Ludwigslust : Krankenhaus gemeinsam umarmt

Rund 500 Menschen waren gestern gekommen, um das Ludwigsluster Krankenhaus – ihr Krankenhaus – gemeinsam zu umarmen.
Rund 500 Menschen waren gestern gekommen, um das Ludwigsluster Krankenhaus – ihr Krankenhaus – gemeinsam zu umarmen.

Rund 500 Ärzte, Schwestern und Bürger trafen sich zum stillen Protest gegen das Ausbluten des Hauses. Der Aufsichtsrat tagt heute.

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24. März 2015, 07:00 Uhr

Fred Weiß ist derzeit Patient im Ludwigsluster Krankenhaus. Am Montagabend schloss er sich dem stillen Protest von Mitarbeitern, Kommunalpolitikern und Bürgern an, die um den Fortbestand des Hauses bangen. Aus gutem Grund. „Ich muss häufiger ins Krankenhaus und kenne deshalb viele Ärzte seit Jahren, seit Jahrzehnten, und habe Vertrauen zu ihnen“, sagt der Möllenbecker. „Und nun gehen mehrere von ihnen weg.“

Rund 500 Ärzte, Schwestern und Bürger, darunter viele Stadtvertreter, waren gekommen, um ihr Krankenhaus in einer langen Menschenkette symbolisch zu umarmen. „Wir wollen unsere tiefe Verbundenheit zu dieser Einrichtung zeigen und gleichzeitig unsere Sorge um ihren Erhalt zum Ausdruck bringen“, sagte Dr. Peter Marschner. Die Entwicklung der letzten Wochen und Monate sei besorgniserregend, so der Anästhesist und Intensivmediziner, der selbst im Stift Bethlehem geboren worden war.


„Der Aufsichtsrat hat versagt“
 

Nachdem im vergangenen Herbst erste Umstrukturierungspläne der Geschäftsführung – zumeist Umzugspläne an den Hagenower Standort des Westmecklenburg Klinikums Helene von Bülow – bekannt geworden waren, setzte eine beispiellose Kündigungswelle in der Ärzteschaft ein. Mittlerweile haben sieben bis acht Mediziner, darunter ein Chefarzt und vier Oberärzte mit großem Renommee, gekündigt und das Haus zum Teil bereits verlassen. Wie gut kann ein Konzept sein, das solche Folgen hat, fragte einer der Protestler. Inzwischen ist zu befürchten, dass Assistenzärzte dem Beispiel folgen, weil mit den Medizinern auch deren Weiterbildungsermächtigungen verloren gehen bzw. gingen. Neueinstellungen scheinen unter den aktuellen Bedingungen schwierig. Der Geschäftsführung wird vorgeworfen, dass sie über die Köpfe der Mitarbeiter hinweg entscheidet, keine ehrliche Gesprächsbereitschaft zeigt. Stattdessen hebt sie den Start der Zusammenarbeit mit den Helios Kliniken Schwerin, die das Linksherzkatheterlabor betreiben, als überaus erfolgreich hervor. Die Nachsorge der dort behandelten Patienten hat Helios allerdings nicht übernommen, diese obliegt weiter dem Ludwigsluster Krankenhaus, das gerade im Bereich der Inneren Medizin viele Ärzte verliert… Und Fälle, dass Patienten aus der hiesigen Region an Ludwigslust vorbei in die Schweriner Kardiologie überwiesen und dort auch behandelt werden, gibt es nach wie vor.

Auch vom Aufsichtsrat sind viele Menschen enttäuscht. „Der Aufsichtsrat hat versagt, er hätte in diese Entwicklungen längst eingreifen müssen“, sagte Wolfgang Köhler aus Ludwigslust. „Jetzt ist das Kind wohl schon in den Brunnen gefallen, und es gibt keinerlei Initiative, um aus dieser Situation herauszukommen.“


Applaus für Forderung der Mitarbeiter
 

Die Mitarbeiter haben in einer gestern Abend verlesenen und von den Protestteilnehmern mit Applaus bedachten Erklärung Klinikleitung und politische Entscheidungsträger aufgerufen, das Krankenhaus Ludwigslust als „überaus hochwertige medizinische Einrichtung mit breit gefächerten medizinischen Versorgungsmöglichkeiten zu erhalten und zu entwickeln“. Ob dieser Ruf erhört wird, bleibt abzuwarten. Am morgigen Mittwoch kommt der Aufsichtsrat zur Sitzung zusammen.  

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