leute und besonders die Schüler hier so engagiert sind und ein großes Interesse besteht, mehr über die damalige Zeit zu erfahren und sich dafür einzusetzen, dass so etwas nie wieder geschehen darf.“ Mit Blick auf Frankreich bedauerte Sophie Roder den steigenden Zulauf rechter Kräfte dort in jüngster Zeit.

Schulleiterin Ute Ott dankte den Besuchern und bat die Jugendlichen, in der Schule als Multiplikatoren aufzutreten und mit allen Schülern und Schülerinnen über das an diesem Vormittag Erfahrene ins Gespräch zu kommen.“

 

 

 

 

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