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Ludwigslust-Parchim: Weniger Straftaten : Leben im sichersten Kreis des Landes

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Die Zahlen der Kriminalstatistik sehen gut aus für den Landkreis Ludwigslust-Parchim. Die Häufigkeitszahl, also die Anzahl der ermittlungstechnisch abgeschlossenen Straftaten pro 100 000 Einwohner, sank erneut.

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erstellt am 21.Mär.2012 | 10:28 Uhr

Ludwigslust | "Wir wissen im Moment gar nicht, ob sich die Bürger im Landkreis so sicher fühlen, wie es unsere Statistik derzeit aussagt", mahnte Kriminaldirektor Andreas Aschenbrenner bei der Vorstellung der jüngsten Kriminalstatistik. Die Zahlen sehen nämlich gut aus für den Landkreis. Die Häufigkeitszahl, also die Anzahl der von der Polizei ermittlungstechnisch abgeschlossenen Straftaten pro 100 000 Einwohner, sank erneut und liegt nun bei 5946 (2010-6000; 2009-6226). Damit hat der Landkreis Ludwigslust-Parchim landesweit die geringste Kriminalitätsbelastung. Vor allem der Rückgang der so genannten Straßenkriminalität um satte sieben Prozent macht die Polizei froh, wirken sich doch Straftaten, die auf der Straße und damit öffentlich passieren, sofort auf das Sicherheitsgefühl der Bürger aus.

Brandserien setzten die Ermittler unter Erfolgsdruck

Ungeachtet der Zahlen waren die gut 100 Kriminalisten im Landkreis, die Kriminalrat Tom Sperling unterstehen, natürlich nicht arbeitslos. Öffentlich sichtbar wurde das bei der Aufklärung der Brandserien. Vor allem die Busbrände hatten viele in Atem gehalten, auch die Polizei. Doch im Alltag haben es die Kriminalisten dann vor allem mit Diebstählen zu tun. Das waren mit 5276 Fällen immerhin 41 Prozent aller erfassten Taten. Diese Zahl ist nicht ungewöhnlich, dennoch gab es in 2011 auffällige Trends. Deutlich zugenommen haben vor allem die Diebstähle von Diesel und Buntmetall.

Obwohl die Spritdiebe in der Statistik nicht extra erfasst werden, ging Kripochef Sperling von zehntausenden Litern Diesel aus, die im vergangenen Jahr illegal den Tank wechselten. Gelegenheit macht Diebe, das gilt nach den Erfahrungen der Polizei besonders für den Dieselklau. Und so waren z. B. immer wieder die Maschinen der Bauleute an der Erdgasleitung von Diebesattacken betroffen. Große Fahrzeuge mit großem Tankinhalt, abgestellt an einsamen Orten, das war für Dieseldiebe nahezu ideal. Die meisten Spritklauer kommen gut vorbereitet zu den Tatorten. Meist wird der Diesel über eine batteriebetriebene Pumpe abgepumpt. Da kann es pro Tat schon um Hunderte Liter gehen. Allerdings haben einige Firmen dazugelernt und tanken ihre Fahrzeuge erst am Morgen zu Arbeitsbeginn auf. Jedoch machen nicht alle bei der Vorsorge mit. Bei den am Gasleitungsbau beteiligten Firmen stieß die Polizei mit ihren Vorschlägen auf wenig Gegenliebe. Aschenbrenner, derzeit Chef der Polizeiinspektion: "Schon ein einfacher Bauzaun erschwert Dieben die Tat, zumal wenn die Fahrzeuge auch von oben gesichert werden". Inzwischen sind einige Firmen dazu übergegangen, ihre Fahrzeuge mit Wachdiensten zu schützen. Die Polizei ist stolz darauf, etliche der Täter geschnappt zu haben. Dazu gehört ein 44-Jähriger, dem immerhin 29 Fälle von Dieselklau nachgewiesen werden konnten. Erst im November waren Dieseldiebe zufällig in eine Verkehrskontrolle geraten und flogen mit ihren 200 Litern im Extra-Tank auf. Und, die Täter werden immer dreister. Im Dezember war an der Autobahn 24 auf dem Parklatz Schremheide ein Dieb gestellt worden, der Diesel von einem Lkw abzapfte, während der Fahrer den Schlaf der Gerechten schlief.

Der Trend mit den steigenden Diebstählen von Diesel hat sich angesichts der deutlich gestiegenen Preise auch in diesem Jahr fortgesetzt.

Hohe Preise sind auch der Grund für die deutlich gestiegene Zahl von Buntmetalldieben. Hier registrierte die Polizei 76 Fälle im Vergleich zu 50 im vergangenen Jahr. In diesen Zahlen sind die Vorfälle an den Bahnstrecken in der Region noch gar nicht enthalten.

Regelrecht spektakulär war der Fall des vom Wittenburger Kreisel gestohlenen bronzenen Skijungen. Bis heute, das bestätigte Sperling, gibt es keinen einzigen Hinweis auf den Verbleib der Bronzefigur. Aufgrund der hohen Rohstoffpreise rechnet die Polizei auch in diesem Jahr mit weiteren Aktionen der Diebe. Angesichts vieler illegaler Zwischenhändler sei das leider kaum zu verhindern.

Bleibt noch das Dauerthema Fahrraddiebstähle, von denen es im vergangenen Jahr wieder rund 500 im Kreis gab. Die Aufklärungsquote von 17 Prozent mutet gering an, ist es aber nicht. Auch hier gelang es in 2011, Serientäter zu stellen. Und wieder hat sich gezeigt, dass codierte Räder nur sehr selten gestohlen werden. Doch absolute Sicherheit gibt es nicht, weil es auch für Fahrräder einen Markt für gestohlene Ersatzteile gibt.

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