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Manfred Heuck ist rund um die Uhr für seinen Sohn Carsten da : Leben für den behinderten Sohn

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Unser Kind soll es einmal besser haben als wir! Diese Aussage hat wohl jeder Mensch in seinem Leben mindestens einmal gehört. Aber was ist, wenn von vorn herein feststeht, dass dieses Ziel nie in Erfüllung gehen wird?

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erstellt am 27.Jul.2011 | 10:04 Uhr

Neu Kaliß | Unser Kind soll es einmal besser haben als wir! Diese Aussage hat wohl jeder Mensch in seinem Leben mindestens einmal gehört. Aber was ist, wenn von vorn herein feststeht, dass dieses Ziel nie in Erfüllung gehen wird? Für den heute 23-jährigen Carsten Heuck war es mit der Geburt Gewissheit, sein Leben lang auf intensive Hilfe anderer Menschen angewiesen zu sein. Carsten ist schwer geistig und körperlich behindert. Trotz aller Handicaps kann der junge Mann einen Trumpf fest in der Hand halten: Sein Vater Manfred kümmert sich um ihn, wann immer es möglich ist. Der 63-jährige Rentner betreut seinen Sohn seit dem plötzlichen Tod seiner Ehefrau vor einigen Jahren liebvoll und täglich - Urlaub von der Pflege, die findet einmal im Jahr für vier Wochen mit einer Fernreise statt.

Carsten und Manfred sind in Dömitz wie Neu Kaliß bestens bekannt. Das Paar, Carsten im Rollstuhl und Manfred dahinter, wird freundlich beim Spazierengehen gegrüßt, man sieht die beiden Männer beim täglichen Besuch des Dömitzer Eis-Cafés oder beim Einkaufen. Seit 35 Jahren lebte das Ehepaar Heuck in Dömitz, Kaliß und Neu Kaliß. Nach dem Tod von Ehefrau Edeltraud fragten sich viele Anteilnehmende, wie der damals noch berufstätige Vater den Alltag mit dem hilfsbedürftigen Sohn auf die Reihe bringen werde. Einige "wussten" sogar, dass die Beiden das nicht schaffen können.

Seelsorger-Rat befolgt, sich selbst zu belohnen

Manfred und Carsten haben es bis heute geschafft und harmonieren nicht nur in ihren eigenen vier Wänden fast blind miteinander. "Eine Riesenerleichterung im Miteinander ist die Tatsache, dass Carsten sich allein über kurze Strecken und mit meiner Hilfe noch etwas weiter fortbewegen kann", erläutert Manfred Heuck neben seinem Sohn auf der Terrassen-Schaukel. Der knirscht derweil mit den Zähnen, stößt einen schrillen Schrei aus und blickt Fremde neugierig wie freundlich an. "Er versteht uns auf seine Weise", erklärt Heuck. "Allerdings spielen sich viele Dinge zwischen meinen Sohn und mir ohne Worte ab. Wir wissen voneinander. Dritte führen diese Gesten von Carsten meist ins Nichts."

Dass der ehemalige Bahnangestellte jedes Wochenende mit seinem Sohn verbringen muss, das sei ihm lieb und teuer geworden. Er kennt es nicht anders und will es auch so. "Als ich dann plötzlich mit Carsten allein da stand, kam Diakon und Notfallseelsorger Christopherus Baumert zu mir und gab mit den Rat, dass ich mich auf meinem weiteren Lebensweg selbst belohnen möge."

Ein Rat, den der nun Alleinerziehende und -pflegende befolgte: Die ihm von der Pflegekasse zugebilligten vier Wochen Urlaub nutzt er für Fernreisen; bevorzugte Ziele sind Kanada und nordische Regionen. Zeugen seiner Reisen sind zig kanadische Autokennzeichen (Foto). "Alle von Fahrzeugen, die auf der Straße gerollt sind", blickt Heuck mit Stolz auf die Sammlung gleich neben der großen Schaukel.

Jeder Tag beginnt um 6.30 Uhr für Manfred und Carsten

Dieser Urlaub von Zuhause und Carsten ist ein Ausgleich für den beschwerlichen Alltag, der jeden Morgen um 6.30 Uhr beginnt. Um Carsten für die Abfahrt zu den Ludwigsluster Lewitz-Werkstätten vorzubereiten, benötigen die beiden Männer gute 45 Minuten. Und ab dem späten Nachmittag steht Carsten nach der Rückkehr kaum der Sinn nach Ruhe und Fernseher. Die Welt des Mehrfachbehinderten spielt sich draußen ab. Spaziergehen und -fahren, das mag der freundliche junge Mensch, der stets auf die Nähe seines Vaters achtet. "Wenn ihm etwas nicht geheuer ist, dann kommt er, um nachzuschauen", weiß Manfred Heuck um die Wissbegierde seines Sohnes. Noch hat Carsten Ferien für einige Tage. Da muss Vater Manfred sich täglich etwas Neues einfallen lassen. Nur zwei Gläser Schoko-Milch und eine Banane, die verlangt Carsten jeden Morgen.

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