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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 16:11 Uhr

Wöbbelin : Kilian braucht weiter Hilfe

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Schwerbehinderter Junge aus Wöbbelin benötigt aus Sicht von Eltern und Experten weiterhin Integrationshelfer

von
erstellt am 06.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Der kleinen Kilian Reibstirn aus Wöbbelin freut sich über sein eigenes Bad. Endlich ist der Zehnjährige zumindest hier nicht mehr völlig auf die Hilfe seiner Eltern angewiesen (SVZ berichtete). Doch in vielen anderen Lebensbereichen benötigt der Junge, der an einer äußerst seltenen Krankheit leidet und weitgehend auf den Rollstuhl angewiesen ist, Unterstützung. Zum Beispiel im Mecklenburgischen Förderzentrum in Schwerin, wo Kilian die Schule besucht.

Gerade kämpfen Kilians Eltern darum, dass ihr Sohn auch im neuen Schuljahr 2017/18 einen Integrationshelfer bekommt. Seine Mutti Michaela: „Zu Hause sind wir Kilians Bezugspersonen. Doch 40 Stunden in der Woche ist er in der Schule in Schwerin. Er braucht auch dort jemanden, der ihm zur Seite steht, und zwar jeden Tag acht Stunden.“

Und genau hier hoffen Kilians Eltern Michaela und Michael jetzt, dass der Landkreis als zuständige Behörde eine entsprechende Entscheidung über den Integrationshelfer trifft. Wie Michaela Reibstirn gegenüber SVZ sagt, befürchten sie und ihr Mann allerdings, der Landkreis könnte nicht zustimmen, dass Kilian in der Schule acht Stunden am Tag ein Integrationshelfer zu Seite gestellt wird.

Pressereferentin Susann Koch vom Landkreis wollte sich gestern aus Datenschutzgründen nicht konkret zu dem Fall äußern. „Es handelt sich um ein laufendes Verwaltungsverfahren, über das noch nicht entschieden ist“, sagte sie. „Der Fachdienst Gesundheit gibt in solchen Fällen eine Empfehlung an den Fachdienst Soziales, der schließlich entscheidet, ob er der Empfehlung folgt oder nicht.“

Die Schön Klinik im bayerischen Vogtareuth, die auf seltene Kinderkrankheiten spezialisiert ist und in der Kilian regelmäßig behandelt wird, spricht sich in einer Stellungnahme eindeutig für den Integrationshelfer aus. Gleiches gilt für Ergotherapeut Christian Neuhäuser aus Hagenow, der Kilian behandelt. Er sagte gestern gegenüber SVZ: „Aus medizinischer Sicht ist der Integrationshelfer in der Schule acht Stunden lang unbedingt erforderlich. Denn wenn etwas passiert und Kilian beispielsweise stürzt, wird er unweigerlich bis zu einem dreiviertel Jahr zurückgeworfen, Wieder würden lange Klinikaufenthalte und Operationen folgen. Kilian kommt jetzt in die fünfte Klasse mit neuen Unterrichtsfächern. Er würde viel Lernstoff verlieren.“

Er wisse, dass Amt und Schule eine andere Sicht hätten, mehr in Richtung Selbstständigkeit der Betroffenen blicken würden, so der Ergotherapeut. „Doch aus meiner Sicht hat in diesem Fall die Betrachtung der Krankheit, also die medizinische Sicht, Vorrang. Denn Kilian hat durchaus den Drang nach Selbstständigkeit, muss dabei gebremst und vor sich selbst geschützt werden, um schlimme Folgen zu verhindern. Und genau dafür ist der Integrationshelfer aus meiner Sicht unbedingt notwendig“, sagt Christian Neuhäuser.

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