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Ludwigsluster Tageblatt

23. November 2017 | 19:51 Uhr

Ludwigslust : Klinkersteine erinnern an KZ-Opfer

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Letzte Arbeiten an neugestalteter Denkmalanlage „Schwurhand“ auf dem Ludwigsluster Stadtfriedhof / Einweihung am 2. Mai

svz.de von
erstellt am 14.Apr.2016 | 17:00 Uhr

André Senft legt Stein für Stein auf das vorbereitete Zementbett. Hier auf dem Areal der neugestalteten Gedenkstätte „Schwurhand“ auf dem Ludwigsluster Friedhof arbeitet der junge Mann der Firma Senft aus Wittenburg mit seinem Kollegen, damit pünktlich zur Eröffnung der Gedenkstätte am 2. Mai alles fertig ist. Die Idee zur Neugestaltung der Gedenkstätte, die durch Gelder der Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin finanziert wird, hatte die Mecklenburger Künstlerin Dörte Michaelis. Sie hatte schon 2005 die Gedenkstätte an der ehemaligen B 106 nahe Wöbbelin geschaffen.

„Es handelt sich hier um Hartbrandklinkersteine, die als Rohlinge von mir bearbeitet werden. Acht Mal gehe ich immer wieder und wieder mit feinem Spezialwerkzeug an die Steine, um die Namen einzugravieren“, sagte Dörte Michaelis, als sie gestern Vormittag mit Ramona Ramsenthaler, der Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, und Christian Engel vom Beirat des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreises Ludwigslust-Parchim e.V. die Arbeiten in Augenschein nahm. „Die 149 Namenssteine und 32 namenlose Steine erinnern an die Opfer, die noch nach der Befreiung an den Folgen der KZ-Haft in Lazaretten und im Krankenhaus in Ludwigslust gestorben sind“, so Ramona Ramsenthaler, die nach dem Abgleich von fünf verschiedenen Listen die Namen recherchieren konnte.

Bereits 2014 hatten die Mitglieder des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim e. V. einstimmig beschlossen, anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des KZ Wöbbelin die Gedenkorte und Ehrenfriedhöfe neu zu gestalten. Die Gestaltung sollte sich am Gedenkplatz ehemaliges Lagergelände des KZ Wöbbelin orientieren. Die Künstlerin Dörte Michaelis wurde beauftragt, an allen Gedenkorten als verbindendes Element Podeste aus Klinkern und an den Orten, wo die Namen der Opfer aufgrund der aktuellen Forschung bekannt sind, Denkmalanlagen mit Namenssteinen zu schaffen.


Info-Tafel aus Edelstahl steht auf Klinkerpodest


„Im Zuge der Neugestaltung der Gedenkstätte ,Schwurhand’, zu der es am 21. April um 18.30 Uhr in Ludwigslust ein Info-Gespräch im Gemeindehaus in der Clara-Zetkin-Straße 12 gibt, wird der Gedenkstein für die italienischen Häftlinge nun einen neuen Platz finden. Auch die drei Zaubernusssträucher mussten den Umbaumaßnahmen weichen, aber wenige Meter weiter werden drei neue gepflanzt, die von der Familie Bakker aus den Niederlanden gespendet werden“, so Ramona Ramsenthaler. Dazu wird ein Klinkerpodest gebaut, auf dem eine aktualisierte Info-Tafel aus Edelstahl steht.

Für die Familie Bakker hat Wöbbelin eine besondere Bedeutung. Ein Namensstein erinnert an den 25-jährigen Pieter Brouwer aus Urk, Niederlande. Nach der Befreiung am 2. Mai 1945 kam Pieter Brouwer ins Lazarett in der Kavalleriekaserne nach Ludwigslust und hat von dort am 12. Mai noch einen Brief an seine Frau über seine mögliche Rückkehr nach Hause geschrieben, das Zuhause erreichte er jedoch nie mehr. „Er starb am 30. Mai 1945 in Ludwigslust und wurde auf dem Friedhof beerdigt“, sagte Ramona Ramsenthaler.

Die Familie von Pieter Brouwer besuchte 1990 das erste Mal die Grabstätte in Ludwigslust und bedauerte damals sehr, dass keine Grabplatten mit Namen vorhanden sind.

Seit 2005 erinnert ein Namensstein an Pieter Brouwer auf der Denkmalanlage am ehemaligen Lagergelände an ihn, seit 2014 kann man in der neuen Dauerausstellung in Wöbbelin seine Biografie nachlesen.

Am 2. Mai 2016 wird Janne Bakker aus den Niederlanden zur Erinnerung an Pieter Brouwer, er war der erste Mann ihrer Mutter, um 11.30 Uhr am Gedenkplatz am ehemaligen Lagergelände sprechen. Um 17 Uhr kann sie an der neugestalteten Begräbnisstätte den Namen lesen und wie die anderen Angehörigen seiner gedenken.

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