Ludwigslust : Kürzere Wege ins Bahnhofsviertel

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Wie ein möglicher Tunnel die Verkehrsströme verändern würde / Einwohnerforum am Montag: Braucht Ludwigslust einen Tunnel?

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28. März 2014, 17:35 Uhr

Die ersten Schritte in Richtung Tunnelbau am Bahnhof sind bereits gemacht. Derzeit wird eine Planungsvereinbarung zwischen der Bahn und der Stadt erarbeitet, über die die Stadtvertreter im Mai befinden sollen. Um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, holt Bürgermeister Reinhard Mach die Bürger mit ins Boot. Bei einem Forum am Montagabend in der Stadthalle (Beginn 18.30 Uhr) können sie sich über das Projekt informieren, aber auch ihre Meinung sagen. Braucht Ludwigslust einen Tunnel? Wollen die Ludwigsluster einen Tunnel?

Es geht zum einen um viel Geld. Denn selbst wenn alle in Aussicht gestellten Fördermittel fließen, müsste die Stadt einen Eigenanteil von rund 1,5 Millionen Euro tragen. Zum anderen würde der Tunnel die Verkehrsströme in der Stadt verändern – und das nicht überall zum Positiven.

Fakt ist: Die Hochbrücke, die laut einer Prognose bereits durch die A 14 um rund 4000 Fahrzeuge am Tag entlastet werden könnte, würde durch einen Tunnel im Bereich des Bahnhofs weitere 3300 Fahrzeuge „verlieren“. Das geht aus dem Zwischenbericht zur Verkehrsentwicklungsplanung für Ludwigslust hervor, an der seit Mitte 2012 gearbeitet wird. „Damals hatten wir mit Hilfe von Gymnasiasten an mehr als 20 Knotenpunkten in der Stadt den Verkehr gezählt“, erklärt Jens Gröger, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Tiefbau, wie die Ausgangsdaten ermittelt worden waren. Davon ausgehend wurden die Planzahlen für die Zukunft errechnet, wobei beispielsweise von einer Zunahme des Schwerverkehrs um rund zehn Prozent ausgegangen wurde.

„Viele Autofahrer, die aus Schwerin kommend Richtung Dömitz wollen, werden künftig die Autobahn nutzen und nicht mehr durch Ludwigslust fahren“, begründet Jens Gröger die Entlastung der Hochbrücke. Und wenn es mit einem Tunnel dann eine zweite Gleisquerung geben würde, würden die Kraftfahrer aus den Wohngebieten in Bahnhofsnähe die Brücke auch nicht mehr nutzen. Eines macht Jens Gröger im Gespräch aber unmissverständlich deutlich: „Der Tunnel soll und wird niemals ein Ersatz für die Hochbrücke sein. Warum sollte ein Autofahrer eine sehr gut ausgebaute Strecke negieren, um sich durch die Innenstadt zu quälen?“ Und so hätten die Prognosen ergeben, dass kaum zusätzlicher Durchgangsverkehr in der Altstadt zu erwarten wäre.

Und wie würde sich ein Tunnel in den anderen Bereichen auswirken? In der Neustädter Straße würde der Verkehr nicht weiter zunehmen. Sie wird allerdings schon durch die A 14 stärker belastet. In der Wöbbeliner Straße ist zwischen der Kreuzung Neustädter Straße und der möglichen Tunneleinmündung im Bereich des Amtsgebäudes von Ludwigslust-Land mit deutlich mehr Fahrzeugen zu rechnen. „Dort gibt es allerdings nur wenig Wohnbebauung“, so Jens Gröger. Deutlich weniger Verkehr erwarten die Experten in der Neuen Torstraße und der östlichen Klenower Straße. In Bahnhofstraße, Brinckman-, Tarnow- und Reuter-Straße sei mit etwas mehr Fahrzeugen zu rechnen, so der Fachbereichsleiter. Allerdings könnten seiner Auffassung nach die Rampen des Tunnels, also die Ausfahrten, so gestaltet werden, dass die meisten Autofahrer doch die Bahnhofstraße vorziehen.

Für Jens Gröger gibt es in Sachen Tunnel Pro und Contra. „Durch die zusätzliche Gleisquerung wird der Verkehr entflechtet und es gibt eine Alternative im Falle von Bauarbeiten oder Havarie auf der Hochbrücke“, so der Baufachmann. Zudem werden die Pendlerparkplätze und das Bahnhofsviertel besser erreichbar, auch für Rettungsfahrzeuge. Gegenargumente liegen aber auch auf der Hand. Einzelne Straße müssten deutlich mehr Fahrzeuge verkraften, was einerseits zu zusätzlichem Lärm, andererseits zu zusätzlichem Unterhaltungsaufwand führen wird. Unterm Strich würde die Verwaltung dennoch den Tunnelbau empfehlen, „weil die Pro’s überwiegen“, so Gröger. Zudem kann man davon ausgehen, dass dies jetzt die letzte Chance auf eine weitere Bahnquerung ist.

Braucht Ludwigslust einen Tunnel? Diese Frage können Bürger auch auf der Internetseite der Stadt beantworten. Dort läuft eine Umfrage, mit deren Hilfe Bürgermeister und Stadtverwaltung die Meinung der Bevölkerung herausfinden möchte.


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