Ludwigslust : Landkreis: Wir tun das Machbare

In der Gemeinschaftsunterkunft in Ludwigslust leben zurzeit 262 Ausländer.
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In der Gemeinschaftsunterkunft in Ludwigslust leben zurzeit 262 Ausländer.

Wanzenbefall im Flüchtlingsheim war Behörde bekannt - Schimmel beseitigt – Unzufriedenheit über Mindeststandards bleibt

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17. November 2014, 17:16 Uhr

Wanzen, Schimmel, Dusche über den Hof – die mobile Pressekonferenz von Amadeu Antonio Stiftung und „Lola für Ludwigslust“ hatte einige erschreckende Mängel im Ludwigsluster Flüchtlingsheim zutage gebracht (SVZ berichtete). Wie hat der Träger der Einrichtung – der Landkreis Ludwigslust-Parchim – reagiert? Wir fragten bei der Gleichstellungsbeauftragten Heidrun Dräger, die auch für Flüchtlinge zuständig ist, nach und besuchten mit ihr gemeinsam das Haus an der Grabower Allee.

„Der Landkreis hat sofort reagiert“, sagt Heidrun Dräger. So seien die schimmligen Stellen an der ungefliesten Küchenwand speziell behandelt und beseitigt worden. Der Befall mit Bettwanzen in zwei Familien sei bei der Behörde bekannt gewesen. Das Ungeziefer war offenbar über die Kleidung in das Heim gelangt. „Wir haben mit beiden Familien Maßnahmen besprochen und Regeln für die Reinigung vereinbart“, so Dräger. Die Zimmer wurden komplett ausgeräumt, die Teppiche ausgewechselt. Neben den regelmäßigen Kammerjägereinsätzen sei in diesen beiden Fällen auch ein Spezialmittel zum Einsatz gekommen. In der einen Familie seien die Wanzen damit erfolgreich bekämpft worden. Auch die zweite Familie, die im SVZ-Beitrag zu Wort kam, habe seit einer Woche nicht mehr über Ungeziefer geklagt. Was die sanitären Einrichtungen betrifft, würden die baulichen Voraussetzungen in den beiden ehemaligen Kasernen nicht mehr Spielraum hergeben. „Frauen- und Männerduschen sind getrennt voneinander in verschiedenen Aufgängen untergebracht. Da bleibt es nicht aus, dass man zum Duschen mal die Häuser wechseln muss“, sagte ein Betreuer im Gespräch mit SVZ. Den Vorwurf von Stella Hindemith von „Lola für Lulu“, es sei menschenunwürdig, dass Mädchen im Winter zum Duschen durch die Kälte laufen müssen, wies er entschieden zurück. Dies sei den Menschen durchaus zumutbar.

Heidrun Dräger verwies auf die im Land Mecklenburg-Vorpommern festgelegten Mindeststandards zur Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften. „Diese werden eingehalten.“ Die Kritik an den Duschbedingungen könne sie nachvollziehen. „Aber das Problem liegt nicht in der Verantwortung der Betreiber, sondern des Gesetzgebers.“ Mit den Mindeststandards werden keine zufriedenstellenden Rahmenbedingungen geschaffen, so Dräger. „Wir können aber nur das tun, was der Gesetzgeber vorschreibt und wir finanziell leisten können.“ Zu den Mindeststandards, die von Bundesland zu Bundesland variieren, gehören in MV u.a.: nach Geschlechtern getrennte Duschen, sechs Quadratmeter Wohnraum pro Person, ein Spielzimmer für Kinder und eine Außenanlage zur Freizeitgestaltung.

In Ludwigslust kümmern sich vier Heimbetreuer um die Flüchtlinge und Asylbewerber. „Ich habe das Gefühl, dass sich 80 Prozent der Bewohner hier gut aufgehoben fühlen“, sagte eine Betreuerin. Für die Bewohner sind die Betreuer vor Ort die wichtigsten Ansprechpartner. Sie helfen bei Anträgen, begleiten zu Behörden, vermitteln Arztbesuche und klären Probleme im Heim. So würden sich im Herbst immer wieder Bewohner über nicht funktionierende Heizungen beschweren. Diese seien aber nicht defekt, sondern von den Bewohnern „manipuliert“ worden, heißt es im Betreuerteam. „Da die Heizungen erst bei einer gewissen Außentemperatur anspringen, drehen viele den Stift heraus und hoffen, dass es warm wird“, sagt ein Betreuer. Wegen der Kälte im Zimmer hatte sich ein Syrer ein altes elektrisches Heizgerät neben das Bett gestellt. Das habe die Behörde nach dem SVZ-Bericht aus Brandschutzgründen sofort entfernt.

Das Heim in Ludwigslust ist am Limit: Mit 262 Ausländern leben hier so viele Menschen wie noch nie. Um Platz zu schaffen, sei man bemüht, die Bewohner in angemieteten Wohnungen unterzubringen. In der vergangenen Woche konnten sieben Ghanaer aus der Gemeinschaftsunterkunft in eine WG ins Parkviertel ziehen. Die frei gewordenen Heimplätze waren bereits in der Nacht darauf von sechs Ukrainern belegt worden.

 

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