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Ludwigsluster Tageblatt

18. Dezember 2017 | 21:38 Uhr

Glaisin : Lautlos übers Land

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Glaisiner Familie fährt Elektroauto und will es nie mehr missen / Ludwigslust plant Ladestationen am Bahnhof

von
erstellt am 06.Sep.2014 | 07:00 Uhr

Die Nachbarn winken lächelnd und staunen immer noch: Wie lautlos dieses Auto fährt, das Holger Friel da gerade aus der Hofeinfahrt steuert. Und wie schnell er damit auf dem Feldweg verschwunden ist. „Das ist ein bisschen wie Raumschiff Enterprise“, sagt Tochter Amelie auf dem Rücksitz. „Als würden wir mit dem Warp-Antrieb durchs All fliegen.“ Ein Jahr lang fährt Holger Friels Ehefrau Ann-Dörthe Holst jetzt den Elektrowagen. „Anfangs waren auch wir skeptisch“, gesteht sie. „Aber heute wollen wir das Auto keinen Tag mehr hergeben.“ Die Ärztin fährt damit täglich zur Praxis nach Ludwigslust, macht Hausbesuche, holt die Kinder von Schule oder Kindergarten ab, erledigt die Einkäufe. Abends ist der Akku dann oft noch halb voll. Getankt wird auf dem Hof. Der Autohändler hat in der Scheune neben dem Wohnhaus eine Starkstromsteckdose installiert. „Wenn wir komplett voll tanken, dauert das etwa zweieinhalb Stunden und kostet fünf Euro“, erzählt Friel. Das kleine Auto sei zwar der Zweitwagen der Familie, aber es werde am häufigsten genutzt. Jeder, der die Familie besucht, will mal mitfahren. Und jeder scheint überzeugt - wenn da nicht die Frage nach der Reichweite wäre: 150 Kilometer. Für die täglichen Pendel-Fahrten von Ann-Dörthe Holst kein Problem. Auch für Ausflüge ins Theater nach Schwerin, zum Grabower Waldbad oder nach Parchim zum Essen beim Inder reiche die Stromladung locker. In Parchim könnte Friel sogar nachladen. Die Stadtwerke haben hier vor dem Stadthaus Anfang des Jahres eine Ladestation installiert. „Dreißig Minuten, dann ist das Auto zu 80 Prozent geladen“, sagt Mario Hiersemann von den Parchimer Stadtwerken. Das reiche für einen entspannten Bummel durch die Stadt. Leider, so Hiersemann, werde die Steckdose noch nicht so genutzt, wie man sich das wünsche.

Nur 18 Elektroautos sind aktuell im Landkreis Ludwigslust-Parchim zugelassen. Es könnten bald mehr werden. Der Landkreis erwägt, seine Dienstwagenflotte umzurüsten. „Mit der Fahrleistung von E-Autos kann man zufrieden sein“, sagt Landrat Rolf Christiansen. Er hatte sich Ende Mai während der E-Europe-Tour in Ludwigslust in ein E-Mobil gesetzt und war begeistert. Jetzt müsse man aber mehr Lademöglichkeiten im Landkreis schaffen. „Sobald die Energieversorgung lückenlos funktioniert, sind E-Autos für uns denkbar“, sagt er.

In der Ludwigsluster Verwaltung wird noch überlegt. „Wann ist es schlau für eine Stadt in unserer Größenordnung einzusteigen“, fragt Bürgermeister Reinhard Mach. Auf seinem Schreibtisch liegt die aktuelle Förderrichtlinie des Energieministeriums. Demnach würden Investitionen in E-Infrastruktur ab 20 000 Euro zur Hälfte gefördert. Voraussetzung: Das Projekt müsse sich in fünf Jahren amortisieren. „Bleibt die Frage, ob wir das schaffen“, so Mach. Bei künftigen Projekten wie dem Pendlerparkplatz am Bahnhof werde die E-Mobiliät schon berücksichtigt. Laut Mach werden hier Leerrohre verlegt, an die später Ladesäulen angeschlossen werden könnten. Für Holger Friel, selbst Stadtvertreter, sind solche Planungen ganz selbstverständlich. Er denkt für sich und seine Familie schon weiter. Der nächste Erstwagen könnte auch ein Elektro-Auto werden. Und auf die Scheune mit der Ladestation kommt vielleicht bald eine Solaranlage.



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