Ludwigslust : Lautstarker Protest für mehr Geld

Kita-Erzieherinnen aus Awo-Einrichtungen machten gestern lautstark auf ihre Forderungen aufmerksam.
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Kita-Erzieherinnen aus Awo-Einrichtungen machten gestern lautstark auf ihre Forderungen aufmerksam.

Eindrucksvoll verleihen Kita-Erzieherinnen ihren Forderungen in den Tarifverhandlungen mit der Awo Nachdruck.

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28. Juni 2016, 20:45 Uhr

„Wir brauchen ein kräftiges Verhandlungsplus. Wir brauchen eine verbindliche Perspektive zur Anpassung an das TVöD-Entgeltniveau bei der Awo Ludwigslust.“ So stand es auf dem großen Transparent der Kita-Erzieherinnen, die am Dienstagnachmittag vor das Awo-Gebäude am Alexandrinenplatz in Ludwigslust gekommen waren. Frauen von Awo-Einrichtungen aus Ludwigslust, Neustadt-Glewe, Grabow, Warsow, Picher und Lübtheen gaben lautstark mit Trillerpfeifen und Rufen ihren Forderungen für ein starkes Vergütungsplus Nachdruck. „Wir werden bei allen Forderungen bleiben“, zeigte sich Ivo Garbe vom ver.di Bezirk Schwerin ausgehend von den Ergebnissen der ersten Verhandlungsrunde im Juni unnachgiebig. Die Forderungen sind: Erhöhung der Tabellenentgelte um acht Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, Anwendung der Tarifverträge TVöD (Tarifvertrag öffentlicher Dienst) mit verbindlicher stufenweiser Anpassung des Entgeltniveaus TVöD auf 100 Prozent bis 2020 und zwei zusätzliche freie Tage für ver.di-Mitglieder. „In den Gesprächen mit ver.di ist uns erst bewusst geworden, wie wir hier im Kreisverband Ludwigslust den Tarifen im öffentlichen Dienst hinterherhinken, und das hat uns schon sehr erschreckt“, sagte Thomas Prey, Mitarbeiter der Awo-Jugendhilfe und gleichzeitig Betriebsratsvorsitzender im Awo-Kreisverband, zu dem rund 240 Mitarbeiter gehören. „Eine Erzieherin verdient bei uns in der Awo Ludwigslust fast 600 Euro weniger als in der Awo Rostock und rund 1000 Euro weniger als im öffentlichen Dienst“, ergänzt Sabine Lünert, Leiterin der Kita in Picher und Mitglied der Tarifkommission Awo-Kreisverband Ludwigslust. „Bei uns in der Kita sind wir aktuell vier Erzieherinnen und wir haben schon lange Personalnot. Wir suchen immer wieder Leute, aber wenn Interessenten die Tarife sehen, sagen sie ,nein danke’. Momentan sind es zwei bis drei Kräfte, die fehlen“, so Sabine Lünert.

Landesverband strebt Tarifgemeinschaft an

„Wir sind gesprächsbereit und werden das auch weiterhin bleiben“, sagte Awo-Geschäftsführerin Dr. Caroline Bockmeyer. „In den laufenden Tarifgesprächen ist keine Aussage getroffen worden, dass es keine Verbesserungen für die Kollegen geben soll.“ Der Awo-Landesverband MV strebt die Gründung einer Tarifgemeinschaft an, die für alle beitretenden Kreisverbände eine stufenweise Anpassung an das Lohnniveau des TVöD vorsieht. Der Kreisverband Ludwigslust will dem folgen. Für den Fall, dass die Tarifgemeinschaft nicht zustande kommt, wolle die Awo mit ver.di im Gespräch bleiben, den Prozess der stufenweisen Annäherung an das TVöD-Niveau im Rahmen der aktuellen Tarifgespräche zu vereinbaren. Parallel hierzu sollen sich die Tabellenentgelte um 2,4 Prozent zum 1. Juni 2016 und um 2,35 Prozent zum 1. Mai 2017 bei einer Laufzeit von 24 Monaten erhöhen. Im Vergleich des aktuellen TVöD-Abschlusses werde auf eine Absenkung der Jahressonderzahlungen verzichtet, heißt es in einer Information des Awo-Kreisverbandes.

Die Awo-Kreisverbände Ludwigslust und Rostock sind die einzigen im Land, die überhaupt eine Tarifvereinbarung haben. Mitarbeiter und Gewerkschaft ver.di wollen offenbar eine Angleichung per sofort. Das hätte nach Ansicht des Arbeitgebers die Schließung von Awo-Einrichtungen zur Folge. Dazu Dr. Caroline Bockmeyer: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass in den laufenden Verhandlungen schon solche Aktionen gefahren werden, die die Arbeitnehmer verunsichern.“

Als völlig unzureichend bezeichnete Ivo Garbe von ver.di das vorgelegte Lohnangebot von 2,4 und 2,35 Prozent. Das Arbeitgeber-Angebot liege deutlich unter den letzten Erhöhungen von 3 und 3,5 Prozent, obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besser sind als zuvor. „Wir sind zuversichtlich und werden alles daransetzen, dass wir am 5. Juli ein abschlussreifes Ergebnis haben. Wir brauchen Geduld, wir werden uns nicht unter Wert verkaufen. Es sei denn, am 5. Juli kommt die Tarifkommission zu dem Schluss, es ist okay und wir können damit leben“, so Ivo Garbe. „Ansonsten wird es in den Einrichtungen eine Abstimmung geben, und wenn es dort heißt, es reicht nicht, wird ver.di zu größeren Aktionen aufrufen. Dann wird auch über Streik entschieden.“

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