Ludwigslust : Klingendes Feuerwerk im Schloss

Lydie Römisch, gebürtige Französin, spielt bereits Harfe seit ihrem achten Lebensjahr.
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Lydie Römisch, gebürtige Französin, spielt bereits Harfe seit ihrem achten Lebensjahr.

Am Sonnabend fanden die Ludwigsluster Schlosskonzerte und zum vierten Mal die „Nacht der Musik“ statt

svz.de von
29. August 2016, 05:04 Uhr

Schlagartig fühlt man sich in die Barockzeit zurückversetzt. Der Goldene Saal des Ludwigsluster Schlosses empfängt an diesem Abend in seiner gänzlichen Pracht. In allen Ecken des Raumes funkelt und glitzert es. Im kleinen Nebenzimmer packt Lydie Römisch mit großer Achtsamkeit ihre Harfe ein. Die 34-jährige Musikerin hat soeben mit Musikpartnerin Irina Shilina ihr erstes Konzert, die „Zauberklänge mit Cimbalon und Harfe“, im Barockschloss gegeben. Sie strahlt vor Freude. „Es gefällt mir wirklich besonders gut hier“, schwärmt sie im SVZ-Gespräch. Die gebürtige Französin sei vor zwölf Jahren nach Deutschland gekommen und lebe nun mit ihrer Familie in Bielefeld, erzählt sie. „Ich habe mich sozusagen nach Deutschland eingeheiratet“, scherzt die Harfenistin. Es sei schon immer Lydie Römischs Traum gewesen, dieses schwer erlernbare Zupfinstrument spielen zu können. „Ich begann im Alter von acht Jahren damit, zum Musikunterricht zu gehen. In Frankreich sind sie dort aber sehr streng. So musste ich tatsächlich das gesamte erste Jahr nur Gehörbildung machen. Dazu muss man schon sehr motiviert sein, um das zu ertragen“, stellt sie fest und lacht.

Doch ihr Durchhaltevermögen wurde belohnt. Denn sie darf sich zu den wenigen Menschen zählen, die ihren Traum zum Beruf gemacht haben. „Ich gebe bereits Harfen-Unterricht seit ich 16 Jahre alt bin. Richtige Konzert-Harfenistin bin ich aber erst nach meinem Studium der Musikwissenschaften in Detmold bei Bielefeld geworden.“ Sie sei an diesem Nachmittag extra den weiten Weg von 400 Kilometern angereist, um an den Schlosskonzerten teilzunehmen. „Das Publikum war fantastisch. Es war eine wunderbare Stimmung im Saal“, betont Lydie Römisch. Den verbleibenden Sonntag würde sie nun nutzen, um die kleine Barockstadt besser kennenzulernen. „Hier gibt es noch jede Menge zu sehen“, sagt sie.

Vor dem Schloss ertönen plötzlich Trompetenklänge. Die Gäste des heutigen Abends versammeln sich vor dem Tee-Pavillion im Park. Es beginnt das kulinarische Notturno im Freien, wie es laut Programmheft heißt. Cocktails werden von Silvia Mohn vom Ludwigsluster Schlosscafe gereicht, während die Besucher angeregte Gespräche führen und die laue Sommernacht genießen.

Im Rosengarten stehen vereinzelt LED-Kerzen und sorgen für eine gemütliche Stimmung. Gernot Hempelmann, Vorsitzender des Fördervereins des Ludwigsluster Schlosses, ist begeistert von der zum vierten Mal stattfindenden „Nacht der Musik“-Veranstaltung. „Wir sind komplett ausverkauft und um die 130 Gäste waren geladen“, weiß Hempelmann. Für ihn sei der Abend ein voller Erfolg. „Diese einzigartige Stimmung, die heute Abend herrscht, die kann man in der Großstadt nirgendwo finden. Und das Wetter spielt natürlich mit“, sagt er sichtlich erfreut.

Das „BerlinGuitarTrio“- bereitet sich währenddessen auf das zweite Konzert an diesem Abend vor. Die drei Musiker hätten sich vor sechs Jahren in Berlin beim Studium kennengelernt, erzählen sie. „Unsere Professorin suchte noch drei Schüler, die ein Stück eines Komponisten nachspielen sollten. So stießen wir drei aufeinander und merkten sofort nach der ersten Probe, dass das Zusammenspiel gut passt“, verrät David Bartelt. Den 33-Jährigen habe es bereits schon einmal in seinem Leben nach Ludwigslust verschlagen. „Ich habe mir hier tatsächlich mal ein Auto gekauft“, sagt er und lacht. Aber natürlich sind alle drei Gitarristen von der Pracht des historischen Schlosses begeistert. „Auf 18 Saiten spielen wir zehn klassische Stücke, von uns neu interpretiert, nach“, erklärt der 32-jährige Berliner Philipp Niedrich.

Die 33-jährige Aurélie Olivéros, einst Wahlberlinerin, wohne jedoch seit Beendigung des Studiums wieder in Straßburg. Trotzdem schaffe es das Trio, sich regelmäßig zu treffen und gemeinsam zu musizieren. Sie hätten bereits schon ein eigenkomponiertes Stück. „Es ist immer etwas schwierig, nur mit der Gitarre klassische Stücke nachzuspielen. Aber genau das macht es ja auch so besonders“, stellt Bartelt abschließend fest.


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