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Ausgleich für Tierhalter : Land hilft beim Schutz vorm Wolf

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bisher rund 170 000 Euro für Elektrozäune, Herdenschutzhunde & Co. gezahlt. 25 Prozent der Kosten bleiben bei Tierhaltern hängen

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erstellt am 13.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Für die bei Malliß gerissenen Schafe (SVZ berichtete) wird es keine Entschädigung vom Land geben. Die nahezu komplett von Wasser umgebene Weide besaß nicht einmal den Grundschutz, der für Ziegen und Schafe in einem Wolfsgebiet gilt, zu dem die Region nun einmal gehört. Doch dieser ist im Falle eines Angriffs Voraussetzung für Kompensationszahlungen. „Es muss einen allseits geschlossenen Zaun geben, auch entlang von Gräben und Wasserläufen“, erklärt Falk Schieweck von der Abteilung Nachhaltige Entwicklung, Forsten und Naturschutz des Schweriner Landwirtschaftsministeriums. „Die Schafe würden einen Graben nicht überqueren. Für den Wolf ist er kein Problem.“

53 Schadensfälle seit 2007

Seit 2007 hat das Land Mecklenburg-Vorpommern rund 46 000 Euro als Ausgleich für Risse von Nutztieren gezahlt, die auf das Konto des Wolfes gingen oder bei denen der Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden konnte. In dieser Zeit gab es nach Aussage von Falk Schieweck 53 dokumentierte Schadensfälle mit 223 getöteten und 83 verletzten Tieren. Allerdings sei nicht in allen Fällen gezahlt worden, „zum Beispiel weil der Grundschutz nicht gewährleistet war oder weil der Tierhalter keinen Antrag gestellt hat“, so Schieweck.

Förderung auch für Hobbytierhalter möglich

Als Grundschutz für Schafe und Ziegen gilt ein mindestens 90 Zentimeter hoher, komplett geschlossener Netzgeflecht- oder Litzenzaun mit weniger als 20 Zentimetern Abstand zum Boden. Bei festen Zäunen, etwa einem Maschendrahtzaun, sind mindestens 1,20 Meter gefordert. „Weil sie zumeist nicht stromführend sind und der Wolf versuchen könnte hochzuklettern“, erklärt Falk Schieweck. Elektrozäune müssen eine Spannung von mindestens 2000 Volt aufweisen.

Aber es geht noch mehr. Den erweiterten Herdenschutz fördert das Land mit Zuschüsse von bis zu 75 Prozent der förderfähigen Kosten. Die verbleibenden 25 Prozent müssen die Tierhalter jedoch aus eigener Tasche zahlen. Präventionsangebote seien stromführende Netz- und Litzenzäune mit einer Höhe von rund 1,10 Meter inklusive Zubehör, ein Untergrabschutz bei festen Zäunen ab 1,20 Meter sowie Ausbildung und Anschaffung von Herdenschutzhunden. In MV noch weniger häufig genutzt ist die optische Verstärkung der Zäune durch Flatterbänder, die über dem Standardschutzzaun angebracht werden. „Aus Sachsen gibt es aktuelle Erfahrungen, dass Wölfe nach einer solchen optischen Verstärkung nicht mehr in die abgezäunte Weide eingedrungen sind“, so Falk Schieweck.

Gefördert werden nicht nur große Schäferbetriebe und Nebenerwerbslandwirte, sondern auch Hobbytierhalter. „Wir wollen damit die Tiere schützen und den Haltern wirtschaftliche Nachteile ersparen. Wir wollen damit aber auch erreichen, dass die Wölfe nicht lernen, dass Nutztierhaltungen für sie ein leichtes Ziel sind.“ Natürlich müsse immer das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen geprüft werden. Vor der Antragstellung rät Schieweck zu einer Beratung durch die jeweils zuständige Behörde und zu einem Vor-Ort-Termin mit deren Mitarbeitern. „So kann man gemeinsam die konkrete Situation begutachten und verschiedene Varianten besprechen.“ Ansprechpartner für die Förderung sind die Staatlichen Ämter für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) und in Nationalparks oder Biosphärenreservaten deren Verwaltungen. Seit 2007 sind im Land insgesamt rund 170 000 Euro Fördermittel in den erweiterten Herdenschutz geflossen, allein 62 000 Euro im vergangenen Jahr.

Keine Vorgaben für Rinderhaltung

Für Berufsschäfer hat die Sache einen Haken. „Wenn ich Fördermittel für den zusätzlichen Herdenschutz bekommen habe, würde ich nach einem Wolfsriss anschließend kein Geld mehr erhalten“, sagt Schäfer Maik Gersonde aus Schlesin bei Dömitz. Und tatsächlich. Das EU-Recht zu Beihilfen schreibt vor, dass Landwirte innerhalb von drei Jahren nicht mehr als 15 000 Euro bekommen dürfen. Die seien schnell erreicht. „Wir mussten bisher aber noch keinen Antrag aufgrund dieser De-minimis-Regelung zurückweisen“, erklärt Falk Schieweck. „Allerdings kann es sein, dass ein Landwirt im Wissen um diese Schwelle gar nicht erst den Antrag gestellt hat.“ Er rät Schäfern, den Antrag im Schadensfall auch zu stellen, wenn sie das Limit bereits überschritten haben. „Dann können wir Alternativoptionen prüfen, um Härtefälle zu vermeiden.“

Für das Jungrind, das im Oktober auf einer Weide bei Niendorf an der Rögnitz von einem Wolf angegriffen und schwer verletzt worden war, besteht dagegen Anspruch auf Kompensationszahlung. Und zwar unabhängig davon, wie die Weide gesichert war. Für Rinder ist – genauso wie für Pferde – kein Grundschutz im Wolfsgebiet vorgeschrieben. „Bei Rindern und Pferden gehen wir davon aus, dass die Übergriffe Einzelfälle bleiben“, so Falk Schieweck. „Rinder gelten als sehr wehrhafte Tiere, das Risiko geht der Wolf nur im Einzelfall ein.“ Aus diesem Grund werden Haltern dieser Nutztierarten auch Präventionsmaßnahmen weder empfohlen noch werden sie gefordert oder gefördert. „Das wäre auch gar nicht flächendeckend finanzierbar.“ Sollte sich aber herausstellen, dass ein Wolfsrudel in einer Region gehäuft Rinder angreift – was es in Sachsen durchaus gibt, würde man im Einzelfall nach Lösungen suchen, so Schieweck.  

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