Dömitz : Klöppelkunst trifft Malerei

Ein Jahr nach seiner Ausstellung im Parchimer Stadthaus sind Arbeiten von Werner Grimmer (r., im Gespräch mit Bernd Sieme) nun in der Festung Dömitz zu sehen.
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Ein Jahr nach seiner Ausstellung im Parchimer Stadthaus sind Arbeiten von Werner Grimmer (r., im Gespräch mit Bernd Sieme) nun in der Festung Dömitz zu sehen.

Monika und Werner Grimmer stellen ab 9. November im Museum der Festung Dömitz aus / Schauklöppeln am zweiten Adventssonntag

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07. November 2014, 07:00 Uhr

Nach langem Zögern hat Monika Grimmer dem wiederholten Drängen von verschiedenen Seiten nun nachgegeben und man kann ihr zu diesem Schritt nur ausdrücklich gratulieren! Ab Sonntag dieser Woche präsentiert die Parchimerin ihr Hobby, das Klöppeln, in der Galerie auf der Festung in Dömitz: Monika Grimmer hat im Verlaufe von dreieinhalb Jahrzehnten ihre Fertigkeiten, durch Drehen und Kreuzen Fäden in filigrane Objekte zu verwandeln, auf ein meisterliches Niveau angehoben. Die von ihr geschaffene „Tänzerin“ in eleganter Pose, das von dem französischen Maler und Grafiker Victor Vasarely (1906-1997) inspirierte Wandbild „Linien“, das Fensterbild „Die Schöne“ oder ein Porträt ihrer Enkeltochter Nele beispielsweise belegen das auf eindrucksvolle Weise. Man muss immer wieder hinschauen.


Zehn Jahre Kurs in Ludwigslust besucht


Zu dieser Art der Textilgestaltung mit einer bis ins 16. Jahrhundert zurückgehenden Tradition fand Monika Grimmer, Jahrgang 1946, vor mehr als 35 Jahren eher durch Zufall: Sie lernte Elisabeth Stefan aus Ludwigslust kennen. Diese hatte sich mit ihren Klöppelarbeiten bereits einen Ruf in der Region erworben und leitete in der Lindenstadt viele Jahre einen Zirkel. Monika Grimmer besuchte zehn Jahre lang die Arbeitsgemeinschaft, um sich die Grundlagen der Klöppeltechnik anzueignen und zu vervollkommnen. Später gab sie das Kunsthandwerk in Parchim selbst in einem Kinder- und Erwachsenenzirkel weiter.

Das Faszinierende am Klöppeln sei für sie vom ersten Moment an die unerschöpfliche Vielfalt an kreativen Möglichkeiten gewesen. Das mache dieses Hobby für sie bis heute so reizvoll, bekennt Monika Grimmer: So könne man mit zwei Paar Klöppel schon Muster wirken, mit wenigen Paaren große Musterflächen gestalten und mit bis zu 200 Klöppeln sehr kleine Flächen mit Ornamenten füllen, beschreibt die Parchimerin das für sie Spannende an ihrem Hobby. Zudem sei es eine Tätigkeit, die man mit relativ wenig Materialaufwand durchführen kann. Dafür benötigt man allerdings einen umso längeren „Geduldsfaden“ und die entsprechende Zeit: An ihrem 20 mal 30 cm großen Objekt „Tänzerin“ arbeitete Monika Grimmer zum Beispiel mehr als 20 Stunden.

Die erstmals überhaupt der Öffentlichkeit zugänglichen Klöppelarbeiten von Monika Grimmer werden im Museum der Festung Dömitz gemeinsam mit Malerei und Grafik ihres Mannes präsentiert. Werner Grimmer, Jahrgang 1943, war in Parchim bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2006 vier Jahrzehnte als Grundschullehrer bzw. Fachlehrer für Kunsterziehung und Philosophie tätig. Von ihm Gemaltes, Radiertes und in Linol geschnitten Gedrucktes war bereits in Ausstellungen in Bützow, Hamburg, Berlin, Brüel, Wittenberge und anlässlich seines runden Geburtstages im vergangenen Jahr erneut in seiner Heimatstadt Parchim zu sehen.

Kenner seiner Arbeiten, wie der Parchimer Galerist Eckhard Bergmann, schätzen Werner Grimmer als konsequenten Grafiker und jemanden, der etwas zu sagen hat mit seinen Werken. Der Maler und Designer Bernd Seiffert aus Stralsund lobt sein tadelloses Handwerk und seine Liebe zur vereinfachten Form. „Mir ist angenehm an Werner Grimmers Kunstschaffen, dass es keines theoretischen Überbaus bedarf, zu ihm Zugang zu bekommen. Seine Kunst ist ehrlich von Grund auf, dabei offen für Veränderungen und auch im Einbeziehen neuer Techniken“, befand Bernd Sieme vor einem guten Jahr anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Parchimer Stadthaus. Bernd Sieme war im Westen, Werner Grimmer im Osten des geteilten Deutschlands als Kunsterzieher tätig. Nach dem Fall der Mauer auf den Tag genau am Sonntag vor 25 Jahren war der Hunger nach Erfahrungsaustausch auch unter Lehrern auf beiden Seiten groß. Aus der ersten Begegnung 1990 unter Kollegen auf einer Fachtagung entwickelte sich eine künstlerische Freundschaft.

In Dömitz treffen ab Sonntag alte Häuser in Parchims Nebenstraßen, Natur und stilles Leben, der Mensch in seinem Verhalten und „Meinungsbilder“ zur (Ellenbogen)Gesellschaft auf Klöppelkunst. Bei der Auswahl der Malerei und Grafik dürfte Monika Grimmer ein gewichtiges Wort mitgesprochen haben: Das Klöppeln ist zwar ihr alleiniges Ding, das ihr früher z. B. im Beruf als Diplom-Ingenieurin für Pharmazie einen willkommenen Ausgleich zum Alltag bot. Doch die Kunst allgemein ist das gemeinsame, lebenslange Hobby von Monika und Werner Grimmer und sie eine kritisch-konstruktive Begleiterin der Arbeiten ihres Mannes. Eröffnet wird die Ausstellung am 9. November um 14.30 Uhr, dann kann sie bis zum 30. Januar dienstags bis sonntags jeweils von 12 bis 16 Uhr besucht werden. Wer einmal hautnah erleben möchte, wie man mit zwei Handbewegungen Fäden in Kunstobjekte verwandeln kann, erhält dazu am zweiten Adventssonntag eine Möglichkeit: Dann laden Ilse Blümel und Monika Grimmer während der Öffnungszeit in der Ausstellung zum Schauklöppeln ein.


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