Ludwigslust : Kleingärtner räumen Parzellen

Diese Gärten weichen für Einfamilienhäuser: Die Kleingärtner der Anlage „Zur Eiche“ werden ihre Parzellen bis 31. Dezember 2018 verlassen, damit die Stadt Bauland schaffen kann.  Fotos: K. Hennes (3)
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Diese Gärten weichen für Einfamilienhäuser: Die Kleingärtner der Anlage „Zur Eiche“ werden ihre Parzellen bis 31. Dezember 2018 verlassen, damit die Stadt Bauland schaffen kann. (3)

Stadt könnte Baugebiet „Georgenhof“ zügiger erschließen: Verein „Zur Eiche“ verlässt Gelände Ende 2018 – wenn Entschädigungen fließen

svz.de von
21. September 2017, 07:00 Uhr

Die Stadt Ludwigslust könnte womöglich zügiger mit der Erschließung weiterer Bauabschnitte für das Wohngebiet „Georgenhof“ beginnen. Denn die Kleingartenanlage „Zur Eiche“ wird schneller geräumt als erwartet. Die Gärtner stimmten auf der Mitgliederversammlung in dieser Woche im Beisein des Bürgermeisters für eine Schließung schon nächstes Jahr im Dezember. „Das macht doch keinen Sinn mehr hier“, sagt Vorstand Reinhard Schwarz. „Wir kriegen die Leute nicht gehalten. Sie haben sich gedanklich schon verabschiedet.“

Fast 34 Jahre hat er seine Parzelle. Als in der Nachbarschaft das erste Wohngebiet entstand, habe es noch geheißen, die Kleingärten blieben verschont wegen der Nähe zu den Bahngleisen. Dann, 2016, beschlossen die Stadtvertreter, die Pachten für die Anlage „Zur Eiche“ nach und nach auslaufen und keine neuen Pachtverträge zuzulassen.

Das neue Kleingartenkonzept der Stadt nun gibt klar die Empfehlung, im Jahr 2020 mit der Erschließung eines Baugebietes auf der Kleingartenfläche zu beginnen. In der Begründung heißt es: „Wegen mangelnder Wohnbaufläche in der Stadt und Überhang an Kleingartenparzellen ist der Wohnbauflächentwicklung Vorrang zu gewähren.“

Auf Stadtvertreter Heiko Böhringer (AfL) wirkt das wie „ein schlechter Film“. „Das klingt wie eine Eigenbedarfsklausel im Mietvertrag. Für die Stadt hat der Eigenbedarf Vorrang vor den Interessen der Gärtner.“ Der AfL-Politiker beruft sich immer noch auf den Stadtvertreterbeschluss von 2016. „Das war eine Zusage an die Gärtner und daran hält man sich“, sagt er. Seiner Meinung nach gebe es noch genügend Potenzial an Bauflächen, die man in einem Baulückenkataster hätte auflisten können. Böhringer hatte bereits im vergangenen Jahr vor Ort Kontakt mit den Kleingärtnern aufgenommen. „Es ist wichtig, dass sie jetzt nicht überrannt werden und dass man sie angemessen entschädigt.“

Robert Kröger vom Landesverband der Gartenfreunde MV wies auf der Mitgliederversammlung darauf hin, dass die Gärtner nicht nur Anspruch auf die bereits von der Stadt zugesagte Kostenübernahme für den Rückbau haben. „Wenn die Stadt den bestehenden Pachtvertrag kündigt, besteht Anspruch auf eine Entschädigung.“ Was und in welcher Höhe entschädigt werde, dazu verhandeln nun Stadtverwaltung und Kleingartenvorstand.

„Wir hoffen auf eine gütliche Einigung“, sagt Vorstand Reinhard Schwarz. „Nur dann gilt unser Beschluss, die Anlage 2018 zu räumen.“ Einige der betroffenen Kleingärtner spielen mit dem Gedanken, leere Parzellen in anderen Vereinen zu übernehmen. Auch Reinhard Schwarz wird noch einmal von vorn anfangen. Er wird sein Gewächshaus auseinander- und wieder zusammenmontieren. Stachelbeer- und Johannisbeersträucher umpflanzen. Nur seine Apfel- und Kirschbäume bleiben zurück. Bis die Bagger anrollen.

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