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Ludwigsluster Tageblatt

17. August 2017 | 11:44 Uhr

Dömitz : „Kinder machen nicht nur Mucke“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Schüler-GmbH „Klanglabor“ des Gymnasialen Schulzentrums Dömitz probt seit Jahren realen Geschäftsbetrieb

Lewin Steiner steckt die Stromkabel der Scheinwerfer sorgfältig zusammen. Das ist sein „Job“, obwohl er noch Schüler ist. Doch Lewin gehört bei der Schüler-GmbH „Klanglabor“ des Gymnasialen Schulzentrums Dömitz wie Jan-Hendrik Oortman zur Abteilung „Licht“. Buchhaltung, „Sound/Diskjockey (DJ)“ und „Catering“ sind weitere Abteilungen. „Klanglabor“-Geschäftsführer ist in dritter Generation Konstantin Herzmann.

Die Mitstreiter der Schülerfirma proben seit Jahren einen Geschäftsbetrieb unter realen Bedingungen und haben dafür sogar formelle Anstellungsverträge abgeschlossen, auch für die beiden sogenannten Auszubildenden. Jetzt hat die Firma landesweit eines der elf Zertifikate „Klasse Unternehmen“ errungen. Anlässlich der Übergabe der Urkunde stellte sie sich offiziell im Dömitzer Schulzentrum vor. Logo, Flyer, Visitenkarten, Kugelschreiber und ein Werbefilm zählten dabei ebenso zum Auftritt von „Klanglabor“ wie ein Internetauftritt (www.facebook.com/klanglabor-s-gmbh).

2009 war es, als zwei Siebtklässler an die Schulleitung mit der Bitte herantraten, das schuleigene Verstärker- und Lautsprecher-Equipment bei Veranstaltungen zugunsten der Klassenkasse nutzen zu dürfen. „Eine Schule ist doch nicht fernab der wirklichen Welt“, erinnerte sich Thomas Schuldt damals an die Botschaft eines seiner Fortbildungsseminare und machte als Verbindungs- und Vertrauenslehrer mit der Firmengründung von „Klanglabor“ Nägel mit Köpfen. „Jetzt könnte ich mich zurücklehnen, weil die Firma auch ohne mich gut funktioniert.“

Inzwischen sei viel Ton- und Lichttechnik angeschafft worden, weil die Belegschaft zu deren Gunsten auf ihre Gewinnausschüttungen verzichtete. Als haupsächliche Schallspender bietet „Klanglabor“ sogenannte 108-Einheiten an, die 8-Zoll-Lautsprecher für den mittleren Tonbereich mit 1-Zoll-Hochtönern kombinieren. Ergänzt werden sie durch 12-Zoll-Tieftonlautsprecher (Subwoofer). Im Gerätebestand gibt es außerdem eine sogenannte Fullrange-Anlage, die besonders gern bei schulischen Veranstaltungen wie Sportfesten in Anspruch genommen wird. Wenn größere Veranstaltungen anstehen, wird Ausrüstung dazu gemietet. Außerdem stehen eine Tonmisch- und eine effektvolle Lichtanlage im Fundus.

Mit der Organisation von Fahrten zu Musicals in Hamburg oder Berlin entdeckte „Klanglabor“ zudem eine Marktlücke und schuf sich ein weiteres, wichtiges Standbein beim Geldverdienen. Schuldt: „Die Schülerfirma ist denkbar gut aufgestellt.“ Die Eltern beruhigte er dahingehend, dass die Mitarbeiter der Schülerfirma keinesfalls lebensuntauglich oder nicht leistungsfähig seien. „Ihre Kinder machen nicht nur Mucke und vernachlässigen gar Mathe oder Physik – sie lernen fürs Leben.“

Gütesiegel und Preisgeld spendierte die „Serviceagentur Schülerunternehmen“ im MV-Fachnetzwerk „Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie“(RAA). Bei den 19 Fragen im Bewerbungsverfahren um das bundesweit anerkannte Gütesiegel hatte „Klanglabor“ mit 30 von 34 möglichen Punkten denkbar gut abgeschnitten. „Ihr betreibt eure Firma mit ungeheuer viel Herzblut“, bescheinigte Agenturmitarbeiter Thomas Evers allen Akteuren. Ein großer Pluspunkt sei zudem die immens wirksame Öffentlichkeitsarbeit. „Nunmehr gilt es, die Geschäftsidee im Fluss zu halten.“

„Klanglabor“ arbeitet mit seinem ehemaligen Geschäftsführer Aaron Feldmann zusammen, der nach seinem Ausscheiden aus der Schülerfirma im Nebenerwerb das mittlerweile etablierte Musikfestival „Electroshock“ mit jeweils weitaus mehr als 500 Besuchern veranstaltet. Außerdem hat die Schülerfirma mit „Youngbeat“ eine eigene Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Der ehemalige Geschäftsführer Feldmann sowie Claudius Reimer bekamen von Vertrauenslehrer Schuldt eine Urkunde überreicht, die sie als erfolgreiche Mitarbeiter der Schülerfirma ausweisen, „was ihnen bei Bewerbungen fürs Studium und im Arbeitsleben viele Tore öffnet“.




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