Ludwigslust : Kita - es wird wohl teurer

Um die Kita-Verpflegung gibt es aktuell einige Unsicherheit.
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Um die Kita-Verpflegung gibt es aktuell einige Unsicherheit.

Ganztagsverpflegung - komplizierter wird es für die Träger, Eltern zahlen drauf, das Land hält sich raus

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26. November 2014, 07:00 Uhr

Ab 1. Januar müssen alle Kitas Vollverpflegung anbieten, und zwar zu anderen Rahmenbedingungen als bisher. Das sieht das Kindertagesförderungsgesetz (KiföG) vor. Die Umsetzung bringt viel Unsicherheit mit sich. Klar ist bislang vor allem eins: Für die Eltern wird es ab Januar wohl teurer werden.

Ganztagsverpflegung ist im Landkreis Ludwigslust-Parchim etwa seit 2011 üblich. Sie wird in den meisten Fällen spitz, das heißt nach tatsächlich in Anspruch genommenen Mahlzeiten abgerechnet. Deshalb verstünden viele Einrichtungen die Aufregung nicht, kommentiert Wolfgang Utecht, Leitender Verwaltungsbeamter Ludwigslust-Land. Ab Januar 2015 ist die Ganztagsverpflegung nun „integraler Bestandteil“ (KiföG) des Kita-Angebotes und damit ändert sich einiges:


Direkte Abrechnung des Essens mit dem Träger


Das Essen muss direkt mit den Trägern abgerechnet werden. „Hinzugezogene Dritte“ wie Caterer dürfen diese Abrechnungen nicht mehr vornehmen. „Bisher wird von den Caterern direkt mit den Eltern abgerechnet“, bestätigt auch Alfred Matzmohr vom Amt Hagenow-Land das gängige Verfahren für die 13 Kitas in seinem Amtsbereich. Wenn sich das ändert, kommt einiges an Mehraufwand auf die Träger zu. Das befürchtet auch Regina Riebe. Sie leitet die VS-Kita „Laascher Strolche“ in Groß Laasch. Birgit Heimke von der Stadt Hagenow sieht das ebenfalls so. In den städtischen Kitas werde selbst gekocht und daher ohnehin direkt abgerechnet. Bislang wurden in den vielen Kitas Hauswirtschaftskräfte, die das Essen zubereitet haben, teilweise über die Platzkosten abgerechnet.


Strikte Abgrenzung von Verpflegungskosten


Das darf ab Januar nicht mehr sein. „Sämtliche Kosten aus der Verpflegung müssen jetzt von den Eltern getragen werden“, erklärt Elke Löhr von der Caritas.

Nun scheint es auf den ersten Blick egal, ob die Kosten rund um Einkauf, Kühlmöglichkeit, Räume, Strom, Abfallentsorgung und Abrechnung in den Platzkosten enthalten sind oder im Essenspreis. Schaut man sich an, wer da eigentlich was zahlt, ist das aber nicht mehr der Fall. Am Kitaplatz beteiligt sich das Land mit einem festen Betrag. Den Rest teilen sich Eltern und Gemeinden hälftig. Die Kosten für das Essen tragen allein die Eltern. Sinken nun die Platzkosten, bleibt der Betrag des Landes gleich. Gemeinde und Eltern zahlen jeweils etwas weniger für die gesunkenen Platzkosten. Den gestiegenen Verpflegungspreis zahlen allein die Eltern oder, bei bedürftigen Kindern, der örtliche Sozialhilfeträger. Das Umlagern der Kosten geht also einseitig zu Lasten der Eltern bzw. des Jugendamtes. „Will man das nicht, ist es eine politische Entscheidung“, erklärt Birgit Heimke die Situation in der Stadt Hagenow. Die Stadt stützt freiwillig die Essenkosten mit etwa einem Euro pro Tag und Kind. Aufgrund der Tariferhöhungen könne es dennoch sein, dass die Verpflegung ab dem Frühjahr teurer wird, ergänzt sie.

700 individuelle Rechnungen erstellt die Stadt Hagenow halbjährlich für das Essen der Kita-Kinder. „Wir hätten das Recht, pauschal abzurechnen. Aber dann wäre hier die Hölle los“, so Birgit Heimke. Um den Eltern entgegenzukommen wird fast überall im Landkreis spitz abgerechnet. Zukünftig wird dies deutlich komplizierter und damit teurer. „Da sind wir im Landkreis noch viel zu wenig im Gespräch. Es muss mit allen Trägern gesprochen werden“, so Caroline Bockmeyer von der Awo. Auch beim ASB ist noch keine Entscheidung getroffen worden, wie es weitergeht, erklärt Kerstin Fender vom ASB. Das werde in den kommenden Wochen beschlossen. Anfang Dezember wolle der Landkreis noch eine Mitteilung dazu aussenden. Die örtlichen Träger der Jugendhilfe haben sich wegen des hohen Verwaltungsaufwandes entschieden, pauschal abzurechnen. Beschlossen wurde das im Städte- und Gemeindetag. Gezahlt werden monatlich 17 Tagessätze. Auf den ca. vier Tagen, an denen das Kind gegebenenfalls zusätzlich isst, bleibt der Träger sitzen.

Als Fazit lässt sich ziehen: Es ist noch Vieles zu klären. Im Vorteil sind Kitas, in denen selbst gekocht wird. Gerade kleinere Einrichtungen, die auf Caterer angewiesen sind, müssen auf die Preisbremse treten. Ein Problem für fast alle ist der ab Januar geltende Mindestlohn. Der ist noch nicht überall eingepreist.

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