conow : Kitas leiden unter Personalmangel

Wollen sich mit dem Personalmangel in ihrer Kita in Conow nicht abfinden und sehen hier die Politik in der Pflicht: (v.l.n.r.) Jacqueline Benthien, Ulrike Scheeper, Bianca Graaf und Steffi Weidehoff.
Wollen sich mit dem Personalmangel in ihrer Kita in Conow nicht abfinden und sehen hier die Politik in der Pflicht: (v.l.n.r.) Jacqueline Benthien, Ulrike Scheeper, Bianca Graaf und Steffi Weidehoff.

Elternrat der DRK-Kindertagesstätte „Bullerbü“ in Conow sieht hier die Politik in der Pflicht / Bildung eines Amtselternrates angeregt

von
11. April 2017, 21:00 Uhr

„Ein großes Problem in unserer Kita ist der Personalmangel. In immer kürzeren Abständen fallen Erzieherinnen aus und wir Eltern werden gefragt, ob wir die Kinder zu Hause lassen können“, legt Jacqueline Benthien den Finger auf die Wunde. Gemeinsam mit Steffi Weidehoff, Ulrike Scheeper und Bianca Graaf hat sich die junge Mutti zu einem Ortstermin mit der SVZ in der DRK-Kita „Bullerbü“ in Conow getroffen. Um auf das Problem, das auch in anderen Kindertagesstätten immer wieder auftritt, öffentlich aufmerksam zu machen. Die Abstände werden immer kürzer. Im Dezember vergangenen Jahres und jetzt im März trat diese Situation auf. „Die Kita-Leiterin fragte uns, ob wir die Kinder nicht mittags abholen können. Das waren so an die 20 bis 25 Kinder, die dann in dieser Woche zu Hause bleiben mussten“, so Jacqueline Benthien, die ihren zweieinhalbjährigen Sohn in der Krippe hat. In der einen Märzwoche gab es eine Notbetreuung, aber aus Sicht der Eltern sei das auf Dauer keine Lösung. Es fehle an Fachpersonal. „Das ist aber kein Versäumnis des Trägers“, so Jacqueline Benthien. „Das Thema ist seit Jahren bekannt, die Politik reagiert nicht zeitnah, unsere Rahmenbedingungen müssen dringend verändert werden. Der Betreuungsschlüssel müsse angepasst werden.“ In Bayern z. B. liege der Schlüssel im Kindergarten bei 1:8, in der Krippe bei 1:3. In MV betreut eine Erzieherin in der Kita 15 Kinder, in der Krippe sind es sechs Kinder. Die Eltern könnten sich auch eine finanzielle Entlastung bei der Verpflegung vorstellen. „Wir fordern als Eltern Veränderungen und Entscheidungen. Wir als Elternrat der Kita ,Bullerbü’ wollen einen Amtselternrat ins Leben rufen“, so Bianca Graaf, deren Tochter hier in der Conower Einrichtung betreut wird. „Hierzu würden wir es begrüßen, wenn ganz viele Kitas unser Vorhaben unterstützen und uns beitreten. So können wir im größeren Rahmen noch mehr bewegen.“ Ein entsprechendes Schreiben ging nach Tewswoos, Schmölen, Dömitz, Heidhof, Neu Kaliß und Karenz.

Die Eltern haben sich auch rechtlich erkundigt, ob sie den Betreuungsbeitrag mit Vorankündigung ab April reduzieren könnten. „Weil wir als Eltern die Leistungen, für die wir bezahlen , ja nicht voll in Anspruch nehmen können“, ergänzt Jacqueline Benthien.

In der Zwischenzeit hat es auch ein Gespräch mit dem DRK-Kreisverband Ludwigslust als Träger der Einrichtung gegeben. An dem Gespräch in der Conower Kita nahm der Kreisgeschäftsführer Dietmar Jonitz teil.


Träger setzt auf Kooperation mit Eltern


„Die Kita ist mit acht Erzieherinnen eigentlich gut besetzt. Aber im März war eine Kollegin für zwei Tage im Urlaub, dann meldeten sich am Montag zwei Erzieherinnen krank. Diese Entwicklungen sind nicht vorhersehbar und da können wir auch nicht gegensteuern. Ich habe den Eltern auch gesagt, welche Möglichkeiten wir haben, wenn wir als Träger plötzlich vor Personalprobleme stehen, von denen auch der Landkreis in Kenntnis gesetzt wird. Wir haben ja auch ausgeholfen mit Personal aus anderen Geschäftsstellen, die eine Erzieherausbildung haben. Der Betreuungsschlüssel gibt vor, wie viele Erzieherinnen in den Kitas arbeiten. Die Gesamtsituation stellt sich so dar, dass nicht ausreichend Personal vorhanden ist.“ Anderen Trägern gehe es ebenso, auch sie hätten mit Personalproblemen zu kämpfen. „Uns erreichen auch oft Anrufe, ob wir mit Personal aushelfen können“, so Dietmar Jonitz.

Zugleich betont er, dass das DRK als Träger gern auch mit der Elternvertretung zusammenarbeiten wolle. „Und wir möchten auch über die Elternvertretung die nötigen Infos an die Eltern weiterleiten, für eine gute Zusammenarbeit zwischen Kita und Elternrat.“ Der DRK-Kreisgeschäftsführer fügte aber auch hinzu, dass der Betreuungsbeitrag monatlich vereinbart und auch so zu bezahlen sei. Eine Rückerstattung als Tagesbeitrag könne es deshalb nicht geben.

„Ich finde es gut, dass sich im Ergebnis des Gesprächs die Eltern bereit erklärt haben, in der Kita ehrenamtlich mitarbeiten zu wollen. Sie können mit aushelfen, ohne in die pädagogische Ausbildung eingreifen zu müssen. Ich denke da an die Unterstützung bei Veranstaltungen, vorstellbar wäre auch ein Einsatz als Vorlesepate in der Kita.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen