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Interview : Keramik und Kampfkunst sind seine Welt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Christoph Bader, der seit 2002 mit seiner Frau Melanie in Loosen lebt und arbeitet, stellt sich zum Wochenende den 20 Fragen der SVZ

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2015 | 00:34 Uhr

Er ist Keramiker und Kampfsportler: Christoph Bader. Geboren 1978 geboren in Hagenow, wo er auch sein Abitur machte. Mit 13 trat er in einen Karateverein ein, erlernte die Kunst des Shotokan-Karate. Mit 17 widmete er sich dem Aikido-Kampfsport, dem er bis heute erfolgreich nachgeht.

Seine Töpferlehre absolvierte er in Wismar bei Keramikerin Bernadette Roolf. Von 1998 bis 2001 machte er seine Lehre zum Keramiker, ein Jahr später wählte er den Weg in die Selbstständigkeit. Nach kurzer, aber intensiver Suche nach einem geeigneten Hof landeten er und seine Frau Melanie in Loosen, wo sie seit 2002 leben und in der Werkstatt arbeiten. Christoph Bader beantwortete SVZ-Redakteur Michael Seifert die 20 Fragen.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Christoph Bader: Im Sommer bei uns auf dem Hof, unter dem großen Schleppdach vor der Galerie mit einer Tasse Tee, den Hunden beim Herumliegen zusehend...

Was würden Sie als Bürgermeister Ihres Wohnortes sofort verändern?
Ich habe keinerlei Ambitionen, Bürgermeister zu werden, daher stellt sich diese Frage für mich eigentlich nicht. Winston Churchill antwortete mal auf die Frage nach seinem Geheimnis für ein langes Leben mit: „no sports!“ Besser passt allerdings: „Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selbst. Er gibt auch anderen die Chance.“ Da bleibe ich doch lieber als Sportsmann bei „no politics“...

Wo kann man Sie in Ihrem Wohnort am ehesten antreffen?
In der Werkstatt an der Töpferscheibe oder unterwegs mit meiner Frau im Wald, zu Fuß mit den Hunden oder auf dem Rücken unserer Kaltblutstute „Lovis“. Oft genug auch beim Ausmisten der Ställe.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit 16 oder 17 durfte ich im Hagenower Karateverein Musashi (wo ich 1991 mit dem Training begann, als schmaler 13-Jähriger...) zuerst Kinder und später auch erwachsene Anfänger unterrichten und bekam dafür zeitweise ein ganz gutes Taschengeld.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?

Hauptsächlich für CD’s und Bücher oder mal ’ne Jeanshose.

Was würden Sie gerne können?

Banjo spielen. Zuerst für mich und irgendwann gut genug, um in einer kleinen Bluegrass-Band mitzuspielen. Ich fürchte allerdings, dass dafür nie die Zeit übrig sein wird. Vielleicht im Alter, in einer Rentner-Band...

Was stört Sie an anderen?
In ansteigender Intensität: Dummheit, Ignoranz und Dreistigkeit. Wenn ich solche Tendenzen bei mir selbst entdecke oder bemerke, bin ich ebenso unzufrieden wie mit meinen Mitmenschen. Über Dummheit kann man im besten Fall noch lachen, Ignoranz ist da schon ärgerlicher, Dreistigkeiten lassen mich oft zuerst sprachlos und ratlos zurück, dann aber kocht’s gegebenenfalls.

Worüber haben Sie zuletzt gelacht?
Es kommt schon vor, dass ich manchmal unfassbar albern bin. Am liebsten lache ich im Duett mit meiner Frau! Vielleicht nicht täglich, aber so oft wie möglich.

Was Unvernünftiges haben Sie zuletzt getan?
Was für den Einen unvernünftig ist, erscheint dem Anderen ganz normal, also was soll’s...?
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Für mich ist jemand ein Held, der mindestens eine der folgenden Eigenschaften zeigt: Selbstlosigkeit, Opferbereitschaft und großen Mut. Alle drei Dinge sind mir schon begegnet. Heldentum im Alltag sozusagen.

