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Unterschriftenliste an den Planungsverband : Kraaker wehren sich gegen Windpark

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Dass die Mehrheit der Einwohner von Kraak gegen die geplante Errichtung von Windkraftanlagen in der Nähe ihres Dorfes ist, das machten die Bürger jetzt auch mit einer Unter schriftenak tion deutlich.

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erstellt am 19.Jul.2013 | 08:03 Uhr

Kraak | Dass die Mehrheit der Einwohner von Kraak gegen die geplante Errichtung von Windkraftanlagen in der Nähe ihres Dorfes ist, das machten die Bürger jetzt auch mit einer Unter schriftenak tion deutlich. Die Liste mit den Namen von 328 Unterzeichnern übergab Grit Schumacher vom Initiativkreis "Kraak gegen Windkraft" an Rolf Christiansen. Er ist der Vorsitzende des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg und zugleich Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Christiansen hatte jüngst an einer Diskussionsrunde in Kraak teilgenommen, zu der die Ortsteilvertretung und der Initiativkreis eingeladen hatten.

Auf einer Fläche von 75 Hektar sollen auf der Gemarkung von Kraak bis zu 13 Windkraftanlagen errichtet werden. Sie würden eine Höhe von insgesamt 195 Meter erreichen, die Nabenhöhe - sie reicht bis zum Ansatz der Rotorblätter - käme allein schon auf 135 Meter. Und: Der Abstand der Windräder zum bebauten Gebiet soll 1000 Meter betragen.

Das wollen die Kraaker so nicht hinnehmen. Grit Schumacher: "Die Mehrheit lehnt das Projekt in dieser Form ab. Wir möchten bei der Planung mitreden, wenn es um solche gravierenden Entscheidungen geht. Immerhin geht es um unser Wohnumfeld, um unsere Familien, um unsere Gesundheit." Die Kraakerin kritisiert unter anderem, dass der Abstand zwischen Windrädern und Wohnbebauung viel zu gering sei. In Sachsen-Anhalt werde als Abstand zur Wohnbebauung das Zehnfache der Gesamthöhe eines Windkraftrades empfohlen. Da wäre bei einer Höhe von fast 200 Metern immerhin schon ein Abstand von 2000 Metern. "Dort scheint man mehr Rücksicht auf die in der Nähe von Windkraftanlagen wohnenden Einwohner zu nehmen", so Schumacher. In MV wird derzeit ein Abstand von 1000 Metern angegeben.

Die Sorge, dass der Geräuschpegel durch die Rotation der Windräder enorm zunehme und der Schattenschlag die Anwohner in ihrer Lebensqualität erheblich beeinträchtige, sei sehr groß, sagt Grit Schumacher. Schon jetzt seien etwa ein Drittel der Kraaker einer grenzwertigen Lärmbelästigung ausgesetzt: Denn das Dorf liegt in Nähe der Autobahn A 24. "Einige Wohnhäuser befinden sich 400, 500 Meter von der Autobahn entfernt. Wenn jetzt noch Windkrafträder in einer Entfernung von 1000 Metern hinzukommen, ist das echt erschreckend", meint die Kraakerin SVZ gegenüber.

Matthias Kühn vom Initiativkreis nennt noch einen anderen Aspekt. Er stellte in der Diskussionsrunde mit Rolf Christiansen die Frage: Warum soll eine Gemeinde ihren Bürgern diese Beeinträchtigungen zumuten, wenn sie selbst keinerlei Wertschöpfung erfährt. Denn die Gemeinde Rastow, zu der Kraak gehört, ist weder Landeigentümer noch Investor.

Diese Sorgen, dass ihr Wohnumfeld Schaden nehmen könne, konnte Rolf Christiansen den Kraakern an diesem Abend nicht nehmen, meint Grit Schumacher. Er erklärte das Zustandekommen der Ausweisung von Eignungsgebieten für Windkraftanlagen. Mit der Energiewende gebe es neue politische Vorgaben. So habe das Land Mecklenburg-Vorpommern seine ausgewiesene Windeignungsfläche erhöht von 0,75 auf 1,5 Prozent der Gesamtfläche des Landes. Der Planungsverband suche nach Flächen, die der Behörde als geeignet erscheinen. Dabei seien planerische Grundsätze zu berücksichtigen. Die Kriterien dafür aber müssen noch konkreter erarbeitet werden, heißt es vom Regionalen Planungsverband.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist inzwischen gemacht. Es hat sich ein zeitweiliger Ausschuss für Windenergie des Kreistages Ludwigslust-Parchim konstituiert (SVZ berichtete). Dieser will schon Anfang Oktober die ausgearbeiteten Kriterien für die Ausweisung von Eignungsflächen für Windenergieanlagen vorlegen und gegebenenfalls im Dezember beschließen.

Dass sich der Sonderausschuss jetzt mit diesen Fragen beschäftigt, wertet die Kraakerin als ein gutes Zeichen. Der Ausschuss habe signalisiert, dass er eine seiner Sitzungen in Kraak durchführen wolle, um vor Ort auch mit Einwohnern zu sprechen. "Dass diese Beratungen öffentlich sind, finde ich gut. Gut ist auch, dass im Ausschuss Bürger mitarbeiten, die die Situation sehr gut kennen, weil sie selbst in der Nähe von Windkraftanlagen wohnen. Insofern verspreche ich mir von der Arbeit des Ausschusses sehr viel. Für mich ist nur fraglich, inwieweit die Landesregierung bzw. der Landtag die Empfehlungen des Ausschusses in ihrer Planung berücksichtigen", erläutert Grit Schumacher.

Wolfgang Utecht, der Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Ludwigslust-Land, sagt dazu: Die Gemeinden würden bei der Entscheidungsfindung angehört, die Entscheidung selbst aber werde der Landtag mit dem Regionalen Planungsverband treffen.

Nicht nur in Kraak, auch in der Nachbargemeinde Hoort sollen Windkraftanlagen aufgestellt werden; etwa 20, und einige der Windräder sollen hier auf kommunalem Land gebaut werden.

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