Ludwigslust : Kettenbriefe schnell löschen

Schüler nutzen heutzutage das Handy zur Kommunikation.
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Schüler nutzen heutzutage das Handy zur Kommunikation.

Textnachricht versetzte Fünftklässlerin an Ludwigsluster Lenné-Schule in Angst

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24. September 2015, 21:00 Uhr

Die Nachricht versetzte das Mädchen in Angst. Doch die Fünftklässlerin reagierte völlig richtig und informierte sofort ihre Mutter. Es geht um eine Nachricht, welche die Schülerin  der Ludwigsluster „Peter-Joseph-Lenné-Schule“ in dieser Woche über WhatsApp erhielt. Schulsozialarbeiterin Kristin Henke: „In der  Mitteilung wurde das Kind aufgefordert, die  Textnachricht  sofort an 20 weitere Kontakte  zu senden. Geschehe das nicht, würden schlimme Konsequenzen drohen.“

Es verbietet sich von selbst, den perversen Wortlaut der Nachricht an dieser Stelle wiederzugeben. „Das Mädchen war laut seiner Mutter, die umgehend die Schule informierte, sehr aufgewühlt und verängstigt. Ich bin sofort in unsere fünften und sechsten Klassen gegangen, habe den Schülern mitgeteilt, dass derzeit ein solcher Kettenbrief kursiert und so etwas der größte Quatsch sei“, sagt Kristin Henke. „Die Reaktion war sehr unterschiedlich: Einige Schüler haben  gelacht, andere waren völlig irritiert.“ Immerhin meldeten sich auf eine entsprechende Frage der Schulsozialarbeiterin über zwei Drittel der Kinder und  sagten, sie seien bei WhatsApp.

Kristin Henke: „Wichtig ist, dass die Kinder, wenn sie einen solchen Kettenbrief erhalten, mit ihren Eltern reden und diese das auf jeden Fall ernst nehmen.“ Ähnlich äußert sich die Rostocker Rechtsanwältin Gesa Stückmann, die    beispielsweise auf Foren Kinder und Eltern über Gefahren im Internet   aufklärt. Sie sagt: „Den Kindern muss vermittelt werden, dass solche Kettenbriefe schlichtweg Müll sind und sie keine Angst haben müssen. Eltern sollten ihre Kinder sensibilisieren, ihnen zu sagen, wenn ein solcher Brief empfangen wurde. Ganz wichtig ist, die Kette zu unterbrechen, den Brief nicht weiter zu schicken, sondern zu löschen.“

Gesa Stückmann rät Eltern, den Kindern zu ihrem Schutz abends vor dem Schlafengehen das Handy abzunehmen. Gerade, wenn Mädchen und Jungen nachts allein im Dunkeln sind, können solche drohenden Kettenbriefe Angst auslösen, warnt die Rechtsanwältin.

Ebenfalls mit dem Thema befasst sich Florian Schriefer vom Jessenitzer Aus- und Weiterbildung e. V. „Ein Problem ist auch, dass Mädchen und Jungen, wenn sie eine solche Nachricht erhalten, oft denken, sie haben etwas falsch gemacht und deshalb Angst haben, sich ihren Eltern anzuvertrauen. Diese Angst müssen Mutti und Vati ihnen nehmen und vielmehr deutlich machen: ,Du bekommst keinen Ärger, wir können dir das erklären.‘“

Schriefer erläutert auch, worauf es den Verfassern solcher Kettenbriefe eigentlich ankommt: „Ziel ist es, an möglichst viele Datenbanken zu gelangen, also Telefonnummern oder Mailadressen. Diese werden dann verkauft. Die Käufer wiederum  nutzen die Daten, um Werbung zu betreiben.“

Das Problem dieser Droh-Kettenbriefe ist  auch bei der Polizei bekannt. Polizeisprecher Steffen Salow: „Wenn ein solcher Sachverhalt zur Anzeige gebracht wird, verfolgen wir ihn.“ Fest dürfte aber auch stehen, dass die meisten Empfänger solcher Nachrichten sich nicht bei der Polizei melden.

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