zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

20. November 2017 | 22:27 Uhr

Landrat sieht Gefahr hinterm Deich

vom

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2011 | 10:03 Uhr

Ludwigslust | Die Elbanrainer im Landkreis Ludwigslust warten seit gestern auf die Alarmstufe drei, was einem Hochwasserstand von mindestens 6,20 Meter am Dömitzer Pegel bedeutet. Landrat Rolf Christiansen ließ gestern um 14 Uhr den Katastrophenstab des Landkreises zusammenkommen, um die Lage zu besprechen und entsprechend zu reagieren. Wie das aussehen wird, das wurde hinter verschlossenen Türen besprochen. Teilnehmer waren die kommunalen Führungsspitzen, Ämter, Behörden und ein Bundeswehrvertreter. Die aus der Sitzung resultierenden Schlussfolgerungen und die zu treffenden Maßnahmen werden in der morgigen Ausgabe der SVZ zu lesen sein.

Landrat Rolf Christiansen ging eher gelassen in die Zusammenkunft, wie von ihm wenige Minuten vor der nichtöffentlichen Runde zu erfahren war: "Ich gehe bei der derzeitigen Hochwasserlage nicht davon aus, dass die Alarmstufe vier ausgelöst wird." Christiansen sieht eine erhöhte Gefahrensituation vielmehr durch den Rückstau der Fließgewässer im Deichhinterland. Dort könnten Höchststände in Flüssen und Gräben zu größeren Einsätzen gegen Hochwasser führen. Derweil steigt das Elbewasser: Am Pegel Dömitz wurde vorgestern 5,76 und gestern 5,95 Meter angezeigt. Der Pegel Wittenberge lag gestern zeitgleich bei 6,74 Meter.

Die ersten handfesten Schutzmaßnahmen im Amt Dömitz-Malliß sind gestern angelaufen: Der Brodaer Deich wurde mit wasserdurchlässigem Vlies bespannt und gesichert (SVZ berichtete). Die Deichwachen halten regelmäßig Ausschau nach Schwachstellen im Schutzwall oder verdächtigem Qualmwasser, das eine Eingangstür für Flusswasser ins Deichhinterland sein könnte. Genau an diesen Stellen müsse dann verdichtet werden, weiß Amtsvorsteher Burkhard Thees, der im Amtsbereich den Hochwasserstab leitet.

Mit dem Befüllen der ersten 1500 Sandsäcke in Heiddorf beschäftigen sich derzeit Ein-Euro-Jobber, die ihr Auskommen eigentlich mit Arbeiten auf der Festung Dömitz bestreiten, hieß es von Thees gegenüber der SVZ. "Die machen ihre Sache gut. Doch wenn es hart auf hart kommt, dann reicht es vorne und hinten nicht", urteilt Thees mit Blick auf den anströmenden Hochwasserscheitel. Der schwappte gestern aus Tschechien herüber und wird wohl erst morgen Magdeburg erreichen. Der Scheitel selbst wird von Fachleuten als außergewöhnlich lang bezeichnet, was darauf schließen lässt, dass die Flut mehr als einen Tag brauchen wird, um an Höhe und Gefahr zu verlieren. Diese massive Bedrohung durch die anschwellende Elbe im und außerhalb des Flussbettes führte mittlerweile dazu, dass der Schiffverkehr ruhen muss.

Feuerwehreinsätze bis zur Alarmstufe A4 nicht angedacht

Eine Kraft fehle noch an vielen Ecken und Enden, bedauert Thees am Rande der gestrigen Besprechung in Dömitz. Die Masse der freiwilligen Helfer von Feuerwehren seien zur Abwehr sich anbahnender Katastrophensituationen ein wertvolles Unterpfand. Doch erst ab der Warnstufe A4 sei diese Unterstützung finanziell für das Amt abgefedert. Hingegen, so der erste Mann beim Hochwasserschutz, gebe es spontane Bereitschaft in der Bevölkerung und von Betrieben, freiwillig bei Schutzmaßnahmen zu unterstützen.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus signalisierte Burkhard Thees zu Wochenbeginn telefonisch sofortige Hilfe, wenn das Elbewasser und der Rückstau in Elde und Löcknitz gefährliche Ausmaße annehme. Hintergrund: Beide koordinierten und leiteten gemeinsam im Jahre 2006 vor Ort die Abwehrmaßnahmen gegen die Elbefluten im Amt Dömitz-Malliß.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen