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Ludwigsluster Tageblatt

20. September 2017 | 02:29 Uhr

Wöbbelin : Kilian hat jetzt sein eigenes Bad

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Wobau Neustadt-Glewe ermöglichte in Wöbbelin unbürokratisch Einbau eines Badezimmers für schwerbehinderten Jungen

von
erstellt am 05.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Für den kleinen Kilian ist das ganz ungewohnt, aber umso schöner: Endlich kann er alleine ins Bad, sich waschen, duschen, Zähne putzen. Bisher war das für den Zehnjährigen nur mit Hilfe von Mama oder Papa möglich.

Kilian aus Wöbbelin leidet an einer sehr seltenen Krankheit: FHUFS – so die Abkürzung aus dem Englischen – ist eine mehrfache Körperbehinderung. Weltweit sind nur etwa 100 Fälle bekannt, weniger als zehn davon in Deutschland. Schon mehrfach hat SVZ über das Schicksal des Jungen berichtet: Seinen eigenen Kampf gegen die Krankheit, die Aufopferungsbereitschaft seiner Eltern Michaela und Michael, die ihrem Sohn, soweit wie möglich, ein normales Leben ermöglichen wollen. Jetzt ist dabei wieder eine Etappe geschafft, auch weil die Wobau Neustadt-Glewe unbürokratisch geholfen hat.

Hintergrund: Reibstirns wohnen mit ihren Kindern, Kilian hat noch zwei Geschwister, in einer Parterrewohnung. Kilian gelangt über eine Rampe im Treppenhaus in die Wohnung. Nur: Ins Badezimmer passt der „Rolli“ nicht, weil es dort zu eng ist. Michael Reibstirn: „Kilian war bisher auf uns angewiesen, wenn er ins Bad wollte, fragte dann immer ,Papa, Mama, habt ihr Zeit...?’ Wir haben Kilian dann in die Wanne gesetzt, ihm beim Waschen am Becken geholfen.“ Für den älter werdenden Jungen sicher keine Lösung – und angesichts dessen, dass er ja auch an Gewicht zunimmt, für die Eltern immer schwerer. „Wir wandten uns an die Wobau Neustadt-Glewe, ob man da etwas machen könne“, so Michaela Reibstirn.

Und dort half man ganz schnell. Wobau-Geschäftsführer Achim Jahnke erschien persönlich bei Reibstirns in Wöbbelin, brachte gleich Handwerker mit. Alle gemeinsam schauten sich die Sache an und kamen zu dem Ergebnis: „Wir bauen in die Wohnung ein zweites Bad ein, speziell für Kilian.“

An Platz mangelte es nicht weil der Korridor geräumig ist. Ein Teil des Flurs wurde für Kilians Bad abgezweigt, Wände gezogen. Klingt einfach, war’s aber keinesfalls. Achim Jahnke: „Ein Problem war, dass unter dem Fußboden im Keller keine Leitungen lagen. Also mussten der Steinholzfußboden herausgerissen und darunter Abflussleitungen verlegt werden. Dafür kam dann ein Betonfußboden mit Fliesen rein.“


Dank für schnelle und unbürokratische Hilfe


Während dieser Arbeiten waren die Eltern mit Kilian zur Behandlung im bayerischen Vogtareuth, wo es eine Kinder-Fachklinik gibt, die auf die Behandlung seltener Krankheiten spezialisiert ist. „Auch da ist uns die Wobau entgegengekommen, so dass wir während dieser Arbeiten nicht auf einer Baustelle sitzen mussten“, sagt Michaela Reibstirn. Im Juni war alles fertig: Kilian hat in seinem Bad nun Dusche, WC und auch ein modernes Waschbecken, das entsprechend Kilians Größe verstellt werden kann. Die eigentlichen Bauarbeiten erledigten die Handwerker, die Malerarbeiten Familie Reibstirn.

Die Umbauarbeiten für Kilians Bad kosteten rund 7000 Euro. Die Kasse gab einen Zuschuss von 4000 Euro für die „Verbesserung des Wohnumfeldes“. Die restlichen 3000 Euro zahlte die Wobau Neustadt-Glewe. „Wir wollen der Wobau auf diesem Weg für die tolle Unterstützung, die sie uns in jeder Hinsicht gewährt hat, ganz herzlich danken“, sagen Kilians Eltern.

Wobau-Geschäftsführer Achim Jahnke: „Wir müssen grundsätzlich auf den demografischen Wandel reagieren. Die Menschen werden älter, können oft nicht mehr Treppen steigen. Gleiches gilt auch, wie in Kilians Fall, für Menschen mit einer Behinderung. Es ist für sie alle ganz schwierig, adäquaten Wohnraum zu finden. Und da ist es für uns selbstverständlich, entsprechende Lösungen zu finden und dabei auch sozial verträgliche Mieten zu bieten.“

Übrigens kündigt Achim Jahnke an, Reibstirns bei einem weiteren Problem helfen zu wollen. Trotz Erdgeschoss muss Kilian mit seinem E-Mobil im Treppenhaus mehrere Stufen überwinden, um in die Wohnung zu gelangen. Über die Terrasse wäre es viel einfacher, weil es dort keine Treppen gibt. Problem: Die Terrassentür ist für das E-Mobil zu eng. „Auch hier ist eine Lösung denkbar“, sagt Achim Jahnke.

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