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Ludwigsluster Tageblatt

19. Oktober 2017 | 18:39 Uhr

ludwigslust : Lahmes Internet ohne Wettbewerb

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Firmen in der Region müssen für leistungsfähige Anschlüsse viel Geld bezahlen / Städtedreieck will Fördermittel für Breitbandausbau

von
erstellt am 24.Okt.2015 | 07:00 Uhr

Auf dieses Signal haben Unternehmer und Stadtverwaltungen im Städtedreieck gewartet: Die Richtlinie des Bundes über die Vergabe der Fördermittel für den Breitbandausbau in ländlichen Gebieten, in denen er sich für Internetanbieter nicht lohnt, ist endlich da (SVZ berichtete). Im November wird der erste Aufruf, sich um die Bundesförderung für das schnelle Internet zu bewerben, erwartet. Dann würde die Region Ludwigslust/Grabow/Neustadt-Glewe gern zu den ersten Nutznießern gehören.

Ihre Hausaufgaben hat sie dafür zumindest gemacht. „Wir sind durch die Machbarkeitsstudie, die seit Januar 2015 vorliegt, gut aufgestellt“, sagt Ludwigslusts Bürgermeister Reinhard Mach. Darin hatte ein Fachbüro analysiert, wie gut (bzw. schlecht) die Region mit Internetzugängen mit 50 Mbit/s oder mehr ausgerüstet ist und was getan werden muss, um eine flächendeckende Versorgung mit einer so hohen Übertragungsrate zu erreichen. „Um Glasfaserkabel bis in jedes Haus zu legen, wären im Städtedreieck insgesamt rund neun Millionen Euro erforderlich“, skizziert Mach den enormen finanziellen Aufwand. Für die Ortsteile werde es dabei eher um eine Datenübertragung über ein stabiles Funknetz gehen. „Die Breitbandversorgung ist mittlerweile ein wichtiger Standortfaktor für die Wirtschaft“, betont Wirtschaftsförderer Henrik Wegner. Deshalb will die Stadt eine fünfstellige Summe in den 2016er-Haushaltsplan einstellen, um den nötigen Eigenanteil für ein mögliches Ausbauprojekt aufbringen zu können,

Matthias Belke, Geschäftsführer der Autoteile M&M GmbH Ludwigslust, hofft inständig, dass bald etwas passiert. „Wir haben fünf Filialen, die untereinander vernetzt sind, rund 170 Lieferanten in ganz Deutschland und Europa, mit denen wir ausschließlich über das Internet arbeiten, und hier im Haus ein Marketingunternehmen – wir brauchen einen Internetanschluss, der hohe Übertragungsraten im Download und im Upload und eine zu jeder Tages- und Nachtzeit stabile Performance bietet“, so Belke. Die 10 Mbit/s, die seinem Unternehmen derzeit zur Verfügung stehen, sind dabei das unterste Limit. Doch schon für diesen und einen zweiten, zur Absicherung gebuchten Anschluss muss er pro Monat insgesamt rund 1000 Euro berappen. „Meine Kollegen in Hamburg bezahlen ein Zehntel davon“, so Belke. „Das ist für uns seit vielen Jahren ein eindeutiger Wettbewerbsnachteil.“ Es fehle einfach der Wettbewerb unter Internetanbietern.

Mit einer Übertragungsrate von 10 Mbit/s würde die Rattunde & Co GmbH Ludwigslust gar nicht klarkommen. „Das wäre definitiv zu wenig. Wir nutzen regelmäßig rund 80 Mbit/s, weil die Übertragung bei großen Datenmengen sonst viel zu lange dauern würde“, erklärt Martin Proksch, einer der geschäftsführenden Gesellschafter. Das Zeitfenster für den Datenabgleich mit dem amerikanischen Tochterunternehmen, etwa im Warenwirtschaftssystem oder bezüglich der Software, ist für eine langsame Übertragung viel zu klein. Ihren Hochleistungsanschluss an das weltweite Netz muss das Unternehmen allerdings auch teuer bezahlen. Pro Monat sind für die Telekommunikation rund 2300 Euro fällig. Dafür kann man von drei Anbietern vier verschiedene Anschlüsse, zum Teil mit bis zu 100 Mbit/s, nutzen. „Wir haben damit aber eine privilegierte Situation“, sagt Martin Proksch. Eine Situation, die auch aus der Lage resultiert und nicht überall in der Stadt möglich ist.

Wenn die Region – auch mit Blick auf die A 14 – neue Unternehmen ansiedeln will, muss schnell etwas passieren. „Mit einem potenziellen Investor brauche ich nicht über Dinge wie Wasser, Strom, Gas und Breitband diskutieren. Die müssen Standard sein“, sagt Matthias Belke. „Sonst zieht er einfach weiter.“

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