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Ludwigsluster Tageblatt

20. November 2017 | 08:59 Uhr

Wöbbelin : KZ-Opfer bekommen ein Gesicht

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Erschütternde Fotos und Biografien in neuer Ausstellung der Mahn- und Gedenkstäten

von
erstellt am 07.Aug.2014 | 07:00 Uhr

Ausgemergelt und erschöpft kniet er da, weinend und doch den Blick empor gerichtet. Die zehn Wochen des Konzentrationslagers Wöbbelin sind an diesem 5. Mai 1945 seit nunmehr drei Tagen vorbei. Was die amerikanischen Soldaten der 82. Luftlandedivision hier sehen, als sie die Lagertore passieren, haben sie nie vergessen. Der Soldat, der dem befreiten Häftling auf dem Foto Halt gibt, ist Kaplan Philip Matthew Hannan. Er ist seit 1942 in der Army und hat wenige Monate vor Wöbbelin – zum Jahreswechsel 1944/45 – an der Ardennenoffensive teilgenommen. Später soll der 2011 verstorbene Hannan katholischer Erzbischof von New Orleans werden und auch die Grabreden für John F. Kennedy und Jacqueline Kennedy Onassis halten.

Im Moment wird die neue Ausstellung in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, die auf interaktive Weise viele Einzelschicksale schildert, aufgebaut. „Wir wollen damit auch das Vermächtnis des gerade verstorbenen Zeitzeugen Erich Kary weiterführen“, sagt Ramona Ramsenthaler, die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten. „Einer der Leitsätze von Herrn Kary lautete: Die Menschen müssen wissen, was damals geschehen ist.“

So werden die Besucher künftig zunächst die Gedenkstätte an der B 106 besuchen können und anschließend die Möglichkeit erhalten, sich in der Ausstellung darüber zu informieren, welche Biografien hinter den Namen stehen, die sie an der Gedenkstätte gelesen haben. Dazu kommen teils erschütternde Fotodokumente wie jenes auf dieser Seite, die die Gräuel, welche die Häftlinge erleben mussten, noch deutlicher werden lassen.

Finanzielle Unterstützung gewähren der Landkreis, die Landeszentrale für politische Bildung, die Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz sowie das Leader-Programm Förderung des ländlichen Raumes.

Wöbbelin ist ein Ort von europäischer Bedeutung. In dem Konzentrationslager waren Menschen aus mehr als 20 Nationen inhaftiert. Jährlich besuchen auch viele Angehörige, insbesondere aus den Niederlanden, Belgien, Polen und den USA (auch Familien von Befreiern der 82. US-Luftlandedivision) die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin.

Das zunehmende internationale Interesse führt auch dazu, dass immer mehr Schicksale von ehemaligen Häftlingen lebendig werden. „Viele Besucher äußern sich dankbar darüber, dass hier in den Mahn- und Gedenkstätten auf so würdige Weise der Menschen gedacht wird, die in Wöbbelin ein Martyrium durchleben mussten“, so Ramsenthaler.

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