Grabow : Keller und Mauern ans Tageslicht geholt

Archäologe Rolf Schulze an der Grabungsstelle neben dem Rathaus in Grabow. Fotos: Michael Seifert (2)
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Archäologe Rolf Schulze an der Grabungsstelle neben dem Rathaus in Grabow. Fotos: Michael Seifert (2)

Archäologe Rolf Schulze untersucht die Fundstelle neben dem Rathaus Grabow

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04. November 2015, 07:00 Uhr

Die bunte Stadt an der Elde ist für den Schweriner Archäologen Rolf Schulze eine wahre Fundgrube. Nach den Skelettfunden im Keller des Hauses, das heute die Schau(m)manufaktur beherbergt und auf dem Areal des ehemaligen Friedhofs an der Kirche hat er nun neue Entdeckungen gemacht. „Wir haben Reste eines alten Gebäudes gefunden, von dem noch Fotos existieren“, so Rolf Schulze, als er SVZ gestern die Fundstelle neben dem Rathaus präsentierte. Und durch Zufall lief dem Archäologen gestern beim Imbiss am Rathaus Hans-Georg Grubba über den Weg, der eine historische Aufnahme von den beiden ehemaligen Gebäuden am Marktplatz in Grabow besitzt und sie SVZ als Repro per e-Mail zur Verfügung stellte.

Rolf Schulze: „Das Haus ist 1945 zerstört worden, zum Kriegsende wurde es in Brand gesteckt. Hier befanden sich bis zu diesem Zeitpunkt die Polizeiwache und das Heimatmuseum.“

Das Fachwerkhaus, so der Experte weiter, war nach dem großen Stadtbrand 1725 gebaut worden. Ursprünglich standen im Grabungsbereich zwei Häuser, eines war dort, wo sich heute die Rasenfläche neben dem Rathaus befindet. Auf die Überreste des einen Hauses waren die Bauleute im Zuge der Arbeiten für den neuen Springbrunnen gestoßen, als es um das Verlegen der Ver- und Entsorgungsleitungen ging. Der Bagger hatte dann die Rudimente der Grundmauern und des Kellers freigelegt. Ausführende Firma ist hier die Grabower Tief- und Straßenbaufirma Haack & Stewering, die auch bei den anderen Baustellen gut mit den Archäologen zusammengearbeitet hat.

Die Fundstelle am Rathaus liegt direkt unter der Oberfläche, keine zwanzig Zentimeter tief, so Rolf Schulze. Der Rest des Raums im Erdgeschoss ist relativ gut erhalten. Noch gut sind nach den Grabungsarbeiten die steinernen Stützen zu erkennen, auf denen die Unterzüge eines Dielenbodens lagen. Das Feuer hat das Holz der Dielen weggebrannt, so dass die Reste unter das Niveau der Ziegelreihe als Träger des Bodens gekommen sind. „Das Haus stammt aus der Zeit um 1725, aus der Frühneuzeit, eine für Archäologen sehr relevante Periode“, ergänzt Rolf Schulze, der hier von einem Sonderfall spricht. „Hier ist mit deutlich älteren Befunden zu rechnen, weil darunter eine mittelalterliche Bebauung zwischen 1200 und 1500 liegt“, sagt der Schweriner Grabungsexperte.


Kronleuchter stürzte ins Erdgeschoss


Aber er spricht auch noch von einem anderen Sonderfall: „Wir erwarten da durchaus noch Funde aus der Zeit des Heimatmuseums, das sich im Obergeschoss befand. Zutage kommen könnten Bestandteile der am Kriegsende durch den Brand verloren gegangenen Ausstattung des Museums.“ Bisher ans Tageslicht gekommen sind Fundstücke aus der Hausausstattung des frühen 20. Jahrhunderts. Porzellan mit Stempel, das sich gut datieren lässt. Ein besonderer Fund ist ein Kronleuchter, der aus dem Bestand des Heimatmuseums stammen muss. „Der Leuchter ist so alt, dass er in der Zeit um 1940 nicht mehr benutzt wurde. Der Kronleuchter muss aus dem ersten Stock auf den Fußboden des kleinen Raumes gefallen sein“, so der Archäologe. Das rund acht Kilogramm schwere Fundstück ist inzwischen zerlegt und im Heimatmuseum Grabow aufbewahrt. Rolf Schulze schätzt, dass der Leuchter aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammt. „Das war etwas Wertvolles, auf keinen Fall eine Alltagsbeleuchtung.“

Die Teile des Kronleuchters und andere Fundstücke wie kleine Löffel aus dem Brandschutt werden nun untersucht und die Inventarlisten aus dem Bestand des einstigen Heimatmuseums abgeglichen, um auch zu klären, ob die Fundstücke zum Hausbestand oder zum Inventar des Museums gehörten.

Rolf Schulze, der schon gut eine Woche hier am Werk ist, wird noch eine Weile an der Grabungsstelle zu finden sein. „Der Keller muss nun vollständig freigelegt, die Mauern dokumentiert werden. Weil der Keller älter als das Haus aus dem Jahre 1725 ist, werden wahrscheinlich Spuren aus dem Mittelalter von 1200 bis 1500 zum Vorschein kommen.“

Nach Abschluss der Untersuchungen und Auswertung des Grabungsberichtes wird es eine Ausstellung im Heimatmuseum Grabow geben.

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