Klein Krams : Land unter auf Tacks Pferdekoppel

Der Regen hat die Erde völlig durchweicht. Auf dem schlammigen Untergrund würden die Pferde schnell Huffäule bekommen.
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Der Regen hat die Erde völlig durchweicht. Auf dem schlammigen Untergrund würden die Pferde schnell Huffäule bekommen.

Nässe zwingt erfolgreichen Züchter erstmals in 69 Jahren zum Einstallen seiner Haflinger. 86-Jähriger braucht dringend Hilfe beim Ausmisten

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13. Januar 2018, 16:00 Uhr

Frost. Klirrenden Winterfrost. Mehr wünscht sich Volker Tack für seine Haflinger nicht. Nur bei Minusgraden haben „Saniela“, „Sternlicht“, „Arco“ und die anderen zwanzig Haflinger die Chance auf Bewegung an der frischen Luft. Dann gefriert der aufgewühlte Schlamm auf der Koppel und die Pferde dürfen endlich wieder aus dem Stall. Seit fast vier Wochen verbringen sie Tag und Nacht in ihren Boxen. So lange steht das Regenwasser schon auf der durchweichten Koppel. „Wenn wir sie jetzt rauslassen, dann versinken sie knöcheltief im Matsch und erkranken ganz schnell an Huffäule“, sagt Volker Tack.

Der Klein-Kramser züchtet seit 1949 Shetland-Ponys, vor 35 Jahren begann er mit der Stamm-Stute „Saniela“ seine Haflinger-Zucht aufzubauen. „Haflinger sind sehr robust. Sie leben Tag und Nacht draußen. Bei jedem Wetter. Wind, Regen oder Schnee – das alles macht ihnen nichts“, sagt Brunhild Klocke, Volker Tacks Lebensgefährtin. Erst ein einziges Mal im Winter hatte sich der nasse Schnee so sehr im Fell festgesetzt, dass Volker Tack seine Pferde für kurze Zeit in den Stall holen musste. Das sei aber lange her. Schnee lag ewig nicht mehr auf der Koppel am Belscher Weg zwischen Redefin und Alt Krenzlin. Statt dessen kämpfen die Züchter mit Regen. „Der Klimawandel ist bei uns angekommen“, sagt Brunhild Klocke. So einen nassen Winter hat auch sie noch nie erlebt. Weil der Boden mit Wasser gesättigt ist, könne das Regenwasser nicht mehr versickern. Für die Pferde wird jeder längere Aufenthalt im Freien zur Tortur. „Sie merken von ganz allein, dass es ihnen nicht gut tut“, sagt Brunhild Klocke.

„Mist, Mist, Mist“

Die Tiere nehmen den Umzug erstaunlich gelassen hin. Damit sie in Bewegung bleiben, führt Helferin Jessy sie manchmal an der Longe in eine kleines benachbartes Waldstück. Jessy war als Kind oft auf dem Pferdehof. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Ludwigslust und kommt jeden Morgen raus zum Stall. Auch Silvester und Weihnachten half sie gemeinsam mit Conny dem Rentnerpaar beim Füttern und Ausmisten. Auch in Klein Krams sorgt man sich um den Tackschen Hof. „Mist. Mist. Mist. Unsere Nachbarn brauchen Hilfe“, heißt es in einem Rundbrief im Internet. Jeder, der Zeit und Lust hat, ist aufgerufen mit anzupacken. Als Gegenleistung bieten die Pferdezüchter den Helfern ihre Ferienwohnung kostenfrei zur Unterkunft. Noch ist kein Ende der Arbeit abzusehen. „Unser Mistberg wächst und wächst“, sagt Brunhild Klocke. „Wenn das so weitergeht, werden wir noch im März zu tun haben. Bis die Sonne die Koppel trocknet.“

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