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Ludwigsluster Tageblatt

25. November 2017 | 01:21 Uhr

Grabow : „Kollege“ Kim ist nur mittwochs da

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Grabow und Dömitz machen wieder PA-Unterricht - heute dürfen sich Schüler die Betriebe aussuchen / Kim Leon arbeitet in der Tagespflege

von
erstellt am 13.Apr.2016 | 10:18 Uhr

Er wird ihnen fehlen. Das weiß Pflegedienstleiterin Annemarie Weißer schon heute. Kim Leon hat sich schnell in die Herzen der Kollegen gearbeitet, und noch schneller hat er die Herzen der Bewohner der Tagespflege erobert. Kommt er mal nicht an einem Mittwoch, weil er krank ist, dann fragen die Bewohner: „Wo ist denn der junge Mann?“

Der junge Mann geht eigentlich noch zur Schule. Er ist 15 Jahre alt, besucht die 9. Klasse und ist zum Schülersprecher der Regionalen Schule Grabow gewählt worden. Immer mittwochs fehlen er und seine Klassenkameraden in der Schule. Dann ist Praxislerntag und alle Neuntklässler arbeiten in Betrieben der Region. Im Autohaus, in der Werbeagentur, im Kindergarten, im Pflegeheim, im Agrarbetrieb, beim Stadtförster, dem Wasserstraßenamt, im Waldbad, beim Optiker oder beim Hufschmied. AWT-Lehrerin Sylvia Türk hat nach fünf Jahren „Praxislerntag“ an ihrer Schule fast 80 Firmen aus der Region zusammengetragen, die von Kindern ausgewählt wurden oder selber Angebote machen. „Wir können gar nicht früh genug mit der Berufsorientierung anfangen“, sagt Sylvia Türk. „Je jünger die Schüler sind, desto motivierter und aufnahmebereiter sind sie.“ Deshalb besuchen schon die siebten Klasse der Grabower Rohr-Schule einen zweiwöchigen Kurs zur Potenzialanalyse beim Jessenitzer Aus- und Weiterbildung e.V. „Sie können dort in verschiedene Berufe reinschnuppern, und meistens wissen sie schon nach drei Tagen, ob der Beruf was für sie ist oder nicht.“ Kim Leon hatte in Jessenitz Holzbearbeitungs- und Verwaltungsberufe getestet. Nach dem Schülerpraktikum in der achten Klasse in einem Grabower Pflegeheim wusste er, dass er später im sozialen Bereich arbeiten will. Der Praxislerntag in der 9. Klasse bestätigt ihn darin. „Er ist ein toller Teamplayer“, sagt seine Chefin Simone Henning. „Er packt mit an, arbeitet offen und interessiert mit unseren Bewohnern, bringt sogar eigene Ideen mit ein“, sagt sie. Die Inhaberin der „Tagespflege Henning“ weiß, dass man für seinen Beruf „brennen muss, wenn man ihn gut machen und dabei Spaß haben will.“ Und genau das entdecke man am Praxislerntag. Die Grabower ist neben Dömitz die einzige Regionalschule, die in der 9. Klasse einen wöchentlichen Praxislerntag eingeführt hat. „Wir haben nur gute Erfahrungen mit dem Tag“, sagt Gudrun Zöhner, Teamleiterin für Berufsorientierung am Gymnasialen Schulzentrum „Fritz Reuter“ in Dömitz. In dem Arbeitskreis Arbeit und Wirtschaft beim Landkreis versuche sie weitere Schulen von den Vorteilen des Praxislerntags zu überzeugen. Einerseits würden Betriebe auf diese Weise viel länger und intensiver Kontakt zu potenziellen Auszubildenden halten. Zum anderen lernen Schüler Sozialkompetenz, erfahren Bestätigung und finden im besten Falle sogar eine Lehrstelle.

So haben allein in Dömitz sechs Schüler aus der zehnten Klasse einen Ausbildungsplatz in dem Betrieb gefunden, den sie sich in der 9. Klasse für den Praxislerntag ausgesucht hatten. Zehn weitere Schüler haben am Praxismittwoch ihren Berufswunsch gefestigt. Gudrun Zöhner: Sie gehen jetzt motiviert und zielbewusst in die Bewerbungsphase.

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