Ludwigslust : Lackieren vor Publikum

Vor den Augen der Besucher lackiert Denny Assmann eine Stoßstange.
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Vor den Augen der Besucher lackiert Denny Assmann eine Stoßstange.

Ludwigsluster Unternehmer öffneten Türen für Besucher. Die Suche nach Auszubildenden ist fast überall ein Problem.

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18. September 2017, 08:00 Uhr

Denny Assmann setzt das Sprühgerät an. Erst lackiert er die Kanten, Augenblicke später ist die ganze Stoßstange des kleinen Mitsubishi wieder strahlend weiß. Für den Mitarbeiter des Fahrzeuglackierbetriebes Burmeister ein alltäglicher Job. Der 27-Jährige arbeitet schon seit vier Jahren im Unternehmen und macht derzeit seinen Meister. Doch diesmal stehen hinter den Fenstern der Kabine viele Zuschauer, die jeden seiner Handgriffe verfolgen. Seine Werkstatt beteiligt sich am „Abend der offenen Unternehmen“ im Gewerbegebiet „Großer/Kleiner Kamp“, der in Zusammenarbeit mit der Stadt und weiteren Partnern organisiert worden war, und hat zum Schaulackieren eingeladen.

Für Firmenchef Simon Burmeister ist das selbstverständlich: „Es betrifft ja unser Gewerbegebiet, und außerdem ist es gut, wenn Jugendliche mal hinter die Kulissen schauen können und sehen, welch’ handwerkliches Geschick unser Beruf erfordert.“ Die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz ist auch bei der Firma Burmeister „überschaubar“. „Aber wir haben in jedem Lehrjahr einen Auszubildenden“, so Simon Burmeister. „Über vorherige Praktika versuchen wir sicherzustellen, dass es für beide Seiten passt.“

Bei anderen Betrieben sieht es weniger gut aus. „Ich hätte sehr gern einen Auszubildenden, um Berufsnachwuchs zu gewinnen“, sagt Wolfgang Tiedke von der Firma Dachdeckermeister Fritz Tiedke & Sohn, die Bauhof und Lager am Freitag für Neugierige geöffnet hatte. „Immerhin liegt das Durchschnittsalter auf dem Bau bei 50 Jahren. Auch ich habe Mitarbeiter, die schon seit 25 Jahren im Betrieb sind.“ Die Anforderungen seien gar nicht so hoch, aber rechnen müsse man schon, wenn es zum Beispiel darum gehe, ein Aufmaß zu machen. „Man kann den jungen Leuten aber viel beibringen.“ Seit 1997 führt Wolfgang Tiedke das Unternehmen, das vor 60 Jahren von seinem Opa gegründet worden war. Möglicherweise kann es perspektivisch in vierter Generation fortgeführt werden. Sohn Michele sei jedenfalls schon in der Firma tätig.

Auch bei der M & M Autoteile GmbH gibt es derzeit keine Azubis – weder zum Groß- und Außenhandelskaufmann noch zur Fachkraft für Lagerlogistik. „Vor ein paar Jahren konnten wir aus den Bewerbungen noch auswählen, doch das ist jetzt vorbei“, sagt Geschäftsführer Matthias Belke. Während mehrere Klassen von der Lenné-Schule und der Förderschule am Mittag vorbeigeschaut hatten, vermisste er Gymnasiasten. „Wenn man bedenkt, dass die Abbrecherquote an den Universitäten bei 50 Prozent liegt, scheint es so, dass ein gewisser Teil der Gymnasiasten auch gut in einer dualen Ausbildung aufgehoben wäre.“ Wichtig sei, dass die jungen Leute das Angebot vor Ort kennen. Wenn sie sich dann anders entscheiden, sei das in Ordnung. Matthias Belke, der Vizepräsident der IHK zu Schwerin ist, will nach Möglichkeiten suchen, diese Jugendlichen besser zu erreichen.

Es sind keine Massen, die sich am Freitagabend durch das Gewerbegebiet schieben. Aber überall schauen mal Besucher vorbei. Tobias Lidzba ist tatsächlich auf der Suche nach einem Job. „Ich mache gerade meinen Lkw-Führerschein und hoffe, Ende Oktober oder Anfang November fertig zu sein“, sagt der 33-jährige Ludwigsluster. „Mein Traum wäre es, Fernfahrer zu werden, am liebsten würde ich Seecontainer fahren.“

Bei Volker Rumstich von der gleichnamigen Transport GmbH fand er da auf dem M & M-Hof einen kompetenten Ansprechpartner mitsamt Lkw. „Ich bin gern hierher gekommen“, sagt der Parchimer Unternehmer. „Wenn man nicht selbst etwas tut, dann kommt auch kein Azubi.“ Auf vielen Berufsinformationsmessen wie zuletzt in Hagenow sei er der einzige Vertreter seiner Branche. Die Zahlen geben ihm durchaus Recht. „Wir haben zurzeit 14 Lehrlinge.“  

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