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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 06:15 Uhr

Dömitz : Kleiner Bär macht Stress

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Waschbären wühlen in Mülleimern, plündern Gewächshäuser, streifen durch Gärten. Der Kreis meldet 2267 erlegte Tiere im aktuellen Jagdjahr

svz.de von
erstellt am 04.Okt.2017 | 21:00 Uhr

In Muchow spazieren sie durch private Gärten, klettern auf Bäume und sammeln das Obst von der Erde. Ganze Familien sind hier schon dabei beobachtet worden. In Neu Kaliß sieht man sie öfter an der Alten Mühle, vereinzelt auch in der Nähe der Schule. In Ludwigslust durchwühlen sie gelbe Säcke, steigen sogar in Gewächshäuser und in Dömitz plündern sie Papierkörbe auf dem Deich. Waschbären sind schon lange nicht mehr die niedlichen Exoten, die Mitte der dreißiger Jahre von Pelztierzüchtern in Deutschland ausgesetzt wurden. „Waschbären sind eine Gefahr. Sie sind eine Geißel der Vogelwelt.“ Das sagt der Ludwigsluster Jäger und Vogelschützer Ernst-Werner Suckrau. In Hühnerland bei Prislich hat Suckrau vor zwölf Jahren seinen ersten Waschbären in freier Wildbahn gesehen. „Der sah schon putzig aus“, erzählt er. Niemand habe sich damals Gedanken gemacht. „Es hieß immer, der Waschbär sei eine Bereicherung für die heimische Tierwelt.“

Heute zögert Jäger Suckrau nicht lange, wenn er von seinem Hochsitz aus Waschbären entdeckt. Zwei habe er im vergangenen Jahr geschossen. Das Problem: Waschbären haben eine hohe Vermehrungsrate, fressen vor allem Bodenbrüter und Kleinsäuger. Sie haben keine natürlichen Feinde und sind schwer zu bejagen, weil sie vor allem nachts aktiv sind.

Im Landkreis gebe es kein Revier mehr, in dem keine Waschbären vorkommen, behauptet Sven Drewke, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes. Vor allem in den zurückliegenden fünf Jahren, so Drewke, habe die Population im Landkreis stark zugenommen. Ein Indiz sei die steigende Zahl der überfahrenen Waschbären. Auch in den Dörfern werden Jäger immer häufiger gebeten, einzugreifen. Dort würden Waschbären in Lebendfallen gefangen und dann erschossen. Für Drewke aber sei das nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Auch Dietmar Pohlmann, Revierförster im Ludwigsluster Schlossgarten, beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Nicht nur, weil die Waschbären viel Schaden anrichten können, sondern auch Krankheiten, wie Staupe oder Räude übertragen. „Die Tiere werden uns in den kommenden Jahren noch richtig Stress machen“, meint Pohlmann. Besonders in den Städten. „Denn dort können wir wegen der Katzen und freilaufenden Hunde nicht so einfach Lebendfallen aufstellen.“

Wie hoch die Waschbär-Population im Landkreis tatsächlich ist, vermag niemand zu sagen. „Wir können nur die Zahl der erlegten Waschbären registrieren“, sagt Axel Paul von der Unteren Jagdbehörde des Landkreises. So seien im aktuellen Jagdjahr 2267 tote Waschbären erfasst worden - das sind nur etwa einhundert mehr als im Jahr davor. Bürger, die auf dem eigenen Hof Ärger mit Waschbären haben, können sich an die Jagdbehörde wenden. Paul: „Wir vermitteln dann Jäger, die vor Ort tätig werden.“ Generell verweist der Fachmann auf das Landesjagdgesetz, wonach Grundstückseigentümer Füchse, Marder, Iltisse, Wildkaninchen und Waschbären innerhalb der Jagdzeit tierschutzgerecht fangen, töten und sich aneignen dürfen, ohne dafür einen Jagdschein zu besitzen. Außerdem, so Paul, könne jeder dazu beitragen, die Probleme klein zu halten. „Gelbe Säcke müssten nicht Tage vorher rausgestellt werden und Speisereste gehören nur in verschließbare Müllbehälter.“

Die Stadt Dömitz hat nach den jüngsten Vorfällen auf dem Deich reagiert. Der Bauhof ersetzt in den kommenden Wochen die offenen Mülleimer durch waschbärsichere Behälter.

 

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