Proteste gegen genmanipulierten Bakterien : Klageschrift auf dem Weg zum BUND

<fettakgl>Auch Kinder und Jugendliche </fettakgl>aus Grabow protestierten gemeinsam mit ihren Eltern gegen den Versuch mit genmanipuliertem Impfstoff an Fohlen. <foto>Mick</foto>
Auch Kinder und Jugendliche aus Grabow protestierten gemeinsam mit ihren Eltern gegen den Versuch mit genmanipuliertem Impfstoff an Fohlen. Mick

Die Proteste gehen weiter, die Klageschrift ist auf dem Weg zum BUND: Grabower Bürger wollen gegen die Genehmigung eines Freisetzungsversuchs mit genmanipulierten Bakterien in MV mit juristischen Mitteln vorgehen.

svz.de von
11. Juni 2012, 07:34 Uhr

Grabow | Die Proteste gehen weiter, die Klageschrift ist auf dem Weg und dürfte in den nächsten Tagen beim BUND in Schwerin eintreffen: Rosemarie Roeschke, betroffene Anwohnerin im Grabower Ortsteil Heidehof, und weitere Bürger wollen gegen die Genehmigung eines Freisetzungsversuchs mit genmanipulierten Bakterien in Mecklenburg-Vorpommern durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit juristischen Mitteln vorgehen. "Wir stehen an der Seite der Bürger und werden sie juristisch unterstützen", sagte gestern Dr. Burkhard Roloff vom BUND in Schwerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber Unterstützung für die Anlieger, die ebenso wie die Stadt Grabow diesen Versuch ablehnen, gibt es auch von der Landespolitik. Mit Bestürzung reagierte die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen auf die Genehmigung eines solchen Freisetzungsversuchs durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Die Bundesbehörde hatte genehmigt, dass der gentechnisch veränderte Bakterienstamm Rhodococcus equi auf seine Eignung als möglicher Impfstoff für Pferdefohlen in einem Gestüt in Grabow getestet werden darf. Der bisher nur im Labor getestete Bakterienstamm soll damit erstmals in die Umwelt entlassen werden.

Eine Anfrage der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen an die Landesregierung ergab jedoch, dass mit der Genehmigung des BVL noch nicht alle notwendigen Genehmigungen für den Freisetzungsversuch vorliegen. So ist die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung nach dem Tierseuchengesetz (TierSG) durch das Landesministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz notwendig, das diese Genehmigung im Benehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel) mit Sitz in Langen (Hessen) erteilen kann. "Wir appellieren an Minister Backhaus, diese Ausnahmegenehmigung nicht zu erteilen und damit die berechtigten Ängste und Sorgen der Menschen vor Ort nicht den wirtschaftlichen Interessen eines Biotech-Unternehmens zu opfern", so Dr. Ursula Karlowski, umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Mit der Genehmigung des Freisetzungsversuchs mit abgeschwächten, aber lebenden Krankheitserregern durch das BVL wird ein medizinisches Experiment immer wahrscheinlicher, das trotz umfangreicher Genehmigungsauflagen die Erkrankung von Menschen billigend in Kauf nimmt.

So ergab eine aktuelle Anfrage der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen an die Landesregierung, dass bei Personen mit eingeschränkter Funktion des Immunsystems der Erreger schwere Erkrankungen hervorrufen kann. Deshalb sollen in ihrer Immunabwehr geschwächte Personen nicht mit dem Erreger in Kontakt kommen. Gleichzeitig gehe die Landesregierung davon aus, dass "die gentechnische Veränderung des Impf stamms zu einer Virulenzminderung geführt hat, sodass von diesem im Gegensatz zum Ausgangsstamm eine geringere Gefährdung ausgeht. Die bisher beteiligten Experten der Bundesfachbehörden halten daher die Überlebensfähigkeit des Impf stamms für unproblematisch. Gegenwärtig liegen der Landesregierung keine Erkenntnisse vor, diese Einschätzung in Zweifel zu ziehen." Die Gefährdung wird von den Landesbehörden in MV zwar als gering eingeschätzt, kann jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Eine Infektion des Menschen erfolgt meist über die Aufnahme von mit Rhodococcus equi belasteten Stäuben.

Dr. Ursula Karlowski: "Trotz umfangreicher Genehmigungsauflagen, die eine Ausbreitung des Erregers in der Umwelt verhindern sollen, kann eine Erkrankung von Menschen nicht völlig ausgeschlossen werden. Die erfolgte Genehmigung der Bundesbehörde ist aus unserer Sicht unverantwortlich. Deshalb möchten wir die betroffenen Menschen ermutigen, sich weiter für ihr Recht auf Unversehrtheit stark zu machen."

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