Königliche Ehrung : Königin ernennt Erich Kary zum Ritter

Erich Kary (M.) hat gerade die Medaille eines Ritters des Ordens von Oranien-Nassau aus den Händen von Henk A. Lambooij, Bürgermeister der niederländischen Gemeinde Putten, erhalten. Foto: Uwe Köhnke
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Erich Kary (M.) hat gerade die Medaille eines Ritters des Ordens von Oranien-Nassau aus den Händen von Henk A. Lambooij, Bürgermeister der niederländischen Gemeinde Putten, erhalten. Foto: Uwe Köhnke

Erich Kary aus Ludwigslust ist ab sofort Ritter des Ordens von Oranien-Nassau. Die Auszeichnung vergibt das holländische Königshaus an Menschen, die sich besonders um das Gemeinwesen verdient gemacht haben.

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02. Mai 2013, 06:55 Uhr

wöbbelin | Überraschende hohe Ehrung am Donnerstag für Erich Kary aus Ludwigslust. Der 88-Jährige ist ab sofort Ritter des Ordens von Oranien-Nassau. Die Auszeichnung vergibt das holländische Königshaus an Menschen, die sich besonders um das Gemeinwesen verdient gemacht haben, aber an Ausländer nur, wenn ihre Verdienste unmittelbar mit den Niederlanden zu tun haben. Überbringer der hohen Auszeichnung war Henk A. Lambooij, Bürgermeister der 23 000-Einwohner-Gemeinde Putten, die schicksalhafte Verbindungen mit dem ehemaligen KZ Wöbbelin hat. Hier in Wöbbelin wurde nicht nur Erich Kary am 2. Mai 1945 durch Soldaten der 82. US-Luftlandedivision befreit. Unter den damaligen Häftlingen des KZ waren auch Holländer aus Putten. Ein Teil überlebte, andere kamen um. Hintergrund war der so genannte "Fall Putten", ein Kriegsverbrechen der Wehrmacht. Nach einem Attentat auf ein Auto mit Wehrmachtsoffizieren waren über 600 Puttener Männer gefangen genommen und in verschiedene Konzentrationslager gebracht worden.

Wertvoller Gesprächspartner für Familien der Opfer

Im Rahmen der Forschungen der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin unter dem Leitgedanken, den Opfern des KZ ein Gesicht zu geben, gibt es auch seit langem Verbindungen in die Niederlande - wie in andere europäische Länder. Erich Kary, der einzige Überlebende des KZ Wöbbelin, der nach dem Krieg in der Region Ludwigslust blieb, erweist sich als wertvoller Gesprächspartner für alle Familien, die nach den Spuren ihrer Angehörigen suchen. Das ist jetzt - noch durch Königin Beatrix - gewürdigt worden.

Anlass der Auszeichnung war der gestrige 68. Jahrestag der Befreiung des KZ Wöbbelin. Jedes Jahr an den ersten drei Maitagen versammeln sich Überlebende, Familienangehörige, Politiker und Vertreter des gesellschaftlichen Lebens zum Treffen der Generationen. Sie gedenken der Opfer, erneuern aber auch die Verpflichtung, alles zu tun, eine Wiederholung des schrecklichen Geschehens niemals zuzulassen.

Einer derjenigen, die das besonders unterstreichen, ist Jacek Zatrieb aus Polen. Seine Mutter, die auf dem Todesmarsch des Konzentrationslagers Ravensbrück nach Wöbbelin kam, wurde hier befreit. Heute kommt Zatrieb jedes Jahr als Begleiter und Betreuer der polnischen Delegation hierher. "Häufig habe ich mir die Frage gestellt, mit welchen Gefühlen die ehemaligen Häftlinge an diesen Ort zurückkehren", sagt er. "Neben der immer noch lebendigen Erinnerung an die Kälte, den Hunger, Durst, die Angst, kamen zu meinem Erstaunen auch ausgesprochen positive Aspekte zum Vorschein."

Beginn eines neuen Lebens mit enttäuschten Hoffnungen

Jacek Zatrieb nennt die Freude über die Wiedergeburt, über den Tag, als das Leben aufs Neue begann, die Hoffnung, Verwandte, Freunde, das eigene Haus, die alte Schule wiederzufinden. Viele dieser Hoffnungen seien enttäuscht worden. Der polnische Betreuer spricht über seine Beweggründe, jedes Jahr nach Wöbbelin zurückzukehren. Zuerst das ganz persönliche Andenken an seine Mutter und alle die anderen, die hier gelitten haben. Es habe Jahre gedauert, bis diese über die Leiden, die Erlebnisse in der schweren Zeit sprechen konnten. "Sie haben nach Zuhörern gesucht und sie genau hier in Wöbbelin gefunden", sagt Zatrieb und stellt damit der Arbeit der Mahn- und Gedenkstätten das beste Zeugnis aus, das sich denken lässt. "Die Begegnungen mit den Mithäftlingen, mit den Schülern, das Bewusstsein, dass sich jemand für ihre Erlebnisse interessiert, das ist es, wonach sich diese Menschen gesehnt haben", spricht Jacek Zatrieb vielen aus dem Herzen. Er komme auch immer wieder her, sagt er, wohl wissend, dass auch seiner Generation die Aufgabe übertragen sei, das Geschehen und die Lehren daraus vor dem Vergessen zu bewahren, aber auch das fragile Gebäude des Friedens im Rahmen eines Generationenvertrages zu festigen und zu stützen.

Landesrabbiner spricht jüdisches Totengebet

Die Gedenkveranstaltung am ehemaligen Lagergelände war auch in diesem Jahr ein herausragendes Ereignis. Landesrabbiner William Wolff sprach den Kaddisch, das jüdische Totengebet. Landrat Rolf Christiansen, selbst erkrankt, übermittelte durch seinen Stellvertreter Wolfgang Schmülling sehr zu Herzen gehende Worte.

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