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Ludwigslust : Kiefernwald bei Boldela wird verjüngt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Den zweiten Winter in Folge ist das einstige militärische Sperrgebiet Schwerpunkt bei den Erntearbeiten im Revier Holthusen

Eberhard Lück vom Forstamt Jasnitz leistet mit seinem Harvester Nachbarschaftshilfe im Holthusener Revier von Förster Bernfried Stecker. In die Wälder zwischen Boldela und Schwerin schlägt Lück mit seinem Spezialfahrzeug bis zu zwei Hektar große Lücken. Vor allem 60 bis 100 Jahre alte Kiefern werden geerntet. Dieser Nadelbaum ist auf dem leichten Boden dominierend – und soll es auch bleiben. Doch die Kiefernbestände müssen verjüngt werden. „Deshalb haben wir im vorigen und in diesem Winter bei Boldela eine größere Menge Holz eingeschlagen“, erläutert Bernfried Stecker. In seinem Revier dürfen jedes Jahr 4000 Festmeter Holz geerntet werden. Das entspricht der Holzmenge, die in den Wäldern des gesamten Reviers in einem Jahr nachwächst. „Boldela ist jetzt in zwei Wintern nacheinander der Schwerpunkt. Das gleicht sich aber in der gesamten Fläche wieder aus“, betont Christian Lange, Leiter des Forstamtes Friedrichsmoor und damit der Chef von Revierförster Bernfried Stecker. Lange erläutert auch, warum die Förster gerade im Wald bei Boldela jetzt verstärkt Hand anlegen: Das Holz und damit auch die Zeit für die Ernte ist reif. Denn die letzten großen, ja massiven Holzeinschläge in diesen Wäldern gab es nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Sowjetunion holte sich das Holz als Reparationsleistung für die von den Deutschen verursachten Schäden. In diesem einst geschlossenen Waldgebiet wurden auch Schießplätze und ein Feldflugplatz angelegt – und bis Anfang der 1990er-Jahre genutzt. Gleich hinter Boldela begann das militärische Sperrgebiet. Das Betreten der Wälder war streng verboten. Und weil große Teile des Waldes bis heute munitionsverseucht sind, gilt dieses Verbot auf großen Teilflächen immer noch. Auf einem Teil der Flächen haben die Förster inzwischen aber aufgeräumt. Das betrifft nicht nur die Munitionsreste im Boden. Unter Bäumen versteckt befanden sich auch Munitionslager, Baracken, Wachstände...

Nun ist in den zurückliegenden 60 bis 70 Jahren der Wald nachgewachsen. Denn vor der Wende konnten die Förster kaum oder gar nicht eingreifen. Selbst heute sind einige Flächen tabu: Die Munitionsbelastung ist zu groß und damit gefährlich. „Wir wollen den Wald aber gern wieder für alle Menschen zugänglich machen“, betont Christian Lange. Doch das ist Zukunftsmusik, denn dafür muss im Wald und auch auf den Freiflächen noch viel passieren.

Die jetzt laufende Ernte gehört dazu. „Das sind aber keine Kahlschläge“, betont Bernfried Stecker. Die Verjüngung erfolgt nach strenger Vorgabe und in Etappen. So wird in den alten Wald immer eine maximal zwei Hektar große Lücke geschlagen. Damit haben auch die im Wald lebenden Tiere genügend Raum, um auszuweichen. Und auf den neuen Freiflächen bleiben zudem die besten, meist um die 100 Jahre alte Kiefern stehen. Diese Bäume sollen für Nachwuchs sorgen. Die Fachleute sagen dazu natürliche Verjüngung. „Ganz ohne unsere Hilfe geht das aber auch nicht“, erläutert Christian Lange. So muss im Frühjahr unter den Schirmbäumen gepflügt werden, damit die Zapfen mit ihren Samen direkt in den Boden fallen. „Auf geschlossenen Grasflächen würde das nicht funktionieren.“ Natürlich gibt es auch so keine Garantie, dass es mit dem Auflaufen junger Kiefern klappt. Doch die beiden Förster sind guter Hoffnung. Denn schon an anderen Stellen klappt die natürliche Verjüngung gut. „Falls es nach zwei Jahren nicht genügend Sprösslinge unter den alten Kiefern gibt, müssen wir nachbessern“, ergänzt Lange. Dann werden Setzlinge gepflanzt. Doch der Forstamtsleiter rechnet nicht damit, so massiv eingreifen zu müssen. Denn nicht nur die Schirmbäume werden Samen liefern. Auch Birken und Fichten werden hier von allein auflaufen. Saat kommt auch von angrenzenden Waldstücken, die Freiflächen werden ganz bewusst mosaikartig in den alten Wald geschlagen, erläutert Stecker. Und falls der Besatz dennoch nicht ausreicht, setzen die Förster liebend gern Buchen in die Lücken. Das passiert auch unter ausgelichteten, alten Kieferbeständen. „So wird aus dem Nadel- ein attraktiver Mischwald“, freut sich Lange. Und damit nicht genug. Der Forstamtsleiter sieht in den einst künstlich geschaffenen Freiflächen wertvolle Biotope. „Wir haben große Trockenrasengebiete und sogar Heidelandschaften“, erzählt Lange. „Die wollen wir erhalten und zugänglich machen.“ Deshalb sollen die einst von der Sowjetarmee frei geschlagenen und gerodeten Waldflächen nicht wieder aufgeforstet werden. Zugleich kosten Munitionsbergung, Waldumbau und Erschließung aber Geld, viel Geld. „Deshalb gibt es die Idee, auf einem Teil der Freiflächen Solar- oder Windkraftanlagen zu errichten“, so Christian Lange. Doch dafür gibt es noch keine konkreten Pläne, geschweige denn Arbeiten. „Klar ist auch, dass wir keinen Wald roden, um Platz für Windparks zu schaffen“, unterstreicht Lange.

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erstellt am 30.Jan.2014 | 16:29 Uhr

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