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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 17:17 Uhr

Steesow : Kumpanei um Umweltsünden zu decken

vom

Der Biber ist in der Alten Elde auf dem Vormarsch. Und der streng geschützte Nager sorgt bereits auf seinen ersten Kilometern vom Dömitzer Eldebereich stromaufwärts bis nach Krinitz für Probleme in der Landwirtschaft.

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2012 | 06:27 Uhr

Steesow | Der Biber ist in der Alten Elde auf dem Vormarsch. Und der streng geschützte Nager sorgt bereits auf seinen ersten Kilometern vom Dömitzer Eldebereich stromaufwärts bis nach Krinitz durch seine Lieblingsbeschäftigung für einige Probleme in der Landwirtschaft, wie Mark Sierks vom Wasser- und Bodenverband (WBV) Untere Elde in Ludwigslust im Verlauf der Gewässerschau im Steesower Eldegebiet zu hören bekam.

Doch wird das Tier auch bis nach Steesow vordringen? Der Deibower Günter Jaap befürchtet, dass es damit wohl nichts wird. Er war Gast bei der diesjährigen Gewässerschau, nahm kein Blatt vor den Mund. Seine harschen Worte galten insbesondere dem Geschäftsführer der Agrarland Steesow, Konrad Schmidt. Der Verwaltungschef sei verantwortlich, dass Abfälle aus der Kartoffelproduktion für den Bau von so genannten Sohlgleiten verwandt worden seien. Diese Gewässerbarrieren bestehen rund um Steesow aus Resten von Feldsteinen, Erdreich, Kartoffelkraut und Erdknollen, was nicht sein darf, so Jaap. Der Angefeindete äußert sich in Sachen Jaap nicht mehr. "Der Mann füllt viele Ordner bei Behörden", so die Begründung von Schmidt.

Tatsächlich lagert unweit des landwirtschaftlichen Betriebes auf einem freien Acker ein Riesenberg solcher Reste. Und Jaap zeigte dem WBV-Fachmann auf einer Rundtour nach der Gewässerschau am Bürotisch, wo überall diese Rückstände von Kartoffelernten in Fließgewässern im WBV-Betreuungsgebiet aufzufinden sind. Diese Orte sind dem WBV nicht unbekannt, auch die Kritik von Jaap sei nichts Neues. Der Disput zwischen Jaap, der Agrarland-Geschäftsführung, dem WBV, der Unteren Wasserbehörde und dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) hält bereits seit mehren Jahren an (SVZ berichtete). Sicherlich, so Sierks Zugeständnis, ist das Material für die Sohlgleiten nicht das optimalste für Regulierungsmaßnahmen.

Eine vorsichtige Formulierung vor dem Hintergrund, dass der Deibower Landwirt bereits einige Beschwerden abgesandt hat. Bislang fand Jaap noch keine für sich plausible Erklärung im Briefkasten, geschweige hat er eine abschließende Stellungnahme von einem Angeschriebenen erhalten. Er verstehe insbesondere nicht, wie von der Unteren Wasserbehörde das "Verklappen" der gewässergefährdeten Mischung aus landwirtschaftlichen Abfällen als "unverhältnismäßig" eingestuft werden kann. Jaap äußert den Verdacht der Kumpanei.

Der Deibower sieht dringenden Handlungsbedarf, weil er sich um die Reinheit des weitläufigen Be- und Entwässerungssystem Sorgen macht. Einen neuerlichen Beweis für seine Annahme sieht der Deibower darin, dass direkt an einer Sohlgleite auf mehreren Metern Kiefern abgeholzt wurden. Der Umweltschützer geht davon aus, dass die Bäume durch die dort ins Grabenbett eingebrachte Fracht gelitten haben und deshalb "über Nacht" gefällt und abtransportiert wurden. Andernorts wurde das Gemisch schlicht vom einem Feld aus in den Graben gekippt. "Und keiner macht etwas dagegen", rügt Jaap.

Bei der Gewässerschau am Versammlungstisch am Vormittag berieten sich WBV-Ingenieur Sierks gemeinsam mit Geschäftsführer Konrad Schmidt und seinen Abteilungsleitern, dem WBV-Schaubeauftragten Wolfgang Kann vom Ordnungsamt Grabow sowie Revierleiter Joachim Peter vom Forstamt Ludwigslust. Die Runde erörterte die finanziell machbaren Maßnahmen zur Wasserregulierung bis zum Ende des laufenden Jahres. Zuvor muss allerdings ein Sammelhaufen am so genannten Görnitzer Stau geräumt werden. In dem Sammelgut ist so viel Müll enthalten, dass der nicht von dem landwirtschaftlichen Betrieb entsorgt werden kann. In dem Eldeabschnitt und ihren wasserbaulichen Einrichtungen gab es hingegen geringfügige Böschungsschäden durch Schwarzwild. bis h

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