Welches Buch lesen Sie gerade?
Wenn ich nicht gerade ein neues Buch lese, welches mich komplett begeistert, lese ich oft mehrere Bücher parallel. Zur Zeit sind das: „Damaskus im Herzen“ von Rafik Shami. Der Autor ist ein syrischer Christ, der seine Heimatstadt Damaskus schon vor über 30 Jahren verlassen hat. Er geht sowohl mit dem Westen als auch mit der arabischen Welt zum Teil recht hart ins Gericht.

Außerdem lese ich in einem Buch mit dem Titel „Das Paleo-Prinzip“ von Boris Leite-Poco. Da geht es um eine Art der Ernährung, die sich an den kulinarischen Gegebenheiten in der Altsteinzeit orientiert. Ab Januar, also auf jeden Fall nach den Feiertagen, werde ich das mal probieren. Keine Milchprodukte, kein Getreide, keine Hülsenfrüchte. Dafür Fleisch, Fisch, Nüsse, Beeren und Knollen, alles, was unsere Vorfahren jagen oder sammeln konnten.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Meine Frau und ich schauen gerne das „Neo Magazin Royal“ von und mit Jan Böhmermann und dem merkwürdigen William Cohn.

Was bedeutet für Sie Glück?
Glück ist für mich der selten erreichte Zustand umfassender Zufriedenheit bei heiterer Gelassenheit und geistiger Klarheit.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten - was würden Sie sich wünschen?
Erstens: Gesundheit für meine Familie und damit auch für mich. Zweitens: Die gerade erwähnte heitere Gelassenheit, wenn schon nicht als Dauerzustand, dann doch wenigstens zeitweise. Drittens: In den folgenden neun Monaten 15 kg abnehmen, dann steht mit etwas Glück und nach viel hartem Training die nächste Aikido-Dan-Prüfung an... Mal sehen, ob’s mit dem Paleo-Prinzip klappt.

Wen würden Sie gerne mal treffen?
Den dänischen Schauspieler Mads Mikkelsen. Er verkörperte den knochenharten und prinzipientreuen Michael Kohlhaas in Arnaud des Pallieres gleichnamigem Film genauso glaubhaft wie den wirklich bizarren Typen in „Men & Chicken“ von Anders Thomas Jensen. Beide Filme liefen erfreulicherweise im Ludwigsluster Kino. Dafür sei den Betreibern gedankt. Also, falls Herr Mikkelsen mal nach Loosen kommt, es gibt Tee und Gebäck! Oder auch ein Tuborg-Bier.

Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch?
Meine Frau kocht erfreulicherweise gerne und sehr gut. Ich bin da nicht sehr wählerisch und auch ein guter Esser! Je nach Saison gibt es Kartoffeln, Gemüse, Wild, Fleisch und Fisch, auch selbst geschlachtete Enten und Hühner.

Mit welchem Lied verbinden Sie ihre schönste Erinnerung?
Selbst wenn mir dazu spontan etwas einfiele, würde ich es vermutlich für mich behalten.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Vor zwei Jahren bekam ich einen Recurve-Bogen und ein paar Pfeile von meiner Frau geschenkt. Damit konnte ich dann Heuballen „erlegen“...
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Vielleicht noch unter 40 den Jagdschein machen? Dann könnte ich mehrere Interessen unter einen Hut bringen: Bewegung in der Natur, Umgang mit Tieren (man bräuchte dann schließlich einen extra Jagdhund!) und das Privileg, sein Essen wenigsten gelegentlich selbst zu beschaffen. Das wäre doch nur konsequent.

Wem sollen wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Unserem Freund und Brennofen-Helfer Udo Kruse aus Picher. Ein universell begabter Handwerker und hilfsbereiter Mensch.


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