Ludwigslust : Klärschlamm ins Feuer und nicht aufs Feld

Abwassermeister Carsten Drevs zeigt im Neustädter Klärwerk die neue Schneckenpresse.
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Abwassermeister Carsten Drevs zeigt im Neustädter Klärwerk die neue Schneckenpresse. Fotos: katt

ZkWAL schlägt bei Klärschlammentsorgung neuen Weg ein. Geändertes Düngerecht stellt Klärwerksbetreiber vor Herausforderung.

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19. Februar 2018, 21:00 Uhr

Wohin mit dem Klärschlamm? Vor dieser Frage stehen viele Klärwerksbetreiber, seit im vergangenen Jahr Düngegesetz und -verordnung novelliert wurden. Die Regeln für die Düngung haben sich verschärft. Neu ist unter anderem, dass bei der Obergrenze für aufgebrachten Stickstoff (170 Kilogramm je Hektar und Jahr im Betriebsdurchschnitt) nicht nur Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft, sondern u.a. auch Gärrückstände aus Biogasanlagen und Klärschlamm berücksichtigt werden müssen.

 Auch der ZkWAL stand vor Jahresfrist vor dieser Frage. „Wir hatten bei den landwirtschaftlichen Betrieben in der Region angefragt, aber keiner wollte mehr Klärschlamm von uns abnehmen“, erklärt Verbandsvorsteher Peter Warnecke gegenüber SVZ. Auf eine öffentliche Ausschreibung hatte sich dann nur ein Bewerber gemeldet. „Für unsere 2500 Tonnen pro Jahr wollte er aber 400 000 Euro haben. Hätten wir das gemacht, hätten die Abwassergebühren um rund 50 Cent je Kubikmeter steigen müssen.“ Denn bislang hatte der Verband nur bis zu 80000 Euro für diese Leistung bezahlt.  „Mit der Düngeverordnung sind die Vorgaben so verschärft worden, dass man für die gleiche Menge Klärschlamm heute ein Vielfaches der Ackerfläche benötigt“, so Warnecke. „Und da bringen die Bauern erst einmal die Gülle vom eigenen Hof aus.“

In der Düngeverordnung wird bundeseinheitlich geregelt, wie der Düngebedarf zu ermitteln ist. Frank Schiffner, Referent für Pflanzenproduktion beim Bauernverband MV, erklärt: „Die Verordnung legt zu einzelnen landwirtschaftlichen Kulturen Stickstoff-Sollwerte fest, die nicht überschritten werden dürfen. “ Auf Weizen-Schlägen mit einem Ertrag von 80 Dezitonnen je Hektar liege diese Obergrenze zum Beispiel bei 230 Kilogramm je Hektar. Darauf angerechnet werden müssten aber unter anderem noch die im Frühjahr im Boden verfügbare Stickstoffmenge, die Stickstoffnachlieferung aus der organischen Düngung der Vorjahre und aus  der Vorfrucht. Der so ermittelte Wert darf durch die Stickstoffzufuhr nicht überschritten werden.  „Doch es ist nicht ganz einfach, Stickstoff aus Klärschlamm zu bilanzieren“, sagt Frank Schiffner. Er wird über einen längeren Zeitraum freigesetzt und ist für die Pflanze nicht sofort komplett verfügbar.

 Generell stellt der Bauernverband MV inzwischen eine größere Zurückhaltung beim Düngen mit Klärschlamm fest. Dabei spielten auch Rückstände von Medikamenten und Schwermetalle sowie die Wünsche der Verpächter und der Verarbeiter der landwirtschaftlichen Produkte eine Rolle, so Schiffner. „Dabei ist Klärschlamm an sich ein guter Dünger – wenn man weiß, was drin ist“, so der Referent. „Er steht preisgünstig zur Verfügung und enthält wertvolle Nährstoffe. Stickstoff und Phosphor werden in den Stoffkreislauf zurückgeführt, was erst einmal positiv ist.“

Auch der Abwasserzweckverband Fahlenkamp mit Sitz in Ludwigslust musste bei der Klärschlammentsorgung eine Kostensteigerung hinnehmen. Dabei arbeitet er weiterhin mit einem Entsorger zusammen, der den Klärschlamm landwirtschaftlich verwertet. „Aber weil mit dem neuen Düngerecht die Aufbringungszeit verkürzt wurde und auf die Böden nur noch eine gewisse Stickstoffmenge aufgebracht werden darf, benötigt der Entsorger zum einen mehr landwirtschaftliche Fläche, zum anderen mehr Lagerfläche und er hat zudem höhere Transportkosten“, erklärt Geschäftsführer Lars Römhild auf SVZ-Anfrage. „Das hat zu der Kostenexplosion geführt.“

 Von 2016 zu 2017 gab es eine Steigerung um 48 Prozent. Für 2018 hatte der Verband die Entsorgung europaweit ausgeschrieben. „Wir haben aber nur ein Angebot bekommen“, so Römhild. „Da kann von Wettbewerb keine Rede sein.“ Unterm Strich sind die Kosten damit von 2016 auf 2018 um 116 Prozent gestiegen. „Das ist mehr als das Doppelte.“ In den vergangenen Jahren sei es immer gelungen, die Gebühren für die Bürger trotz Kostensteigerungen konstant zu halten, unter anderem durch den Einbau energieeffizienter Anlagen. Ob die jetzigen Steigerungen kompensiert werden können, müsse man sehen. Über die Gebühren soll noch in diesem Jahr – auf Basis einer entsprechenden Kalkulation – entschieden werden.

Der ZkWAL will den Klärschlamm nun verbrennen lassen. „Wir haben eine Lösung gefunden, die es erlaubt, die Gebühren stabil zu halten“, betont Verbandsgeschäftsführer Stefan Lange gegenüber SVZ.  Über die Verträge soll der Vorstand im März entscheiden. Für die Verbrennung, die in der Vergangenheit immer deutlich teurer als das Ausbringen auf Feldern war, muss der Klärschlamm aber vorgetrocknet werden. Im Klärwerk Neustadt-Glewe gibt es bereits eine Trocknung, in Neu Kaliß noch nicht. Doch das soll sich ändern. Die Planung für die Investition soll in diesem Jahr erfolgen. „Weil das Klärwerk mal so konzipiert wurde, dass der Klärschlamm auf den Acker gebracht wird, reicht es aber nicht, eine Trocknung einzubauen. Die Anlage muss verfahrenstechnisch neu konzipiert werden“, so Lange. Realisiert werden soll der Umbau in den Jahren 2019/20.

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